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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Italien Treviso sucht den Tiramisu-Weltmeister

In Treviso findet im November der Tiramisu-World-Cup statt – eine raffinierte und typisch italienische Mischung von Spektakel und Standortwerbung.
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Tiramisu gilt als eines der besten Desserts der Welt. Quelle: AFP/Getty Images
Legendärer Nachtisch

Tiramisu gilt als eines der besten Desserts der Welt.

(Foto: AFP/Getty Images)

RomMan nehme drei Eier, 125 Gramm Zucker, 250 Gramm Mascarpone, 20 Löffelbiscuits, eine Tasse Espresso und Kakaopulver und daraus wird eines der besten und berühmtesten Desserts der Welt: Ein Tiramisu. Wörtlich übersetzt heißt der Nachtisch „zieh‘ mich hoch“ – kein Wunder bei den Zutaten. Angeblich soll die Süßspeise sogar in einem Bordell erfunden worden sein.

Man muss allerdings ein Händchen haben. Denn so einfach ist die Zubereitung nicht. Hat die Creme nicht die richtige Konsistenz, zerläuft alles und zersuppt oder der Nachtisch wird zu Zement. Sind die Eier nicht frisch, riskiert man Salmonellen. Jeder hat schon mal in irgendeinem Ristorante ein Tiramisu gegessen, das den Namen nicht verdient.

„Jetzt suchen wir den Tiramisu-Weltmeister“, sagt Francesco Redi. Er ist der Organisator des „Tiramisu World Cup 2018“, bei dem 600 Hobbyköche um den Titel kämpfen. Keine leichte Aufgabe, weder für die Teilnehmer noch für die Protagonisten. Drei Tage lang, vom 1. bis zum 4. November, wird ausgewählt, an drei Orten, mit 180 Richtern, bis dann im Finale der Sieger gekürt wird.

Die Sieger. Denn in diesem Jahr gibt es erstmal auch einen Preis für ein „kreatives“ Tiramisu. Dafür dürfen die Wettstreiter maximal drei andere Zutaten mitbringen. „Alles ist möglich, vom Bier über Gurken bis zur Chilischote“, sagt Redi. Jeder nach seinem Geschmack. Nur eines ist streng verboten: Alkohol, „das verändert den Geschmack zu sehr“.

Ort des süßen Spektakels ist Treviso. „Hier wurde der Tiramisu erfunden und gelangte dann mit den Auswanderern in die ganze Welt“, sagt Bürgermeister Mario Conte, erst seit drei Monaten im Amt. Die Stadt im Veneto hat die Gunst der Stunde genutzt und ist mit der Eventorganisation Twissen, die Redi gegründet hat, ein öffentlich-privates Joint Venture eingegangen, um Treviso zu promoten. Örtliche Unternehmen sponsern die Produkte für die Hobbyköche, die zur Weltmeisterschaft antreten und Hotels wie Restaurants bieten „Tiramisu“-Pakete an, denn die Wettstreiter, nicht nur Italiener, kommen nicht allein.

Beim Mammut-Wettbewerb treten pro Tag 200 Hobbyköche in 50 Sälen gegeneinander an, immer zehn an einem Tisch, jeder hat 40 Minuten Zeit, sein Tiramisu zu machen, auf einem flachen Teller, „denn entscheidend ist die Konsistenz der Mascarpone-Creme, die muss perfekt sein“, erläutert Resi. An den ersten beiden Tagen urteilen Hobby-Richter, beim Halbfinale und beim Finale sind es dann Profis.

Gerührt und dekoriert wird nicht nur in Treviso, wo das Finale stattfindet, sondern auch in Conegliano, Pieve di Soligo und Valdobbiane – alles Orte, die für ihren Prosecco bekannt sind. Und natürlich sponsern auch die örtlichen Schaumwein-Hersteller das Projekt entsprechend.

Italien ist das Land des guten Essens, trotz des permanenten politischen Chaos, und darüber muss gesprochen werden, muss Werbung gemacht werden. Schon allein aus dem Grund, gegen das „italian sounding“ anzugehen. Damit ist die Werbemasche gemeint, weltweit Produkte wie Parmesan cheese oder „Mozzarella nach italienischer Art“ anzubieten, die mit dem italienischen Original nichts zu tun haben. 8,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erzeugt die Lebensmittelbranche, mehr als drei Millionen Menschen arbeiten dort.

Und wenn man es dann noch schafft, im November Touristen in das Veneto zu bringen, die den World Cup nutzen, um gut zu essen und sich die Sehenswürdigkeiten anzuschauen, ist das Ziel der Organisatoren erreicht: „Wir wollen die Namen Treviso und Tiramisu untrennbar verbinden.“ Und dann, ganz am Ende seiner Präsentation und noch bevor es eine Kostprobe gibt, räumt Organisator Redi ein: „Das beste Tiramisu macht meine Mamma.“

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