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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

JD.com-Gründer Liu #MeToo erreicht die chinesische Geschäftswelt

Während seiner Amerika-Reise wird der Gründer von JD.com wegen des Verdachts eines sexuellen Übergriffs festgenommen. #MeToo hat die chinesische Geschäftswelt erreicht.
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Der 45-Jährige wurde wegen des Verdachts des sexuellen Fehlverhaltens in Gewahrsam der Polizei von Minneapolis gebracht. Quelle: AP
Liu Qiangdong

Der 45-Jährige wurde wegen des Verdachts des sexuellen Fehlverhaltens in Gewahrsam der Polizei von Minneapolis gebracht.

(Foto: AP)

Peking Auf den Fotos wirkt Liu Qiangdong – auch Richard Liu genannt – ängstlich, den Tränen nahe. Der Gründer des chinesischen E-Commerce-Unternehmens JD.com trägt das berühmte orangefarbene Hemd, das viele Inhaftierte in den USA bekommen. Denn am 31. August um 23:32 Uhr musste der 45-Jährige wegen des Verdachts des sexuellen Fehlverhaltens in Gewahrsam der Polizei von Minneapolis verbringen. Erst am Samstagnachmittag kam er wieder auf freien Fuß.

Wie schwerwiegend Lius mutmaßliches Vergehen gewesen sein soll, wird aus den Gerichtsakten nicht ersichtlich. Die Gesetze des US-Staates Minnesota bemessen strafbares sexuelles Fehlverhalten in fünf Stufen, angefangen bei groben Ordnungswidrigkeiten bis hin zu Straftaten. Die Vorfälle können von nicht einvernehmlichen Berührungen bis hin zu gewalttätigen Übergriffen mit Verletzungen reichen.

Das Unternehmen teilte auf dem chinesischen sozialen Netzwerk Weibo mit, dass gegen Liu falsche Vorwürfe erhoben worden seien. Die örtlichen Ermittler wiederum sagten, dass die Untersuchungen weiterlaufen – die Freilassung habe nichts mit der Schwere der Anklage zu tun. Liu ist als Doktorand im Business Administration Programm an der University of Minnesota eingetragen und war vergangene Woche als Teil des Kurses vor Ort.

Schon im Juli kam Liu in Zusammenhang mit sexuellem Fehlverhalten in die Schlagzeilen. Während einer Party, die 2015 in seinem Anwesen in Sydney stattfand, soll einer der Gäste eine Frau sexuell missbraucht haben. Das australische Gericht gab Lius Anfrage nicht statt, seinen Namen aus diesem Fall zu halten.

#MeToo schwappte schon im letzten Dezember nach China und wurde millionenfach auf Weibo, dem chinesischen Twitter, erwähnt. Doch viele Diskussionen wurden zensiert oder unter den Teppich gekehrt. Dennoch hat die Bewegung die Einstellung von vielen jungen Leuten hauptsächlich in den urbanen Gegenden und intellektuellen Zirkeln beeinflusst. Vor allem in den vergangenen zwei Monaten kamen immer wieder prominente Fälle zum Vorschein.

So bezichtigte im Juli eine 27-Jährige unter dem Pseudonym „Kleine Seele“ den prominenten Journalisten Zhang Wen der Vergewaltigung. Wenig später folgten ihr sechs weitere Frauen, die behaupteten, von ihm belästigt worden zu sein. Zhang hingegen behauptete, die Affäre mit der Klägerin sei im beiderseitigen Einverständnis gewesen. Außerdem sei es im Zirkel der Medienschaffenden normal für Männer und Frauen, „nach Alkoholkonsum zusammen Fotos zu machen, sich zu umarmen und sich zu küssen“.

Zur gleichen Zeit wurde ein 95-seitiges Dossier über einen hochrangigen buddhistischen Mönch aus China, Shi Xuecheng, veröffentlicht. In dem Dokument hieß es, er habe Geld unterschlagen und Nonnen dazu gezwungen, Geschlechtsverkehr mit ihm zu haben. Zwar wies Shi die Anschuldigungen zurück, aber er musste im August trotzdem von seinem Posten als Präsident des Nationalen Buddhistischen Verbandes zurücktreten.

Doch die wirklich mächtigen Entscheidungsträger hat #MeToo in China noch nicht erwischt. Politiker wurden bisher noch nicht öffentlich des sexuellen Fehlverhaltens bezichtigt. Dabei ist sexuelles Fehlverhalten oft Teil der Anklage, wenn Kader wegen Korruption vor Gericht landen.

Im Urteil des ehemaligen Generalsekretärs der Provinz Chongqing, Bo Xilai, hieß es, er habe „mit mehreren Frauen unzulässige sexuelle Beziehungen“ gepflegt. Zhou Yongkang, einst Mitglied des Ständigen Ausschusses des Politbüros und somit der Machtzentrale Chinas, wurde schuldig gesprochen, „Ehebruch“ begangen zu haben und „Macht und Geld für Sex mit mehreren Frauen“ eingetauscht zu haben.

Bisher waren auch prominente Geschäftsleute von der Bewegung verschont geblieben. Aber in Amerika ist es anders. Auch Lius Geld konnte ihn nicht vor seinem orangefarbenen Outfit und der Haft verschonen.

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1 Kommentar zu "JD.com-Gründer Liu: #MeToo erreicht die chinesische Geschäftswelt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nach den USA sollte man nicht mehr reisen, wenn man nicht riskieren will, wegen irgendeiner Anschuldigung festgenommen zu werden. Man erinnere sich an den Praesidenten des IWF, der in eine dumme Sexfalle getappt ist, und monatelang unter
    demuetigenden Umstaenden einsass. Die Antwort ist "no be there"!

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