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USA Hip-Hop an der Wall Street – Wie Straßentänzer in New York Karriere machen

Street Dancer dürfen in New Yorks U-Bahn nicht mehr auftreten. Die Tänzer zeigen sich nun vor der berühmten Börse – Teil eines Job-Projekts.
28.07.2018 - 13:00 Uhr Kommentieren
Street Dancer dürfen nicht mehr in New Yorks Subways tanzen. Dank der Initiative „It’s Showtime“ können junge Menschen nun mit Hip-Hop Karriere machen. Manchmal sogar an der Wall Street. Quelle:  Katharina Kort für Handelsblatt
Hip-Hop an der Wall Street

Street Dancer dürfen nicht mehr in New Yorks Subways tanzen. Dank der Initiative „It’s Showtime“ können junge Menschen nun mit Hip-Hop Karriere machen. Manchmal sogar an der Wall Street.

(Foto:  Katharina Kort für Handelsblatt)

New York Es ist vier Uhr nachmittags an der Wall Street. Drinnen im Börsensaal hat gerade die Schlussglocke geläutet. Draußen dagegen dröhnen laute Hip-Hop-Beats von den Treppenstufen der Federal Hall zur New York Stock Exchange hinüber.

Während die Börsenhändler in ihren gebügelten Hemden aus dem Gebäude strömen, bewegt sich eine Gruppe schwarzer Tänzer in roten T-Shirts im engen Pulk in rhythmischen Schritten vor dem Ausgang entlang. Im Hintergrund die Amerikafahnen an der berühmten Säulenfassade. Im Vordergrund junge Tänzer, die es gewohnt sind, nicht auf Holzparkett, sondern auf Asphalt zu tanzen. Arme, die sich wie Spiralen in die Luft schlängeln. Beine, die plötzlich nach oben schießen.

Sie nennen sich Flexx, Laiden, Wiildkard oder Soho. Und sie sind alle Teil der Initiative „It’s Showtime New York (IST)“. IST hat es sich zum Ziel gesetzt hat, jungen Street-Dancern die Möglichkeit zu geben, aus ihrem Hobby eine Karriere zu machen.

Als die Spannungen zwischen Polizei und schwarzen Amerikanern vor einigen Jahren bedrohlich wurden, entschied die Stadt New York, den Hip-Hoppern ihre Auftritte in U-Bahn-Wagen zu verbieten. Damit fiel für viele eine wichtige Einnahmequelle weg.

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    Bei IST können sie in den Spiegelsälen der weltberühmten Tanz-Kompanie Mark Morris trainieren. Dort lernen sie, ihre Kunstform zu perfektionieren und Choreografien zu kreieren, aber auch, sich selbst besser zu organisieren.

    „Sie lernen bei uns ‚Life Skills‘ durch Hip-Hop“, erklärt Aviva Davidson, die Mitgründerin von IST. Auf die Idee von „It’s Showtime“ ist sie mit anderen gekommen, als sie bei einer Hip-Hop-Aufführung in einem armen Viertel von Brooklyn gesehen hat, wie die Menschen mitgingen. Sie steht den Tänzern heute vor allem als Beraterin bei Organisations- und Lebensfragen zur Seite.    

    „Wahrscheinlich ist es auch eine Frage der Herkunft: Unsere Tänzer kommen oft aus schwierigen Verhältnissen, aus Familien mit nur einem Elternteil, oft mit vielen Geschwistern und manchmal ohne ein festes Dach über dem Kopf“, erklärt Rhea „Wiildkard“ Nance.

    Nach dem Auftritt an der Wall Street sitzt die einzige Frau unter den Hip-Hoppern in einem Konferenzraum in der Federal Hall, wo einst George Washington zum Präsidenten gekürt wurde.
    Rhea selbst war als Jugendliche eine Weile obdachlos. „Viele von uns können nicht so essen und schlafen, wie Tänzer eigentlich essen und schlafen sollten“, stellt sie fest.

    Sie ist 26 und mittlerweile angestellt bei IST, wo sie sich um die organisatorische Arbeit kümmert. Aber auch die anderen Tänzer bekommen Geld – für die Teilnahme an Trainings und für ihre Auftritte. Das Wall-Street-Spektakel etwa läuft eine ganze Woche lang und ist Teil des River-to-River-Festivals im Süden Manhattans.

    Wer aus schwierigen familiären Verhältnissen kommt, scheitert oft an den einfachen Dingen

    Auch in Paris waren die jungen Tänzer schon. „Ich bin noch nie aus New York rausgekommen. Aber ich war schon in Paris!“ erzählt Anthony „Laiden“ John mit einem Strahlen in den Augen.

    Für den gebürtigen Brooklyner ist das IST nicht nur eine Möglichkeit hinauszukommen. Er lernt hier auch die simplen Dinge wie Pünktlichkeit und Disziplin.

    Wer aus schwierigen familiären Verhältnissen kommt, scheitert oft an den einfachen Dingen. In monatlichen Foren sprechen sie wie bei Mitarbeitergesprächen daher auch über Themen wie Selbstorganisation.

    „Wir sind eine Gruppe junger Menschen, die oft keinerlei Form von Organisation in ihrem Leben hatten, und das bekommen wir beim IST“, lobt Kester „Flexx“ Estephane, der eben noch mit schlangenartigen Verrenkungen die Treppen hochgetanzt ist. „Das hilft auch außerhalb von Hip-Hop“.

    Hinzu kommt, dass Street Dancer es auch als Tänzer oft gewohnt sind, vollkommen unabhängig zu sein: Sie tanzen, wo sie wollen, wann sie wollen und wie sie wollen.

    „Professionelle Tänzer und Street-Dancer – das ist ein wenig wie Hunde und Wölfe. Wir gehören zur gleichen Familie. Aber wir sind nicht so gezähmt“, erklärt Flexx.

    Das IST will sie nicht zähmen, aber ihnen die Möglichkeit geben, mehr aus ihrer Kunst zu machen. Lernen, eine Choreografie zu kreieren. Oder auch davon leben zu können.

    Ob sie mit dieser ganzen Struktur ihre Energie, ihre Rauheit verlieren? „Nein!“ klingt es wie aus einem Chor. Sie würden ja auch weiter noch auf der Straße tanzen oder nachts in ihren „Cyphers“ - Kreise, in denen sich Hip-Hopper wie in einem Duell tänzerisch bekämpfen.

    Manchmal mischen sich dort auch ausgebildete Tänzer darunter. „Aber die erkennen wir sofort“, lacht Rhea.

    Und Flex bringt wieder einen Vergleich aus der Hundewelt: „Das ist wie Straßenhunde und jene, die als Welpen in schicken Häusern aufgewachsen sind.“ 

    Street Dance – das ist eine Art Graffiti der Tanz-Kunst: So, wie Graffiti heute seinen Weg in die Galerien und Museen geschafft hat, bahnt sich auch Hip-Hop seinen Weg auf die Bühnen, die Wall Street und demnächst sogar ins Metropolitan Museum in New York.

    Dort werden Flexx, Rhea, Laiden, und ihre Kollegen in mittelalterlichen Rüstungen auftreten. Schließlich ist ihr Cypher auch eine Art Kampf. Und sie sind eine Art die Ritter der Straße.  

    Wer sich Hip-Hop aus der Nähe anschauen will. der kann auf AirBnB eine „Experience“ mit den Hip-Hoppern von IST buchen. Sie führen dann durch die Bronx, um das echte Hip-Hop-Erlebnis zu bekommen.

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