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Brause statt Bier Regierungsbehörde empfiehlt zwei Tage Alkoholpause pro Woche – Briten schockiert

Eine Regierungsbehörde empfiehlt den Briten, zwei Tage in der Woche keinen Alkohol zu trinken. Das sorgt auf der Insel nun für Aufruhr.
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Für die Briten ist es üblich, sich nach der Arbeit oder zu Fußballspielen in einem Pub zu treffen und dabei das ein oder andere Pint zu trinken. Quelle: Reuters
Ein Pub in England

Für die Briten ist es üblich, sich nach der Arbeit oder zu Fußballspielen in einem Pub zu treffen und dabei das ein oder andere Pint zu trinken.

(Foto: Reuters)

LondonKürzlich konnte man in Großbritannien einen Moment erleben, der in den vergangenen zwei Jahren selten geworden ist: Der Brexit wurde aus den Schlagzeilen der lokalen Medien verdrängt und für ein paar Tage diskutierte das Land einmal nicht über Politik. Worum es ging? Alkohol.

Einer aktuellen Empfehlung der Regierungsbehörde Public Health England zufolge sollten die Briten an zwei Tagen der Woche nichts Alkoholisches trinken – kein Bier, kein Cider, kein Wein, kein Whiskey oder Gin & Tonic. Gar nichts. Absolut nichts.

Die Briten waren entgeistert. „Ist das zu schaffen?“, stellte die „Times“ sich selbst die Frage – und der Autor kam im Laufe seines Artikels, in dem er lange sinnierte, welche zwei Wochentage dafür wohl in Frage kämen, zu einem klaren Urteil: „Ich denke nicht“.

Wer jetzt den Times-Journalisten für eine Ausnahme hält oder gar die Arbeitsbedingungen bei der „Times“ hinter dem Alkoholkonsum vermutet, sollte innehalten: Ähnliches war auch in anderen Zeitungen zu lesen. Im „Guardian“ etwa schrieb ein Journalist darüber, dass er sich nicht erinnern könne, wann er das letzte Mal einen ganzen Tag lang keinen Tropfen Alkohol getrunken habe.

Mehr als 14 Einheiten Alkohol sollte man in der Woche nicht zu sich nehmen, empfehlen die britischen Behörden. Das entspricht ungefähr sechs Pint Bier oder Cidre oder eineinhalb Flaschen Wein. „Nicht mehr als ein Aperitif“ sei das für ihn, erzählte der auf der Insel bekannte BBC-Moderator Adrian Chiles die Tage in einer TV-Sendung namens „Trinker wie ich“, in dem er zur besten Sendezeit im nationalen Fernsehen seine Trinkgewohnheiten schildert.

Chiles ist keine Ausnahme. Mehr als 25 Prozent der befragten Briten überschreiten die empfohlene Menge. Das Pint im Pub um die Ecke gehört zum britischen Lebensgefühl wie das Debattieren über das Wetter und die Abneigung gegen die EU.

Noch heute ziehen viele Briten nach der Arbeit ins Pub, um vor dem Weg nach Hause ein Gläschen zu trinken, dazu ein Tütchen Chips. Sonntags machen sich Familien auf, um dort den traditionellen „Sunday Roast“ – die britische Version des Sonntagsbratens - und natürlich Bier und Cider zu sich zu nehmen.

Nur die Alkoholindustrie sieht das wohl positiv. Würden sich auf einmal alle Briten an die Empfehlungen der Behörden halten, würde der Umsatz der Firmen in Großbritannien um 38 Prozent einbrechen, haben Experten berechnet, 13 Milliarden Pfund würden den Unternehmen entgehen.

Für das Land wird die Liebe vieler Briten zu „booze“ – wie Alkohol umgangssprachlich genannt wird – aber zu einem Problem. Einer Studie des Institute of Alcohol Studies und der Universität von Sheffield zufolge sind jedes Jahr 24.000 Todesfälle auf Alkohol zurückzuführen.

Die Kosten für die Behandlung von Alkoholschäden belaufen sich für den staatlichen Gesundheitsdienst NHS auf 3,5 Milliarden Pfund (3,9 Milliarden Euro). Dazu kommt, dass die Liebe zu Wein und Co auch auf der Waage Spuren hinterlässt – wegen der Kalorien, den Auswirkungen auf den Stoffwechsel und das oft zum Pint gesnackte Tütchen Chips. Auch beim Thema Übergewicht schneiden die Briten im europäischen Vergleich überdurchschnittlich schlecht ab.

In Schottland hat die Regionalregierung im Frühjahr die Bremse gezogen: Sie hat einen Mindestpreis pro Einheit Alkohol von 50 Pence eingeführt. Der Preis für die billigste 2-Liter-Flasche Cider in Schottland stieg dadurch von 1,99 Pfund auf 5,00 Pfund, wie Boulevard-Zeitungen entsetzt vorrechneten.

In London sind derartige Maßnahmen nicht geplant. Noch hofft man wohl auf die Einsicht der Briten – oder hat vielleicht gerade andere Sorgen, die sich mit einem Gläschen Wein besser verarbeiten lassen.

Guardian-Journalist Stuart Heritage jedenfalls kommt zu dem Schluss, dass zwei alkoholfreie Tage die Woche eine gute Sache wären. Er werde das auch machen, schreibt er. „Nicht schon heute, weil noch eine angebrochene Flasche Wein im Kühlschrank steht. Aber ab morgen. Vielleicht.“

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1 Kommentar zu "Brause statt Bier: Regierungsbehörde empfiehlt zwei Tage Alkoholpause pro Woche – Briten schockiert"

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  • Das gilt aber nicht fuer den Tag nach dem Brexit!