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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Warum die massiven Blackouts für Südafrika verheerend werden können

An Südafrikas Strommonopolist Eskom zeigt sich, was passiert, wenn die Grenze zwischen Staat und Regierungspartei verwischt. Am Kap drohen massive Stromausfälle.
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Für Südafrika hätten die Stromausfälle zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können.
Stromausfall in Soweto

Für Südafrika hätten die Stromausfälle zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können.

KapstadtStaatliche Verlautbarungen verpuffen in Südafrika für gewöhnlich. Mal werden mehr Arbeitsplätze versprochen, mal ein schärferes Vorgehen gegen die Kriminalität oder ein Ausbau der maroden Infrastruktur. Passiert ist hingegen auf all diesen Feldern seit Jahren so gut wie nichts. Deshalb registrieren die Menschen mittlerweile überhaupt nicht mehr, was die Regierung verkündet.

Doch es gibt eine Ausnahme: Als der staatliche Strom-Monopolist Eskom vor drei Wochen vor neuerlichen Stromengpässen am Kap warnte, ging alles ganz schnell: Binnen 24 Stunden kam es zwischen Johannesburg und Kapstadt tatsächlich zu Blackouts – pünktlich zum Beginn der Touristensaison.

In der Weihnachtszeit ist die Nachfrage geringer, Eskom hat inzwischen eine gesicherte Stromversorgung für die Weihnachtszeit versprochen. Doch vieles deutet darauf hin, dass sich die Lage schon zu Jahresbeginn deutlich verschärfen könnte.

Für Südafrikaner bedeutet dies, dass sie nach den demoralisierenden Stromausfällen in den Jahren 2008 und 2015 abermals Kerzen und Taschenlampen bereithalten müssen, um nicht im Dunkeln zu sitzen. Damals wurde wegen des Ausfalls wichtiger Kraftwerke monatelang der Strom rationiert, wobei der Wirtschaft ein hoher Milliardenschaden entstand.

Doch selbst dieser Warnschuss ist ungehört verhallt: Offenbar sind die Anlagen auch im Anschluss erneut nur notdürftig gewartet worden. Zudem hat Eskom in den vergangenen Jahren keine einzige neue Kohlegrube erschlossen. Und das, obwohl Experten das gerade wegen der extremen Abhängigkeit des Landes von diesem Energieträger seit Langem anmahnen.

Nun ist das vorhergesagte Versorgungsdefizit tatsächlich eingetreten – und könnte die bereits schwer angeschlagene Wirtschaft endgültig in die Knie zwingen. Niemand kann derzeit sagen, wie lange die Phase mit vielen Blackouts diesmal dauert. Energiespezialist Ted Bloom prophezeit einen Zeitraum bis mindestens 2025, weil die Erschließung neuer Kohlegruben mindestens fünf Jahre brauche. Bis dahin herrsche ein eklatanter Mangel an Kohle.

Für Südafrika hätten die Stromausfälle jedenfalls zu keinem schlechteren Zeitpunkt kommen können. Denn das Land am Kap erholt sich gerade langsam von einer Rezession, in die es Mitte des Jahres geschlittert war. Die Blackouts dürften die nach diversen anderen Rückschlägen vorsichtig gewordenen Investoren jetzt weiter vergraulen.

Im vergangenen Jahr erhielt Südafrika mit 1,3 Milliarden Dollar weniger als 0,1 Prozent der weltweit zirkulierenden ausländischen Direktinvestitionen, eine unfassbar niedrige Summe. Inzwischen droht die Gefahr, dass die Stromengpässe nun auch Moody’s als letzte positiv gestimmte Ratingagentur veranlassen könnten, Südafrikas Staatsschuld auf Ramschstatus herabzustufen – und damit die fragile Landeswährung Rand erneut auf Talfahrt zu schicken.

„Wir können einfach nicht den neun Jahren unter Staatschef Zuma entkommen“, sagt Azar Jammine, Chefökonom des Wirtschaftsberaters Econometrix, mit Blick auf die unter Zuma völlig aus dem Ruder gelaufene Korruption und die Plünderung der Staatskasse. Inzwischen sind die Wachstumsaussichten für Südafrika die zweitschwächsten unter allen G20-Staaten. Nur Argentinien schneidet noch schlechter ab.

