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Weltgeschichte Luxus-Villa des spanischen Linkspartei-Chefs Iglesias sorgt für Kritik

Der Chef der spanischen linkspopulistischen Partei Podemos kauft ein Luxus-Landhaus. Im Land gibt es Protest, doch seine Partei hält zu ihm.
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Das neue Heim des Parteichefs und seiner Partnerin sorgt für scharfe Kritik in Spanien. Quelle: AFP
Irene Montoro und Pablo Iglesias

Das neue Heim des Parteichefs und seiner Partnerin sorgt für scharfe Kritik in Spanien.

(Foto: AFP)

MadridEs ist nichts dabei, wenn ein Paar eine Hypothek aufnimmt, um sich für die gerade gegründete Familie ein Haus zu kaufen. Genau so dachten sich das Podemos-Chef Pablo Iglesias und seine Freundin und Partei-Sprecherin Irene Montoro, die im Herbst Zwillinge erwarten. Dass die beiden seit ein paar Jahren ein Paar sind, hat bislang weder die Parteimitglieder noch die spanische Presse gestört.

Doch dass ausgerechnet der selbst ernannte Arbeiter-Vertreter Iglesias sich 40 Kilometer vor Madrid eine Villa leistet, die 270 Quadratmeter Wohnfläche und 2.000 Quadratmeter Garten samt Pool und Gästehaus bietet, das hat in Spanien für einen Aufschrei gesorgt.

Die sozialen Medien waren voll von Bildern des gediegenen Landhauses sowie mit Zitaten von Iglesias, in denen er die spanische „Kaste“ der Besserverdiener geißelt. Er selbst gibt sich als Mann des Volkes, der stolz darauf war, dass er bis vor kurzem im bescheidenen Arbeiterviertel Vallecas in Madrid lebte.

„Das Gerede dieser Politiker, die in Landhäusern leben und weder den öffentlichen Nahverkehr noch den Preis eines Cafés kennen“, stichelte er in einer Fernseh-Reportage 2015. „Würdest Du die Wirtschaftspolitik eines Landes jemandem anvertrauen, der 600.000 Euro für eine Luxus-Dachgeschosswohnung ausgibt?“ twitterte er 2012, als der damalige Wirtschaftsminister Luis de Guindos genau das getan hatte.

Das Anwesen von Iglesias und Montero kostet genau so viel. Für 540.000 Euro nehmen sie eine Hypothek auf, die über 30 Jahre läuft, den Rest zahlen sie aus ihren Ersparnissen. 

Podemos ist 2014 aus der Protestbewegung der Indignados entstanden, der Empörten. Sie wendeten sich in der Wirtschaftskrise gegen die harten Einschnitte des Staates, die hohe Arbeitslosigkeit und die Korruption in den beiden etablierten spanischen Parteien.

Der Podemos-Bürgermeister von Cádiz im Süden Spaniens, José María González, kritisierte Iglesias und Montero scharf. Podemos solle die Stimme der kleinen Leute sein. Es würde der Parteiführung nur schwer verziehen, „wenn wir auf der falschen Seite stehen“.

Doch das sieht die Mehrheit der Parteimitglieder anders. Iglesias und Montero riefen sie zur Abstimmung auf und stellten ihre Ämter zur Disposition. Doch am Sonntagabend war klar: Bei einer Rekord-Beteiligung von 188.000 Mitgliedern stimmten 68 Prozent für den Verbleib der Beiden auf ihren Posten. Die überwiegende Mehrheit der Klassenkämpfer hat offenbar nichts gegen Luxus einzuwenden.  Die 32 Prozent aber, die für einen Rücktritt der beiden Partei-Führer gestimmt haben, sind ebenfalls eine hohe Hypothek für das Politiker-Paar.

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