Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Weltgeschichten unserer Korrespondenten
Blick auf die Queensbridge-Häuser

Amazon will nun doch keine Zweitzentrale in New York bauen.

Weltgeschichte Die boomende Metropole New York braucht keine Amazon-Zentrale

Amazons Absage an New York trifft die ohnehin schon überfüllte Stadt nicht wirklich hart. Viele sind sogar froh, dass der Internetriese nicht umzieht.
Kommentieren

New YorkAls Amazon im November bekanntgegeben hatte, einen seiner zwei Zweitsitze nach New York zu legen, bin ich nach Long Island City gefahren. Dort habe ich den Makler Jeremy Swillinger getroffen, der sich an dem Tag vor Anrufen nicht retten konnte. Seine Handybatterie war leer, weil so viele Menschen auf einmal in diesem bislang eher unbekannten Viertel in Queens direkt am East River investieren wollten.

Jetzt hat Amazon seine Entscheidung rückgängig gemacht und will nicht mehr nach New York kommen. Und ich habe wieder bei dem Makler durchgeklingelt. Auch heute steht bei ihm das Telefon nicht still. Investoren, Mieter, Hausbesitzer sind verunsichert. Was bedeutet das nun für die Gegend, wenn der Onlineriese nicht mehr kommt?

Aber hey, das hier ist New York. Selbstbewusst und nicht unterzukriegen. Das hat die Stadt immer wieder bewiesen. „Wenn Amazon nicht kommt, dann kommen halt andere Unternehmen“, gibt sich Jeremy Swillinger gelassen.

Tatsächlich fallen die versprochenen 25.000 Jobs von Amazon in einer boomenden Metropole wie New York kaum ins Gewicht. Im Gegenteil: Anwohner waren besorgt, dass mit dem Zuzug des Onlineriesen die U-Bahnen nur noch voller werden und die ohnehin schon kaum bezahlbaren Wohnungspreise weiter steigen. Die meisten Tech-Jobs wären wohl auch kaum den Menschen aus Queens zugutegekommen, sondern hätten neue Mitarbeiter aus anderen Regionen angezogen.

Auch die Tatsache, dass Amazon 2,5 Milliarden Dollar in Form von Steuernachlässen und Investitionen bekommen hätte, ohne etwas dafür zu tun, regte die New Yorker auf. Und mit aufgeregten New Yorkern ist nicht zu scherzen. Proteste waren an der Tagesordnung – angefeuert auch von dem jungen Shootingstar der Demokraten, Alexandria Ocasio-Cortez, deren Wahlbezirk Queens ist. Und Amazon hat sich nicht auf die Bürger eingelassen.

Auch New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio sieht die Schuld bei Amazon. „Wir haben ihnen die Chance gegeben, gute Nachbarn zu werden und sich in der besten Stadt der Welt niederzulassen. Aber anstatt mit uns zu arbeiten, wirft Amazon einfach alles hin. Wir haben die Talente und wachsen jeden Tag in einer fairen Wirtschaft für jedermann“, sagte er. Wenn Amazon diesen Wert nicht erkennen könne, werden es eben seine Wettbewerber tun.

„Es war ja nicht so, als hätte Amazon uns einen Park oder ein Gemeindezentrum versprochen“, sagt der Makler Swillinger, der selbst in Long Island City wohnt. Er hat nach dem November bereits zwei Wohnungen an Kunden verkauft, die an den Amazon-Boom in der Gegend geglaubt haben. Aber die hätten gewusst, dass sie ins Risiko gehen, meint er. Außerdem liege Long Island City immer noch an der E-Linie der U-Bahn, die zu den Büros von Google und Facebook in Manhattan fährt. Wer braucht da schon Amazon?

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Weltgeschichte - Die boomende Metropole New York braucht keine Amazon-Zentrale

0 Kommentare zu "Weltgeschichte: Die boomende Metropole New York braucht keine Amazon-Zentrale"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.