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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Warum Real Madrid gerade jetzt eine eigene Frauen-Mannschaft kauft

Die Königlichen steigen als letzter großer spanischer Klub in den Frauen-Fußball ein. Das zeigt, wie stark der an Bedeutung gewonnen hat.
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Jennifer Hermoso (l) von Spanien jubelt bei der Frauenfußball-WM in Frankreich mit ihren Teamkolleginnen ein Tor. Quelle: dpa
Spaniens Fußballfrauen

Jennifer Hermoso (l) von Spanien jubelt bei der Frauenfußball-WM in Frankreich mit ihren Teamkolleginnen ein Tor.

(Foto: dpa)

Madrid Florentino Perez hat lange gewartet. Der Präsident des spanischen Fußballklubs Real Madrid ist offenbar kein großer Fan des Frauenfußballs. Sein Verein ist der einzige der drei großen spanischen Klubs und einer der ganz wenigen europäischen, der noch keine eigene Frauen-Mannschaft hat.

Doch Perez, ebenfalls Chef des spanischen Baukonzerns ACS, ist auch Unternehmer und als solcher mit einem ausgeprägten Sinn fürs Geschäft ausgestattet. Und das verspricht nun auch der weibliche Fußball. Perez steigt deshalb jetzt auch ein und schafft eine eigene Frauen-Mannschaft von Real Madrid.

Die derzeit laufende Frauen-Fußball-WM in Frankreich bricht bisherige Zuschauer-Rekorde: Nach Angaben der Fifa sahen zehn Millionen Franzosen die drei Spiele ihrer Mannschaft, in Brasilien schalteten 22 Millionen ein, in Italien waren es immerhin vier Millionen – über die letzte WM 2015 wurde dort überhaupt nicht berichtet. Die Zahlen zeigen, dass ein Interesse vorhanden ist – und dass es stark wächst.

Auch in Spanien, dessen Frauen-Nationalmannschaft bei dieser WM eine gute Leistung gezeigt hat, ist der Trend unverkennbar: Im vergangenen Jahr kauften knapp 61.000 Fans ein Ticket für das Spiel der Frauen-Mannschaften von Atlético Madrid und FC Barcelona im Madrider Stadion Wanda Metropolitano – ein Weltrekord. Vor dem Hintergrund hat sich nun auch Florentino Perez einen Ruck gegeben.

Er war bereits lange von allen Seiten bedrängt worden. Sein Schritt sorgt in der spanischen Fußball-Welt einerseits für Freude: Jetzt gibt es etwa den Clásico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid endlich auch bei den Frauen. Der Einstieg von Perez bedeutet weiteres Prestige für den Sport der weiblichen Kicker.

Perez zückt sein Portemonnaie

Gleichzeitig aber wird Kritik an der Art laut, wie Perez das neue Projekt angeht: Statt sich eine eigene Mannschaft aufzubauen, junge Talente zu sichten und zu fördern, zückt Perez sein Portemonnaie und kauft für rund 400.000 Euro den Klub CD Tacón, der gerade von der zweiten in die erste spanische Frauenliga aufgestiegen ist.

Just am vergangenen Dienstagnachmittag stimmte der Vorstand von Real Madrid dem Projekt zu. Allerdings wird die Mannschaft erst ab Juli 2020 unter dem Vereinsnamen spielen, weil zuvor erst noch die Generalversammlung des Klubs dem Schritt zustimmen muss. In der anstehenden Saison 2019/2020 trainieren die Frauen des TC Tacón bereits auf dem Gelände der Königlichen in einer Art Übergangsjahr.

Real Madrid ist mit der Entscheidung spät dran: Erzrivale FC Barcelona hat bereits seit den 1980er-Jahren eine Frauen-Mannschaft, der dritte große spanische Verein Atlético Madrid seit 2001. Als Real Madrid im Mai dieses Jahres seinen Ausrüster-Vertrag mit Adidas verlängerte, einigten sich beide darauf, dass Real künftig auch eine Frauen-Mannschaft haben solle.

„Das ist eine gute Nachricht, die zeigt, dass der Frauen-Fußball auch künftig weiter wachsen wird“, sagt Laura del Río dem Handelsblatt, selbst Spielerin und Mitglied im Führungskreis des spanischen Verbands der Frauenfußballerinnen (AFE).

Mit dem dritten großen Klub im Bunde sieht der Verband nun die Chance gekommen, einen Tarifvertrag zu verhandeln, den es für Frauen bisher nicht gibt. 35 Prozent der Spielerinnen der ersten spanischen Liga haben einen Arbeitsvertrag, der nur über zehn Wochenstunden läuft. „Jeder weiß, dass das nicht ausreicht“, sagt Laura del Río.

Während einige Klubs ihren Spielerinnen Vollzeit-Verträge gewährten, müssten die Kickerinnen bei anderen einen anderen Job haben, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. „Das ist ungerecht und das wollen wir mit einem Tarif-Vertrag vereinheitlichen“, erklärt die Spielerin. „Die Entscheidung von Real Madrid hilft uns dabei.“

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