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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Feuer in Gebäude offenbart dramatische Wohnungsnot auf Ibiza

Dutzende Menschen wohnten illegal in einem Gebäude auf Ibiza, das am Montag abgebrannt ist. Die meisten hatten legale Jobs, aber keine Wohnung.
21.05.2019 - 15:26 Uhr Kommentieren
Auf Ibiza ist die Wohnungsnot groß: Bereits 2017 mussten in der Ferien-Zeit Saisonarbeitskräfte teilweise in Autos schlafen, weil die meisten Zimmer an Touristen vermietet waren. Quelle: 500Px Unreleased Plus/Getty Images
Malerisches Ibiza

Auf Ibiza ist die Wohnungsnot groß: Bereits 2017 mussten in der Ferien-Zeit Saisonarbeitskräfte teilweise in Autos schlafen, weil die meisten Zimmer an Touristen vermietet waren.

(Foto:𧋴Px Unreleased Plus/Getty Images)

Madrid Dichter schwarzer Rauch stieg vergangene Woche über den Dächern von Es Viver an der Südküste der beliebten Ferieninsel Ibiza auf. Er stammte vom Brand eines leerstehenden alten Gebäudes, in dem Dutzende illegale Hausbesetzer wohnten. Eine von ihnen war nach bisherigen Erkenntnissen eine 59-jährige Italienerin, die bei dem Brand starb. Sie arbeitete im Callcenter eines großen Hotels auf der Insel.

Von den 41 Hausbesetzern, die Mediziner untersuchten, hatten 27 eine Arbeit auf der Insel. Insgesamt 37 waren Ausländer mit einer legalen Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Doch die krasse Wohnungsnot auf Ibiza hat dazu geführt, dass sie keine legale Bleibe gefunden haben, die sie sich von ihrem Gehalt hätten leisten können. Sie zogen deshalb in das leerstehende Gebäude, das sich offenbar in einem sehr schlechten Zustand befand. Nach ersten Ermittlungen der Behörden haben mindestens 50 Menschen in dem Gebäude gelebt.

Der Brand zeigt auf tragische Weise den krassen Mangel an Wohnungen auf der Urlaubsinsel. Das Problem ist seit langem bekannt: Bereits 2017 mussten in der Ferienzeit Saisonarbeitskräfte teilweise in Autos schlafen, weil die meisten Zimmer an Touristen vermietet waren. Der Boom von Reisen nach Spanien und das Wachstum von Anbietern wie Airbnb hatte die Kapazitäten der Insel gesprengt.

So gut wie alle Gemeinden auf Ibiza haben daraufhin 2018 die Vermietung von Ferienwohnungen verboten. Zwar haben die Buchungen nach Spanien inzwischen etwas abgenommen, aber die Lage auf der Insel ist für viele Arbeitnehmer offenbar immer noch schwierig.

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    Im Tourismus verdienen sie häufig nicht mehr als 1000 Euro im Monat – auf einer Insel mit knappem Wohnungsangebot sind die Mieten aber entsprechend hoch. Die spanische Immobilien-Website Idealista führt derzeit 21 freie Zimmer auf Ibiza auf: Neun davon kosten 900 Euro oder mehr, acht weitere mindestens 500 Euro.

    „Es gab in dem Gebäude alles: Marokkaner und Spanier vom Festland, die als Kellner oder Bauarbeiter nach Ibiza gekommen und wegen der hohen Mieten keine Wohnungen gefunden haben“, erklärt ein Barbesitzer, der in der Nähe seine Kneipe betreibt, dem spanischen Radiosender Cadena Cope. „Das Problem auf Ibiza ist, dass selbst ein Zimmer so viel kostet, dass es sich nicht rechnet, weil wir hier über 600 oder 700 Euro im Monat reden.“

    Der Bürgermeister von Ibiza Stadt, Rafa Ruiz, erklärte, das Gebäude habe früher der spanischen Bad Bank Sareb gehört. Die hatte im Zuge der Immobilienkrise Sparkassen, die in Schieflage geraten waren, deren Immobilienwerte abgekauft. Die Sparkassen besaßen zahlreiche Gebäude, nachdem deren Besitzer ihre Hypothek nicht mehr bezahlen konnten. Nach Angaben von Ruiz hat Sareb die Schulden des Gebäudes aber inzwischen an einen privaten Besitzer weiterverkauft.

    Ruiz erklärte, man habe angesichts der Wohnungsnot auf Ibiza überlegt, mit Hilfe von EU-Fonds das alte Gebäude zu kaufen. Aber die Justiz habe der Verwaltung verboten, das Haus zu betreten, da es sich um einen Privatbesitz handele. Sareb dagegen erklärt auf Anfrage, es habe dort eine Verwechselung gegeben. Die Bad Bank besaß eine Kreditgarantie auf ein Gebäude nebenan, hatte mit dem abgebrannten Haus aber nichts zu tun.

    Nach dem Platzen der spanischen Immobilienblase im Jahr 2008 stehen zahlreiche Gebäude wie das in Es Viver leer und werden Ziel von illegalen Hausbesetzern. Dabei handelt es sich oft um kriminelle Clans, die dort Drogen verkaufen, von den Eigentümern Geld erpressen, oder das Gebäude gar illegal vermieten. Ob das auf Ibiza der Fall war, untersucht jetzt die Polizei.

     

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