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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Marode Metro, rostige Rolltreppen, Abfallberge – Warum Rom immer weiter verfällt

Die Infrastruktur in Rom ist in einem desaströsen Zustand. Das liegt an jahrelangem Missmanagement – und schadet inzwischen der lokalen Wirtschaft.
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Die Kioske in Roms Innenstadt kämpfen um ihre Existenz, seit einige Stationen geschlossen wurden. So auch Simone Rinolfi in seinem Kiosk auf der Piazza della Repubblica. Quelle: Jiri Hubatka / Alamy
Kiosk in Rom

Die Kioske in Roms Innenstadt kämpfen um ihre Existenz, seit einige Stationen geschlossen wurden. So auch Simone Rinolfi in seinem Kiosk auf der Piazza della Repubblica.

(Foto: Jiri Hubatka / Alamy)

RomSimone Rinolfi versucht, seinen Humor nicht zu verlieren: „Seit die Metrostation Repubblica geschlossen ist, bricht mir der größte Teil der Tageseinnahmen weg, wer weiß, wie lange ich noch durchhalten kann“, sagt der 40-Jährige und erklärt zugleich zum zehnten Mal an diesem Tag japanischen Touristen, wie das Hop-on-Hop-off-Ticket für Rom funktioniert.

Simone ist der Besitzer einer der grünen, sechseckigen Zeitungskioske, wie sie überall in Rom stehen. Zeitungen und Magazine liegen ausgebreitet vor ihm wie die Käse- und Schinkenauswahl in „Alimentari“. Der Verkauf von Bustickets, Rubbel-Losen oder Postkarten ist nur eine Nebeneinnahme, aber im Moment ist Simone über jeden Euro zufrieden, den er verdient.

Der Einbruch kam im Oktober, als vor dem Champions-League-Spiel zwischen dem AS Rom und ZSKA Moskau die Rolltreppe der zentralen Metrostation Repubblica einstürzte und viele russische Fans verletzt wurden. Seitdem ist die Haltestelle geschlossen. Simones Kiosk ist direkt neben einem der Ausgänge. „Normalerweise kommen die Leute aus der U-Bahn und decken sich bei mir mit Zeitungen ein“, sagt er, „jetzt musste ich die Exemplare beim Großhändler reduzieren.“

Geschäftseinbußen von bis zu 50 Prozent

„Fünf Monate, das ruiniert uns“, sagt auch Alessandro Natalizia, Inhaber eines Fotogeschäfts in der Nähe. „Wir hatten Einbußen von 50 Prozent“, klagt beim Cappuccino die junge Frau in der Bar an der Piazza della Repubblica. Alle warten, dass die Kommune endlich etwas unternimmt, Reparaturarbeiten oder eine Wartung, aber die Eingänge bleiben weiter abgesperrt und dort sammelt sich der Dreck.

Es kommt noch schlimmer. Da alle Rolltreppen augenscheinlich gleich marode sind, wurden vor ein paar Tagen auch noch die Stationen Barberini und Spagna gesperrt. Jetzt ist das Zentrum von Rom überhaupt nicht mehr mit der Metro zu erreichen – und das vor dem großen Besucheransturm zu Ostern. Die Touristen müssen sich in überfüllte Busse zwängen, die Pendler gehen lieber zu Fuß.

Und wieder einmal ist die Ewige Stadt nicht wegen ihrer kulturellen Schätze und Sehenswürdigkeiten im Gespräch, sondern wegen Missmanagement. Mal sind es die Abfallberge, die liegen bleiben, der Schmutz auf den Straßen, dann die Busse, die nur ab und zu mal fahren.

Seit bald drei Jahren ist die Fünf-Sterne-Politikerin Virginia Raggi Bürgermeisterin. Verbessert hat sich für die drei Millionen Einwohner der Hauptstadt seitdem nichts, dafür folgt Skandal auf Skandal. Vor ein paar Tagen wurde der Vorsitzende des Stadtrats wegen Korruption beim Bau des neuen Stadions für den AS Rom verhaftet.

Missmanagement rächt sich jetzt

Und um Missmanagement geht es auch bei der Metro. Die stadteigene Verkehrsgesellschaft Atac hatte vor zwei Jahren Wartungsaufträge an die billigsten Bewerber vergeben, die 49 Prozent unter den anderen Anbietern lagen – das rächt sich jetzt. Die Bürgermeisterin hat ihnen als erste Amtshandlung die Aufträge entzogen. Sie sagt in die Mikrofone: „Bezahlen muss, wer Schuld hat.“ Aber wer hat Schuld, wenn nicht die Stadtväter? Jetzt muss alles neu ausgeschrieben werden und es dauert noch länger, bis die Metro wieder im Zentrum fährt.

Man muss nur einmal in Neapel mit der blitzsauberen, hochmodernen und mit Kunstwerken ausgestatteten Metro fahren, um den Unterschied zu den düsteren, schmutzigen Gängen und rostigen Rolltreppen zu sehen. Dabei ist Rom immer noch ein Magnet für Besucher: Im vergangenen Jahr kamen 15 Millionen Touristen, und laut Tripadvisor ist das Kolosseum die meistbesuchte Attraktion der Stadt.

„Dieser Verfall ist keine Visitenkarte für die Hauptstadt“, sagt Simone. Inzwischen ist er oft im Fernsehen, denn beinahe täglich drehen Teams auf der Piazza della Repubblica, der Fall schlägt Wellen im ganzen Land. Die Geschäftsleute am Platz wehren sich auf römische Art: Sie haben ein Komitee gegründet, alle Schaufenster mit Protestplakaten tapeziert, sich einen Anwalt genommen und bei der römischen Staatsanwaltschaft Klage eingereicht.

Gerade war der Papst zu Besuch im Rathaus auf dem Kapitolshügel. Seine Worte müssten der Bürgermeisterin eigentlich im Ohr geklungen haben. Franziskus sagte über Rom, die Stadt sei ein „empfindlicher Organismus, der demütige und unablässige Pflege braucht und kreativen Mut, um geordnet und lebensfreundlich zu bleiben, damit so viel Glanz nicht verfällt“.

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