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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Warum italienische Winzer den Prosecco umbenennen wollen

Im Veneto ist ein Streit entbrannt: Die Winzergenossenschaft der Region Valdobbiane will auf ihren Schaumwein-Flaschen das Wort „Prosecco“ streichen.
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Prosecco kommt aus der italienischen Region Valdobbiadene und gehört zu den meist getrunkenen Schaumweinen weltweit. Quelle: picture-alliance / Bildagentur H
Prosecco-Flaschen in einer Kellerei in Venetien

Prosecco kommt aus der italienischen Region Valdobbiadene und gehört zu den meist getrunkenen Schaumweinen weltweit.

(Foto: picture-alliance / Bildagentur H)

Rom Für die italienischen Weinbauern läuft es 2019 wunderbar. Der lange, warme Sommer garantiert eine Rekordernte, die gerade begonnen hat. Weinkenner sprechen schon von einem sehr guten Jahrgang. Auch der Export steigt kontinuierlich. Wie Coldiretti, der größte Agrarverband in Italien, jetzt mitteilte, hat der Export im ersten Quartal des Jahres einen neuen Rekord von 458 Millionen Euro erreicht.

Und nicht Barolo, Primitivo, Chianti, Soave oder der neue italienische Geheimtipp Ribolla Gialla, nein, vor allem Schaumwein ist gefragt außerhalb von Italien. „Der Prosecco-Export ist 2019 um 17 Prozent gestiegen und damit war der Prosecco der am meisten im Ausland getrunkene Wein aus Italien“, heißt es bei Coldiretti.

Als wären das nicht schon genug gute Nachrichten, kommt noch eine internationale Auszeichnung hinzu: Im Sommer wählte die Unesco die „Collina del Prosecco“, den Prosecco-Hügel zwischen Conegliano und Valobbiadene im Veneto zur Weltkulturstätte. Es ist damit die 55. in Italien, das damit den internationalen Rekord hält.

Es gibt allen Grund stolz zu sein. Doch was machen die Weinbauern in der Zone, die immerhin 197 Quadratkilometer groß ist? Sie haben einen Streit vom Zaun gebrochen, der so absurd ist, dass er bei allen Außenstehenden nur Kopfschütteln auslöst.

Einige Mitglieder der Genossenschaft der örtlichen Winzer wollen das Wort „Prosecco“ nicht mehr auf dem Etikett ihrer Flaschen drucken. Ihr Antrag löste große Unruhe bei den anderen Mitgliedern der „confraternità di Valdobbiadene“ aus, wie die Genossenschaft heißt. Die Abtrünnigen begründen das so: Der Unterschied zwischen „Prosecco“ mit der Bezeichnung Doc (kontrollierte Ursprungsbezeichnung) und dem „Prosecco Superiore“, der die Qualitätsbezeichnung Docg (kontrollierte und garantierte Herkunftsbezeichnung) trägt, sei nicht ausreichend, um eine präzise Identität auszudrücken.

Wort „Prosecco“ zu banal?

„Heutzutage ist das Wort Prosecco zu verallgemeinernd geworden und birgt das Risiko, unsere jahrhundertealte Tradition zu banalisieren“, heißt es im Antrag der Abtrünnigen. Denn ihre Trauben würden mühevoll in den Hügeln geerntet, die anderen Prosecco-Winzer hätten im Tal weniger Arbeit. Deshalb wollten sie ab jetzt das Wort Prosecco streichen und auf ihre Etiketten „Conegliano Valdobbiadene Prosecco Superiore“ drucken. Es geht natürlich um Geld und Vermarktung des „Superiore“.

Nur eines haben die lokalpatriotischen Winzer nicht bedacht bei ihrer Aktion: Wer weiß schon außerhalb des Veneto und jenseits der Landesgrenzen so genau Bescheid über die Unterschiede? Es gibt ja in Italien auch noch Schaumweine aus der Gegend Franciacorta und aus dem Piemont und in Trient wird der Trentodoc produziert, der italienische Champagner, der aber nicht so heißen darf, weil die Franzosen das Wort geschützt haben. Dort schreibt man bei Ferrari „metodo classico“ auf die Flaschen.   

Das Wort Prosecco aber kennt jeder auf der Welt. Und am Preis einer Flasche erkennt man auch, wie gut das Produkt ist. Das Gütesiegel Docg gibt es auch für andere italienische Produkte wie Olivenöl oder Parmesan.

Giancarlo Moretti Polegato, Besitzer und Chef der Weinkellerei Villa Sandi, die mitten im Unesco-Gebiet liegt, hält gar nichts von dem Alleingang. „Es ist schon richtig, auf die verschiedenen Arten von Prosecco hinzuweisen“, sagt er, „aber es hat überhaupt keinen Sinn, die Konsumenten zu verwirren, vor allem die außerhalb von Italien“.

Der jüngere Bruder von Mario Moretti Polegato, dem Chef von Geox, führt das Familienunternehmen in Crocetta del Montello in der Provinz von Treviso, dessen Wahrzeichen die Villa Sandi im Palladio-Stil aus dem 17. Jahrhundert ist. Die unterirdischen Keller, in denen der Prosecco gelagert wird, waren im Ersten Weltkrieg Schützengräben nahe des Flusses Piave. 

„Absurdes Vorhaben“

Er ist einer der größten Produzenten in der Unesco-Zone: 2018 erwirtschaftete er einen Umsatz von 93,9 Millionen Euro, 60 Prozent seiner Weine gehen ins Ausland. Das Vorhaben seiner Winzerkollegen sei absurd, meint er, im Übrigen gebe es keine Vorschrift, dass man „Prosecco“ auf die Flasche drucken muss. Das sei jedem selbst überlassen. „Wir bei Villa Sandi produzieren Prosecco wie auch Prosecco Superiore, dann ‚metodo classico‘ und auch Weiß- und Rotweine“, sagt er. 

Die Posse der Winzer von Valdobbiadene droht zum Eigentor zu werden. Jetzt will die Genossenschaft vermitteln und die Geister besänftigen. Kirchturmdenken, weit verbreitet in Italien, helfe nicht weiter.

Mehr: Die fünf wichtigsten Prosecco-Regeln

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