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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Bilbao misst den Krach in Straßenkneipen

Spanier feiern gern und laut. Die nordspanische Stadt will die Nachbarn schützen und warnt Bar-Besucher per Lichtsignal, wenn sie zu viel Lärm machen.
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Bilbao ist in vieler Hinsicht eine außergewöhnliche Stadt. Die Trambahnstrecke sieht aus wie ein kleiner Park, und auf der Ausgehmeile gibt es Messstationen, die den Lärmpegel vor den Bars messen. Quelle: Universal Images Group/Getty Images
Straßenbahntrasse in Bilbao

Bilbao ist in vieler Hinsicht eine außergewöhnliche Stadt. Die Trambahnstrecke sieht aus wie ein kleiner Park, und auf der Ausgehmeile gibt es Messstationen, die den Lärmpegel vor den Bars messen.

(Foto: Universal Images Group/Getty Images)

Madrid Die Sommernächte in Spanien sind lau, lang und laut. Kaum einem Spanier würde es einfallen, den Abend im heimischen Garten oder auf dem Balkon zu verbringen. Die geselligen Iberer zieht es raus in die Bars – an fast jeder Straßenecke finden sich die in Spanien. Wo es eben geht, haben sie auch eine Terrasse auf dem Bürgersteig.

Doch das vergnügte Palaver bis in die Morgenstunden nervt die Anwohner – und zwar nicht nur im Sommer. Im Winter stehen vor den Bars die Raucher oder die Grüppchen, die sich wortreich nach einem lustigen Abend voneinander verabschieden.

Die nordspanische Stadt Bilbao versucht nun, dafür eine Lösung zu finden: Ende Juni hat sie in der Barmeile auf der Straße Ledesma ein neues System installiert: Überschreitet der Lärmpegel dort mehr als fünf Sekunden lang 83 Dezibel, leuchten auf dem Bürgersteig Warnsignale mit der Bitte „Sei leiser“ – jeden Donnerstag, Freitag und Samstag ab 23 Uhr.

Zum Vergleich: 80 Dezibel entspricht dem Läuten eines Telefons und 90 Dezibel einem schweren Lastwagen oder Handschleifgerät. Eine anhaltende Lärmbelastung von über 85 Dezibel kann zu Gehörschäden führen. Die Anwohner an der Straße Ledesma klagen etwa, dass sie im Sommer ihren Fernseher nicht mehr hören können, wenn sie das Fenster öffnen.

Das Ziel des Pilotversuchs ist, die Barbesucher für den Krach zu sensibilisieren, den sie verursachen, und zu sehen, wie sie darauf reagieren. Die Bilanz nach rund einem Monat ist gemischt. „Die meisten Besucher haben Verständnis dafür, weil sie selbst im Viertel wohnen“, sagt Iñigo Burgo, Besitzer der „Bar Ledesma“ dem Handelsblatt.

Die Zahl der Gäste ist das Problem

Seine Kellner tragen T-Shirts, auf denen ebenfalls „Sei leiser“ steht, und am Eingang ermahnt ein gleichnamiger Aufkleber die Gäste. Beides hat die Stadt den Kneipiers zur Verfügung gestellt, die meisten von ihnen haben kooperiert. „Am Anfang hatten wir Angst, dass die jungen Leute das System als Herausforderung sehen würden, das Limit immer wieder zu überschreiten und den Alarm anspringen zu lassen“, sagt Burgo. „Aber das ist nicht passiert.“

So weit der Erfolg. Für mehr Ruhe in der Nacht sorgt das System bislang offenbar nicht. Zumindest nicht gefühlt. Die Krach-Lichter würden nur rund ein Dutzend Mal pro Nacht anspringen, erzählt Burgo. „Das Problem ist nicht so sehr die Lautstärke der einzelnen Unterhaltungen, sondern die große Zahl der Leute, die hier in der kleinen Straße voller Bars sitzen. Das ist ähnlich wie im Fußballstadion“, sagt er.  Aber wenn es helfe, dass seine Kunden zumindest nicht mehr schreien und der Krach vielleicht um zehn Prozent abnehme, dann sei das ja auch schon was.

Es ist nicht das erste Mal, dass Bilbao gegen den Lärm vorgeht. 2017 haben die Stadtväter in einem anderen Viertel die Lautstärke auf der Straße gemessen und eine Krach-Karte erstellt. In der Barmeile Ledesma treten sie nun erstmals in Interaktion mit ihren Bürgern.

Die leuchtenden Bitten um Ruhe sollen die deutlich drastischere Alternative vermeiden - dass Kontrolleure durch die Straßen patrouillieren und „akustische Knöllchen“ verteilen. Nach einigen Monaten will die Stadtverwaltung die Anwohner nach dem Erfolg befragen und dann entscheiden, ob sie das System an weiteren Stellen installiert.

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