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Weltgeschichte Frankreich und die subventionierte Droge Tabak

Um die Menschen vom Rauchen abzubringen, verbietet der französische Staat Werbung und erhöht Steuern. Gleichzeitig fördert er aber die Tabakhändler mit riesigen Summen. Das bringt Probleme mit sich. Eine Weltgeschichte.
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Viele Händler, mächtige Lobby. Quelle: cc Guillaume Flament
Tabak-Geschäft in Frankreich

Viele Händler, mächtige Lobby.

ParisJeder Frankreich-Tourist kennt die Ikone unseres Nachbarlandes, die in jedem Dorf das Straßenbild prägt: die lange rote Raute der „bureaux de tabac“. Schon seit mehr als hundert Jahren, genau seit 1906 müssen die „buralistes“ genannten Schmauchwarenhändler sie an die Fassade ihres Geschäfts schrauben.

„Karotte“ heißt die schmale Leuchtreklame in Frankreich. Ihr Ursprung geht aufs 16. Jahrhundert zurück, als Tabakblätter in karottenförmige Bündel gepresst wurden, von denen man Stücke zum Kauen oder Rauchen schnitt und raspelte. Nicht nur die rote Tabak-Rübe hat etwas Urfranzösisches. Auch das System, das dahinter steht, enthält viele charakteristische Züge französischer Politik: Der Staat gibt und nimmt ohne Rücksicht auf Vernunft. Und er gibt oft denen am meisten, die am lautesten schreien.

Die rund 25.000 Buralistes sind gut organisiert, sie haben eine laute Stimme. Sie verkaufen nicht nur Rauchbares, sondern auch Rubbellose und Briefmarken, dagegen immer seltener Zeitungen. Bitter beklagen sie sich über die Politik, die aus Gründen des Gesundheitsschutzes den Tabakkonsum madig mache, durch Preiserhöhungen und eine Einheitspackung. Dabei kann den Händlern das herzlich egal sein. Obwohl seit Jahren die Steuern erhöht werden und der Tabakkonsum schwindet: Die staatlichen Beihilfen und damit die Umsätze der Tabakhändler steigen.

Frankreichs Rechnungshof in Rage

Diese schizophrene Politik – den Tabakkonsum einschränken, aber die Subventionen für die Händler der krebserregenden Stengel hochfahren – treibt den französischen Rechnungshof in Rage. In einer im Februar veröffentlichten Stellungnahme rechnet er minutiös vor, wie gut die Händler dank der letzten drei, jeweils auf fünf Jahre abgeschlossenen „Zukunftsverträge“ mit der Zollverwaltung des Wirtschaftsministeriums leben: Während des ersten stiegen ihre Einnahmen um 16 Prozent, während es zweiten um 21 und während des dritten – 2015 ausgelaufen – um acht Prozent. Ende 2016 wurde vereinbart, dass die Hilfen für die Buralisten erneut steigen werden.

Die Händler dürfen nicht nur einen Teil des Einzelverkaufspreises für sich behalten. Sie bekommen auch „Sondererstattungen“, „Zukunftserstattungen“, besondere Zuschüsse zur Rente, Umstellungshilfen etc. Alles begründet damit, dass es kleine, an der Armutsgrenze lebende Händler gebe, deren Schicksal der Republik nicht gleichgültig sein dürfe. „Doch den größten Teil der Subventionen streichen die Händler mit den höchsten Umsätzen ein“, erregt sich der Rechnungshof. Den ärgert besonders, dass die Verträge unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt würden, von der Zollverwaltung mit der Händlervereinigung. 

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