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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Spaniens Fußballerinnen streiken für einen Tarifvertrag

Die Sportlerinnen verlangen ein höheres Mindesteinkommen – die Clubs argumentieren jedoch, ihnen fehle das Geld. Nun streiken die Fußballerinnen.
18.11.2019 - 12:36 Uhr Kommentieren
Die Fußballspielerinnen können von den Gehältern ihrer männlichen Kollegen nur träumen.
Spanische Nationalspielerinnen

Die Fußballspielerinnen können von den Gehältern ihrer männlichen Kollegen nur träumen.

Madrid Seit die spanischen Fußballfrauen 2015 zum ersten Mal bei der Weltmeisterschaft teilgenommen haben, wächst in dem Südland das Interesse an den Kickerinnen. Im Frühjahr sahen 61.000 Fans im Madrider Wanda-Stadion das Spiel der Frauen-Mannschaften von Atlético Madrid gegen den FC Barcelona – ein Weltrekord.

Doch auch der änderte nichts daran, dass die spanischen Spielerinnen bisher vergeblich versuchen, einen eigenen Tarifvertrag mit Anspruch auf Dinge wie Urlaub, Auszeit bei Schwangerschaft und einem Mindestlohn zu verhandeln. Nach 13 Monaten erfolgloser Gespräche mit dem Verband der Clubs sind die Spielerinnen der ersten spanischen Liga am vergangenen Wochenende in einen unbefristeten Streik getreten. Acht Spiele sind am Samstag und Sonntag bereits ausgefallen.

Knackpunkt der Verhandlungen ist die Bezahlung. Zwar sind beide Seiten grundsätzlich bereit, sich auf ein Jahresgehalt von 16.000 Euro für eine volle Stelle zu einigen. Doch manche Kickerinnen der ersten Liga haben nur Teilzeitverträge, einige nur über 12 Wochenstunden. Sie fordern deshalb ein Mindesteinkommen, das bei 75 Prozent der 16.000 Euro liegt, also 12.000 Euro jährlich.

Die Begründung: Ihr Einsatz beschränke sich nicht nur auf das tägliche Training und die Spielzeiten am Wochenende, sondern umfasse auch auf die richtige Ernährung, medizinische Untersuchungen oder Reisen zu den Spielen. „Wir sind Vollzeit-Fußballerinnen“, sagt Ainhoa Tirapu, Torwartfrau bei Athletic Bilbao und Mitglied der spanischen Nationalmannschaft. „Einige haben bereits viele Jahre lang gespielt, aber sind dafür kaum bezahlt worden.“

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    Nach Schätzungen der Fußballgewerkschaft „Asociación de Futbolistas Españoles“ verdienen 49 Prozent der weiblichen Elite-Spielerinnen in Spanien kein Gehalt und weitere 31 Prozent weniger als 500 Euro im Monat. Das ist für spätere Rentenansprüche, die Absicherung gegen Arbeitslosigkeit oder bei Berufsunfähigkeit nach einer Verletzung problematisch.

    Gehalt oder Abstieg

    Die Clubs, vor allem die auf den mittleren bis hinteren Plätzen der Liga argumentieren, sie hätten das Geld für höhere Gehälter nicht und müssten sich auflösen oder in die zweite Liga absteigen, wenn sich die Spielerinnen mit diesen Forderungen durchsetzten.

    Die geforderten 12.000 Euro Mindestlohn liegen deutlich unter dem spanischen Durchschnittseinkommen von rund 26.900 Euros im Jahr 2018. Der Unterschied zum Jahressalär der männlichen Spieler ist noch größer: In der ersten Liga liegt der Mindestlohn für die Männer bei 155.000 Euro. Das bedeutet, bei 14 Monatsgehältern betrüge der jährliche Mindestlohn der Frauen so viel wie der monatliche Mindestlohn der Männer, die in der Profiliga alle Vollzeitverträge besitzen.

    Und das ist nur der Durchschnitt wohlgemerkt. Ein Lionel Messi vom FC Barcelona hat im vergangenen Jahr geschätzt 130 Millionen Euro verdient – an Gehalt und Werbeeinnahmen. Er ist damit der bestbezahlte Fußballer der Welt. Sein weibliches Pendant, Ada Hegerberg, dagegen kommt auf 400.000 Euro im Jahr.

    Der Streik der spanischen Spielerinnen fällt nicht nur mit der wachsenden Bedeutung des Sports im eigenen Land zusammen, sondern auch mit dem Kampf der amerikanischen Kickerinnen für eine gerechtere Bezahlung im Vergleich mit ihren männlichen Kollegen zusammen: Im vergangenen März haben 28 Spielerinnen der amerikanischen Nationalmannschaft gegen eine „institutionalisierte geschlechtsspezifische Diskriminierung“ geklagt und die gleiche Bezahlung von Fußballern und Fußballerinnen gefordert.

    In Spanien hat das Thema Frauenrechte mit der neuen sozialistischen Regierung an Bedeutung gewonnen, die es zu einem zentralen Teil ihres Programms gemacht hat. Das spanische Arbeitsministerium hatte auch versucht, in dem Fußballerinnenstreit zu vermitteln. und einen Kompromissvorschlag unterbreitet, mit dem die Spielerinnen einverstanden waren, den die Clubs aber ablehnten.

    Die Spanier müssen deshalb bis auf weiteres darauf verzichten, die erste Liga ihrer Frauen-Fußballerinnen spielen zu sehen. Die Reaktionen in den kommenden Wochen werden zeigen, wie sehr sich die Bevölkerung mit den Spielerinnen solidarisiert und wie die Sponsoren reagieren.

    Mehr: Die Königlichen steigen als letzter großer spanischer Klub in den Frauen-Fußball ein. Das zeigt, wie stark der an Bedeutung gewonnen hat.

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