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Weltgeschichte Arbeiten in Frankreich: Warum die 35-Stunden-Woche längst nicht für alle gilt

In Frankreich ist die 35-Stunden-Woche offiziell unantastbar, auch für Präsident Macron. Doch viele Franzosen arbeiten weniger – andere auch deutlich mehr.
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Nach den Erfahrungen des Handelsblatt-Reporters in Paris wird im französischen Verteidigungsministerium auch um 22 Uhr noch gearbeitet. Quelle: AFP/Getty Images
Das französische Verteidigungsministerium

Nach den Erfahrungen des Handelsblatt-Reporters in Paris wird im französischen Verteidigungsministerium auch um 22 Uhr noch gearbeitet.

(Foto: AFP/Getty Images)

ParisDie Arbeitswoche von 35 Stunden ist für Frankreich ein Fixpunkt, den auch der reformerische Präsident Emmanuel Macron nicht zu verrücken wagt. Die Franzosen staunten allerdings nicht schlecht, als sie kürzlich von einem Bericht der im Wirtschafts- und Finanzministerium angesiedelten Allgemeinen Finanzinspektion  erfuhren: Eine große Zahl der Beamten, fast ein Drittel von 1,1 Millionen (ohne Lehrer, Polizisten und Soldaten) arbeitet nicht einmal 35 Stunden in der Woche.

Gut 310.000 Staatsdiener leisten statt der vorgeschriebenen 1607 Stunden im Jahr im Schnitt 50 bis 60 Stunden weniger. Das wird nicht durch Tricks und Schliche erreicht, sondern durch ganz offizielle Sonderregelungen, die sich „Minister-“ oder „Bürgermeistertage“ nennen.

Beliebt sind auch die „Jours de Franctionnement“, holperig mit „Split-Tage“ zu übersetzen. Auf die hat ein Beamter Anrecht, der sich außerhalb der Hauptferienzeit im Sommer erholt: Je fünf Urlaubstage werden dann mit einem Gratistag belohnt.

Die Indiskretion, durch die Frankeichs Öffentlichkeit von den Beamten im Schongang erfuhr, kam natürlich nicht zufällig zustande. Sie war wohl gedacht als Einstimmung auf die Reform des öffentlichen Dienstes, die Macron in Angriff genommen hat. Damit will er mehr Leistung mit weniger Beamten erreichen. Auch ein Stück Dezentralisierung soll es geben, durch die Verlegung großer nationaler Behörden aus der Hauptstadt heraus.

Und ganz schließen will die Regierung einen guten Teil der rund 1200 Agenturen und Ämter, deren Sinn sich niemandem mehr erschließt oder die sich gleich im Doppelpack um dieselbe Aufgabe kümmern.

Wer als Journalist mit Ministerialbeamten zu tun hat, stellt übrigens schnell fest, dass auch für die nicht die 35-Stunden-Woche gilt. Allerdings weichen sie nicht nach unten ab, sondern hängen ständig Stunden dran. Das gilt nicht nur für die leidgeprüften Mitarbeiter des Präsidenten, der eine Verfügbarkeit rund um die Uhr erwartet. Auch in vielen normalen Ministerien gibt es Arbeitszeiten, die man in Deutschland nicht kennt.

Abends um 19 Uhr, wenn man in der Bundesrepublik mit Glück noch den Pförtner erwischt, jemanden zu erreichen ist geradezu die Regel.

Mein persönlicher Rekord: Nach 19 Uhr rief ich kürzlich einen Mitarbeiter einer Aufsichtsbehörde für sensible Infrastruktur an, die dem Verteidigungsministerium zugeordnet ist. Der war zwar auskunftsbereit, aber nicht zuständig und verwies mich an eine Abteilung im Finanzministerium.

Meine Mail an die Fachleute dort blieb nicht lange unbeantwortet: Um 22 Uhr rief mich ein Experte an und fragte, womit er mir dienen könne. Was denken solche Leute wohl, wenn sie von Kollegen lesen, die es nicht einmal auf 35 Stunden bringen?

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1 Kommentar zu "Weltgeschichte: Arbeiten in Frankreich: Warum die 35-Stunden-Woche längst nicht für alle gilt"

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  • Betreff: Arbeiten in Frankreich

    ich lese da:
    "Jours de Franctionnement"
    Frage:
    ist das Wort richtig?? soll das nicht heißen "Fractionnement"?
    m.f.G.
    François Geib

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