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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

USA Warum New York die beste Stadt der Welt ist

Smart, international, aufregend, jeder sollte einmal nach New York kommen. Es gibt keinen besseren Ort. Ein Abschied nach 19 Jahren.
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Die Skyline von Midtown Manhattan der Stadt New York. Das Klischee sagt, dass die Stadt niemals schläft. Quelle: dpa
New York

Die Skyline von Midtown Manhattan der Stadt New York. Das Klischee sagt, dass die Stadt niemals schläft.

(Foto: dpa)

New YorkFast zwei Jahrzehnte habe ich in New York gelebt. Es war die beste Zeit meines Lebens. Noch nie habe ich so viel gelernt, gelebt, geliebt. Die Stadt ist einzigartig, und dafür gibt es einen Grund: Die Menschen.

New Yorker haben keinen guten Ruf in den USA. Sie gelten als hochnäsig, besserwisserisch und unhöflich. Ich denke, das beruht auf einem Missverständnis. New Yorker sind ungeduldig. Ewig bedrängt von horrenden Mieten und hohen Erwartungen sind sie immer in Eile, sprechen schnell, essen hastig und rennen fortwährend durch die Straßen.

Aber einmal zur Ruhe gekommen, sind sie die nettesten und weltoffensten Menschen. Ihre Intelligenz ist ansteckend, ihre Fähigkeit, humorvoll und nicht mit dem Kopf in den Wolken zu leben, unübertroffen. Ohne Frage hat mich New York smarter gemacht. Ich denke besser, schneller, pragmatischer.

Es ist nicht alles wunderbar. Die Mieten waren schon immer hoch, erreichen jetzt aber absurde Höhen. Die Zahl der Obdachlosen strebt Rekordhöhen an, darunter nicht wenige Familien, die aus ihren Wohnungen gedrängt werden. Anders als in Deutschland kann man hier vom Vermieter sehr schnell auf die Straße gesetzt werden.

Es geht ein wenig die Mischung verloren. Stadtteile wie Greenwich Village oder Soho sind längst nur noch von Reichen bewohnt. Vor wenigen Monaten musste ich aus meiner Wohnung in der Bleecker Street ausziehen, weil Investoren aus Singapur das Haus gekauft und alle Bewohner rausgeworfen haben. Jetzt wird es grundsaniert, die vorher schon hohe Miete verdoppelt sich.

Ein Spaziergang durch das Greenwich Village oder die Upper West Side zeigt das Problem: Ein leeres Ladenlokal reiht sich an das Nächste. Die Mietverträge sind in der Regel auf fünf bis zehn Jahre befristet, läuft die Zeit ab, kann der Vermieter so viel auf die Miete aufschlagen, wie er möchte. Es verschwinden die kleinen Geschäfte, der italienische Schlachter oder das Nachbarlokal, die sich Tausende Dollar pro Quadratmeter monatlich nicht leisten können.

Es kommen die Ketten, Banken, oder gar nichts. Überall sind die Schilder „For Rent“ zu lesen. Die Stadt wird normaler, homogener, langweiliger.

Trotzdem: New York ist eine internationale, weltoffene Stadt. Es leben dort so viele Kulturen und Ausländer auf so engen Platz wie sonst kaum in der Welt. Eine Fahrt durch Queens oder Brooklyn gleicht einer Weltreise, jeder U-Bahn-Waggon einer UN-Hauptversammlung. New York zeigte mir die Welt, durch sie habe ich viel über meine Herkunft und Identität gelernt, und wie nötig Toleranz und Mitgefühl sind.

New York ist voller Energie, die Menschen ziehen sich verrückt an, machen keinen Hehl aus ihren Leidenschaften. Die Basketballspieler an der Straßenecke, die Schachspieler im Park, der Dichter im Klappstuhl, der Breakdancer in der U-Bahn, die Dame mit Pudel in der Upper East Side. Die Gegensätze sind so groß, bunt, lustig, unglaublich, dass es einem auch nach 20 Jahren immer noch unwirklich vorkommt.

Jeder sollte einmal in New York gewesen sein. Sei es nur ein paar Tage, aber noch viel besser ein paar Jahre. Es bereichert, birgt allerdings eine Gefahr: Das man nicht mehr weg will. Ich kam 1999 mit einem Jahresvertrag in die Stadt, danach konnten mich keine zehn Pferde mehr wegbekommen.

Der Abschied fällt auch jetzt schwer. New York ist bei allen Veränderungen immer noch die beste Stadt der Welt. Stillstand ist ein Fremdwort. Ich habe hier gelernt, niemals aufzugeben, mich nicht unterkriegen zu lassen und stets nach neuen Dingen Ausschau zu halten.

Genau deswegen gehe ich nach Deutschland zurück.

 

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