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Spanien Radfahren? Für Aktivisten und Verrückte!

Aus den deutschen Städten sind Fahrräder seit Jahren schon nicht mehr wegzudenken. In Madrid dagegen sorgt jeder neue Radweg für Polemik.
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Großstädte wie Madrid kommen beim Ausbau der Fahrradwege nur schleppend voran. Quelle: Reuters
Radfahrer in Spanien

Großstädte wie Madrid kommen beim Ausbau der Fahrradwege nur schleppend voran.

(Foto: Reuters)

MadridAls ich vor knapp drei Jahren nach Madrid zog, hat mir ein spanischer Freund über seine Heimatstadt erklärt: Da kannst Du auf gar keinen Fall mit Deinem Fahrrad fahren, das ist lebensgefährlich! Er lebte da schon mehrere Jahre in Deutschland und ich nahm seine Warnung deshalb nicht ernst und packte mein Hollandrad mit in den Umzugswagen.

In der spanischen Hauptstadt angekommen, verstand ich aber gleich, was er meinte. Spanier lieben ihre Autos. Schon eine Fahrt mit dem Regionalzug, der cercanía, ist für viele eine Zumutung. Aber ein Fahrrad – das ist höchstens etwas für Aktivisten oder Verrückte.

Gerade mal ein Prozent aller Madrilenen haben sich im vergangenen Jahr mit dem Rad fortbewegt. Das liegt unter anderem daran, dass es kaum geschützte Radwege gibt und Zweiräder ohne Motor für Autofahrer unsichtbar zu sein scheinen. 44 Prozent der Einwohner in der Region Madrid beklagen die mangelnde Sicherheit auf dem Rad – in keiner anderen spanischen Region haben die Menschen mehr Angst, sich mit dem Drahtesel fortzubewegen. Hinzu kommt, dass die vielen Hügel und Steigungen in Madrid die Radelei vor allem an heißen Tagen schnell zur Strapaze werden lassen.

Und trotzdem: In Madrid bewegt sich etwas für Fahrradfahrer – so wie in vielen anderen spanischen Städten ebenfalls. Das ist nicht etwa einem neu erwachten grünen Gewissen der Politik geschuldet, sondern einer Notwendigkeit: Großstädte wie Madrid überschreiten seit Jahren regelmäßig die Höchstwerte für Luftverschmutzung und müssen sich neue Konzepte einfallen lassen, wie sie der Belastung Herr werden.

In Madrid gehört dazu neben der Vermietung von E-Autos, neuen Geschwindigkeitslimits und Fahrverboten auch die Öffnung der Stadt für Fahrräder. Seit 2014 gibt es BiciMAD, Leih-Räder mit Elektromotor für kleines Geld. Bici ist die Abkürzung für bicicleta, Rad. In einem dichten Netz stehen in der Innenstadt die Lade-Stationen für die weißen E-Bikes, die inzwischen gut 65.000 aktive Nutzer haben. Der Motor macht sie zwar reparaturanfällig und auch mit dem zunächst beauftragten Dienstleister hakte es. Aber die E-Bikes sind trotz der vielen Steigungen in der Stadt eine schnelle Alternative zu Bus oder Metro und gehören inzwischen bereits zum Stadtbild.

Die Bürgermeisterin Manuela Carmena, die ein Parteibündnis rund um die linkspopulistische Partei Unidos Podemos vertritt, nimmt den Kampf gegen die Luftverschmutzung und für das Fahrrad ernst. Sie baute im vergangenen Jahr 32 Kilometer neue Radwege in Madrid. Bis zum Jahr 2025 sollen 430 Kilometer dazu kommen.

Doch der Kulturwandel sorgt bei jedem neuen Radweg, der in der Hauptstadt gebaut wird, für aufgeregte Polemik. Die Zeitung „El País“ hat bereits einen eigenen Blog mit dem bezeichnenden Namen „I love bicis“ gestartet.

In meinem Viertel, Chamberi, ließ Carmena im vergangenen Sommer einen zweispurigen Radweg bauen und die Bürgersteige verbreitern.  Doch dafür musste eine Autospur weichen – die Anwohner starteten eine Unterschriften-Aktion und forderten die Abschaffung der Radwege. Sie führten zu Staus und würden ohnedies kaum genutzt. Räder und Autos sollten dieselben Spuren teilen, argumentierten sie. Diese Meinung teilen selbst einige Fahrrad-Verbände. Nur so würden Autofahrer auf Dauer auch die Radler respektieren und vorsichtiger fahren.

Europa ist zwar vereint, aber in vielen Dingen des alltäglichen Lebens eben doch noch sehr verschieden. Als meine Nachbarin neulich übers Wochenende nach Amsterdam fuhr, kam sie schockiert zurück: „Das ist total gefährlich da. Überall Fahrräder. Du kannst kaum über die Straße gehen ohne fast überfahren zu werden.“

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