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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Italiens Innenminister Salvini droht dem Mafiaexperten Saviano

Italien im Sommer 2019: Seit 13 Jahren lebt der Bestsellerautor und Mafiaexperte Saviano unter Polizeischutz. Doch Innenminister Salvini droht, die Leibwächter abzuziehen.
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Salvini will Mafiaexperte Saviano den Polizeischutz entziehen Quelle: dpa
Roberto Saviano

Roberto Saviano hat 2006 mit dem Buch „Gomorrha“ über die neapolitanische Camorra einen Besteller geschrieben.

(Foto: dpa)

Rom Die Ewige Stadt hat einen neuen Rekord: „Rom ist die neue Hauptstadt des Kokains“, schreibt Bestsellerautor Roberto Saviano. „Narcoroma“ ist der Titel einer groß aufgemachten achtseitigen Beilage der Tageszeitung „La Repubblica“, in der der Autor von „Gomorrha“ detailliert beschreibt, wie die Hauptstadt zur Plattform für den Drogenumsatz in Italien geworden ist und Neapel den Rang abgelaufen hat.

Es gebe in Rom Bars, in denen rund um die Uhr Kokain verkauft werde, und Restaurants, Cafés, Bäckereien und Tabakläden, die mit Drogengeld gekauft worden seien. Ganze Straßen seien im Besitz der Kriminellen – Saviano nennt Namen und Adressen, wie zum Beispiel das Babylon Café in der Via Ostiense. Von der Cosa Nostra über die Camorra bis zur ‘Ndrangheta hätten sich alle Mafia-Organisationen in der Hauptstadt eingerichtet und verdienten zusammen mit römischen Kriminellen prächtig.

Allein bei einer von mehreren Polizeiaktionen seien 578 Kilo Kokain beschlagnahmt worden, „mit mehr als dem Marktwert der Fußballklubs Juventus Turin und AS Roma zusammen. Und es wäre noch Geld übrig geblieben, um Stars wie Messi oder Neymar zu kaufen“, schreibt Saviano.

Schaut man genauer auf den Artikel, wird klar, dass der Schriftsteller sich selbst recycelt. Der lange Text basiert auf zwei Berichten der Polizei vom Juni 2018 mit vielen O-Tönen der ermittelnden Beamten und ist ergänzt mit Fakten aus seinem 2014 auch auf Deutsch erschienenen Buch „Zero Zero Zero. Wie Kokain die Welt beherrscht“. Trotzdem ist die Kompilation gelungen, informativ und liest sich gut, auch wenn die Geschichte keine Exklusivität hat.

Es gibt einen Grund für das Werk. Roberto Saviano, der weltbekannte Autor, der 2006 mit dem Buch „Gomorrha“ über die neapolitanische Camorra einen Besteller geschrieben hat, der in 52 Sprachen übersetzt und mehrmals verfilmt wurde, muss Geld verdienen. Und er muss in der Öffentlichkeit präsent bleiben, denn die Angriffe gegen ihn und seine Worte nehmen im neuen, populistischen Italien der Hass-Reden zu.

Deshalb tourt er gerade wieder durchs Land und stellt auf Literaturfestivals sein neues, noch nicht auf Deutsch vorliegendes Buch „Es gibt keine Taxis im Meer“ vor, in dem er von den Flüchtlingen auf dem Mittelmeer erzählt. Und deshalb war er in den vergangenen Jahren regelmäßig zur besten Sendezeit im Fernsehen, wo er seine aufrüttelnden Geschichten vortrug.

24 Stunden Polizeischutz – seit 13 Jahren

Seit „Gomorrha“ steht der Neapolitaner, der im September 40 wird, unter Polizeischutz. Denn die Mafiaorganisation Camorra hat gedroht, ihn umzubringen. Seit 13 Jahren ist er von Leibwächtern umgeben, immer. Sie beschützen ihn rund um die Uhr. Das zahlt der Staat. Angeblich wohnt er in einer Kaserne der Carabinieri in Rom.

Da sind ein normales Leben und ein normaler Broterwerb nicht möglich. Doch seine Bücher, die Filmrechte, Artikel und Auftritte bringen Geld. Er wolle seinen Teil zu den Unkosten beitragen, hat er mal gesagt. Doch die Zeiten werden rauer.

Zwar hat er Millionen von Followern in den sozialen Medien und wird jedes Mal von einer großen Menge von Fans begeistert begrüßt. Aber seine deutlichen Worte zur aktuellen Politik haben auch andere Reaktionen hervorgerufen. Er kritisiert vor allem die restriktive Flüchtlingspolitik der Regierung.

Auf Youtube und auf seiner Facebook-Seite ist Innenminister Matteo Salvini zu sehen, im blauen Hoody. „Un bacione per Saviano, ein Schmatzer für Saviano“, sagt er im Video. „Ich habe Anordnung gegeben, den Polizeischutz in jedem Fall zu überprüfen, ohne auf Namen zu schauen.“ Mehr als 2000 Beamte seien im Land im Einsatz, die könnten für die Sicherheit aller Italiener arbeiten, statt nur einen zu beschützen.

Eine Drohung, die sogar den Protest des Europarats ausgelöst hat. Doch geschehen ist bisher nichts. Das entsprechende Rundschreiben aus dem Innenministerium gebe es bis heute nicht, berichten italienische Medien. Und Saviano seinerseits nennt den Minister und Lega-Chef nie beim Namen.

Der verbale Krieg zwischen den beiden geht weiter. „Wer sagt denn, dass heute die politische Kommunikation – auf Augenhöhe mit Bildchen von Torten und Katzenbabys – schnell sein muss und zum Ziel Tausende von Likes haben muss?“, schreibt Saviano in seinem Artikel. Vielleicht wisse der, der das entschieden habe, nicht, dass die „Likes“ auch der Mafia gefallen. So sei das Facebook-Zeichen des erhobenen Daumens das Symbol eines Transfers von einer großen Menge von Kokain von Südamerika nach Italien gewesen, wie die Polizei herausgefunden habe.

Vor ein paar Tagen war Roberto Saviano in Formia, dem Ort, wo Cicero ermordet wurde und wo auch dessen Mauseoleum stehen soll. Die Bodyguards waren dabei, die Zuschauer standen Schlange, um das neue Buch signieren zu lassen. „Ignoriert den Hass, bleibt menschlich“, sagte er unter großem Applaus.

Mehr: Warum Apple ausgerechnet in der Camorrastadt Neapel ein Forschungszentrum eröffnet hat

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