Die Lage ist das genaue Gegenteil dessen, was sich der im Februar vereidigte neue Präsident Cyril Ramaphosa von einer im November ausgerichteten Investmentkonferenz erhofft hatte. Auf die dort beschworenen Milliardeninvestitionen wartet man am Kap jedenfalls vergeblich. Daneben sollte ein neuer Vorstand, gepaart mit frischen Führungskräften, dem schwer angeschlagenen staatlichen Energieversorger neue Stabilität verleihen.

Doch obwohl Eskom nun endlich damit begonnen hat, schärfer gegen die extreme Korruption in den eigenen Reihen vorzugehen, ist die in Aussicht gestellte neue Strategie zweimal verzögert worden – vermutlich weil im nächsten Jahr am Kap gewählt wird. Ramaphosa wird die eigene Klientel nicht kurz zuvor mit Massenentlassungen, wie sie dringend nötig wären, vor den Kopf stoßen wollen.

Südafrikas staatlicher Strommonopolist Eskom ist ein Musterbeispiel dafür, was in einem Land passiert, in dem die Grenze zwischen Staat und Regierungspartei verwischt. Seit Jahren entsorgt der regierende Afrikanische Nationalkongress (ANC) ausgediente und oft hochkorrupte Parteimitglieder in das Unternehmen, während zeitgleich viele weiße Techniker entlassen werden.

Eskom ist darüber zum größten Risiko für die südafrikanische Wirtschaft mutiert: Seit der Amtsübernahme von Jacob Zuma 2009 ist die Belegschaft um fast 50 Prozent und die Schuldenlast um das Zehnfache auf umgerechnet rund 27 Milliarden Euro gestiegen. Schon in drei Jahren soll sie sich auf über 40 Milliarden Euro belaufen, denn das Unternehmen steckt inzwischen in einer veritablen Schuldenspirale und kann selbst seine Zinsen kaum mehr bedienen.

Und das, obwohl das Land heute weniger Strom als vor zehn Jahren erzeugt. „Wir müssen etwas Drastisches unternehmen, denn wir befinden uns am Rande des Abgrunds“, warnt der renommierte Wirtschaftsexperte Mike Schussler.

Dass Südafrika bis vor Kurzem trotz der chaotischen Verhältnisse bei Eskom überhaupt noch ausreichend Strom produziert hat, lag allein daran, dass sein Wirtschaftswachstum auf unter ein Prozent abgestürzt ist und die Stromnachfrage deshalb seit Langem stagniert.

Seit 2009 sind die Strompreise dennoch um fast 400 Prozent gestiegen – und Eskoms Personalkosten gleichzeitig um satte 300 Prozent. Gegenwärtig deutet bei allem hektischen Aktionismus wenig darauf hin, dass der ANC den Ernst der Lage erkannt oder einen Notfallplan parat hätte.

Stattdessen legt die Regierungspartei ihr Augenmerk im Zuge eines Ablenkungsmanövers auf Landumverteilungen. So sollen künftig auch „Enteignungen ohne Entschädigung“ möglich sein. Das weckt wiederum düstere Erinnerungen an die Ereignisse in Simbabwe, wo eine ähnliche Politik des Regimes von Ex-Diktator Robert Mugabe in der Vertreibung der weißen Großfarmer und dem wirtschaftlichen Kollaps des Landes mündete.

Mit dem neuen Populismus in der Landfrage hoffen Ramaphosa und der ANC offenbar, die linksradikalen Economic Freedom Fighters (EFF), die eine noch schärfere Enteignung der Weißen fordern, bei den Parlamentswahlen im kommenden Jahr in Schach zu halten. So wollen sie verhindern, dass der ANC unter 50 Prozent absackt. Seit ihrer Machtübernahme 1994 ist die frühere Widerstandsbewegung nie unter diese Schwelle gefallen.

Der angesehene Bildungsexperte und Kommentator Jonathan Jansen sagt es ganz unverblümt: „Diese Regierung hat weder die Kompetenz noch das Vermögen, wirksam zu regieren. Wenn die Lichter in einem Industrieland von einem Tag auf den anderen ausgehen, sinkt das öffentliche Vertrauen in eine Regierung auf verheerende Weise.“

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