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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Italien „Wir haben schon die Hälfte der Produktion verloren“ – Regenfälle bedrohen Olivenölproduktion

Wegen des schlechten Wetters fahren italienische Olivenbauern eine schlechte Ernte ein. Die Olivenölproduktion dürfte deshalb massiv einbrechen.
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Mehr als die Hälfte des italienischen Olivenöls kommt aus Süditalien. Quelle: AFP
Oliven

Mehr als die Hälfte des italienischen Olivenöls kommt aus Süditalien.

(Foto: AFP)

Ostuni Dieser Herbst war eine einzige Katastrophe für Italien. Aber heute geht es nicht um Politik, sondern um Unwetter. Endlich haben die Regengüsse und Sturmböen aufgehört. Hier in Apulien, am Absatz des Stiefels, war es zum Glück nicht so schlimm wie in Sizilien, wo die Regenfluten Häuser wegschwemmte, und nicht wie in den Dolomiten, wo ganze Wälder von Wassermassen entwurzelt wurden. Die Regierung in Rom schätzt die Unwetterschäden inzwischen auf drei Milliarden Euro und will dafür Flexibilität im Haushaltstreit. Aber das ist eine andere Geschichte.

Spuren haben das schlechte Wetter und der viele Regen auch in Apulien hinterlassen. Und einen großen ökonomischen Schaden für die Region. „Wir haben dieses Jahr viel früher als sonst mit der Ernte begonnen, schon Mitte Oktober, wegen der Feuchtigkeit“, erzählt Antonella Rosati und zeigt auf die großen, alten Olivenbäume in der Ebene vor ihr, im Hintergrund ist das Meer zu sehen.

„Und dennoch, das schlechte Wetter spielt uns einen Streich“. Die energiegeladene Frau, die zwischen deutschem Ehemann in Frankfurt und dem elterlichen Gut „Tenuta Foggiali“ vor den Toren der apulischen Touristenattraktion Ostuni pendelt, muss sehen, dass sie die Olivenernte einbringt.

Die Zeit läuft ihr davon. Jeden Tag erntet sie in ihrer Plantage – von Hand, auf dem Boden werden große Netze ausgebreitet, denn sie macht Bio-Anbau. Sechs Helfer arbeiten mit ihr. Die Rosatis haben 3000 Olivenbäume auf 20 Hektar Land, „einige Exemplare sind mehr als 1600 Jahre alt“, sagt Antonella. An jedem Erntetag fährt sie am Nachmittag mit dem Lastwagen zur 15 Kilometer entfernten Ölmühle nach Cisternino und liefert dort die Oliven ab.

„Die Oliven müssen innerhalb von zwölf Stunden gepresst werden, um jegliche schädliche Oxydation des Fruchtfleisches auszuschließen“, erklärt sie. Bis Mitte Dezember will sie fertig sein mit der Ernte. Das frisch gepresste Öl kommt in große Stahlstanks auf dem Gut der Familie, „dann kommt das Dekantieren und das Öl muss ruhen“. Einen Monat nach der Ernte wird das Öl durch Spezialwatte gefiltert und in Flaschen oder Kanister abgefüllt.

„Dieses Jahr ist die Ernte schlecht“, sagt sie, „wir haben schon die Hälfte der Produktion verloren“. Die Oliven fallen vom Baum, bevor sie geerntet werden können. Erst gab es einen ungewöhnlich strengen Winter, dann tat der viele Regen im Frühjahr sein Übriges. Und da sie eine Bio-Zertifizierung hat, benutzt sie auch keine Chemikalien gegen Insekten, die mit dem nassen Wetter kamen.

Doch nicht nur die Rosatis werden dieses Jahr empfindlich weniger Öl produzieren als in den anderen Jahren: Mehr als 80 Prozent der italienischen Produktion von Olivenöl kommt aus dem Süditalien und Apulien ist mit 51,9 Prozent auf Platz 1. Aus der Toskana kommen dagegen nur 4,3 Prozent, aus Ligurien nur ein.

Einen Einbruch von minus 58 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bei der Produktion in Apulien prognostiziert Ismea, das staatliche Forschungs- und Dienstleistungsinstitut für die Agrarwirtschaft. Immerhin, dort haben die Marktforscher auch eine Studie in Auftrag gegeben über typische Konsumenten von Olivenöl, die ein interessantes Ergebnis hatte. „Millennials wählen sehr sorgsam aus und wollen genau wissen, woher das Olivenöl kommt und sind bereit, für Bio-Qualität mehr zu bezahlen“, steht darin.

Antonella verrät nicht, ob sie ihre Preise wegen der Knappheit heraufsetzen wird. „Ich muss jetzt los“, sagt sie. Zu Hause auf dem Gut warten Touristen aus Deutschland, die sich nach der Besichtigung der „weißen Stadt“ Ostuni zum Besuch angesagt haben, um bei einer Ölverkostung alles über Fruttato, Classico, Leccino, Cima di Melfi oder Coratina zu erfahren. So heißen die verschiedenen Sorten. Von wegen Olivenöl ist Olivenöl – hier kann man noch viel lernen.

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