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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Singapur Fastfoodkette Subway verbannt in Singapur den Schinken

In Singapur stellen Muslime nur eine Minderheit. Trotzdem hat die Fastfoodkette Subway den Verkauf von Schweinefleisch eingestellt.
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Subway: Wieso die Fastfoodkette in Singapur den Schinken verbannt Quelle: dpa
Sandwich der Fastfoodkette Subway

Kein Schinken mehr in Singapur.

(Foto: dpa)

Bangkok Das Menü einer Fastfoodkette sorgt in Singapur für Aufregung. Schinken, Speck und Salami vom Schwein sind in den Filialen der Sandwichkette Subway ab sofort tabu. Das Franchiseunternehmen will nämlich für muslimische Kunden attraktiver werden und hat in dem südostasiatischen Stadtstaat deshalb eine sogenannte Halal-Zertifizierung beantragt.

Als halal gelten alle Produkte, die nach den muslimischen Glaubensvorschriften erlaubt sind – der Konsum von Schweinefleisch ist Muslimen verboten.

Die Ankündigung von Subway am Mittwoch, ab sofort in allen 132 Filialen in Singapur keine Schweineprodukte mehr zu verkaufen, löste in den sozialen Medien heftige Diskussionen aus.

„Ich war Stammgast, jetzt werde ich Subway aber meiden“, schrieb ein Nutzer. Eine junge Frau kommentierte: „Das wird nur gemacht, um eine zahlungskräftige Kundengruppe zu beschwichtigen.“ Die Aktion sei unfair gegenüber loyalen Kunden, die gerne Schwein essen.

Tatsächlich gilt der Markt für Halal-Lebensmittel als äußerst lukrativ. Laut einer Studie von Thomson Reuters sollen die Umsätze in diesem Segment global von zuletzt 1,2 Billionen auf 1,9 Billionen im Jahr 2022 ansteigen.

Südostasien gehört dabei zu den Wachstumstreibern: Länder wie Indonesien, der bevölkerungsreichste mehrheitlich muslimische Staat der Welt, und Malaysia verfügen über eine schnell wachsende und konsumfreudige Mittelschicht, die für Lebensmittelkonzerne zu einer attraktiven Zielgruppe geworden sind.

Große Unternehmen wie Nestlé haben in der Region längst ihre Lieferketten als halal zertifizieren lassen. Doch wie das Beispiel von verärgerten Subway-Kunden in Singapur zeigt, ist der Schritt nicht ohne Risiko.

In Singapur – ein Land, das von mehreren Ethnien und Religionen geprägt ist – sind Muslime eine Minderheit: Sie stellen rund 14 Prozent der Bevölkerung. Debatten wie die von Horst Seehofer losgelöste Diskussion darüber, ob der Islam zu Deutschland gehöre, sind aber in dem Land kaum vorstellbar: Harmonie zwischen den Religionen gehört zur Staatsdoktrin.

Kunden wünschen sich Kompromiss

Die Regierung stellt Singapur gerne als ein Musterbeispiel für das friedliche Zusammenleben von Buddhisten, Christen, Muslimen und Hindus dar. Strenge Gesetze verbieten Veröffentlichungen, die als Beleidigung für eine der Religionen empfunden werden könnten. Im vergangenen Jahr wurde die Hidschab-tragende muslimische Politikerin Halimah Yacob zu Singapurs Präsidentin ernannt.

Religiöse Spannungen sind in Singapur trotz der Toleranzpolitik aber weiterhin vorhanden – wie nun auch die Empörung über den Sandwichbelag deutlich macht. Die Frage, ob „jetzt die Mitarbeiterinnen bei Subway auch alle Burka tragen“ müssen, gehörte noch zu den harmloseren Reaktionen der Islamkritiker.

Unter der Facebook-Ankündigung von Subway zur neuen Menügestaltung hielten es einige Singapurer auch für nötig, sich bei ihren muslimischen Mitbürgern für die harschen Reaktionen zu entschuldigen.

Dass auch Singapur nicht frei von Islamophobie ist, machte Innenminister K. Shanmugam Anfang des Monats in einer Parlamentsrede deutlich. Er beschrieb eine Verbalattacke auf eine muslimische Frau aus Singapur während einer Busfahrt. Ein indischstämmiger Mann habe sie aufgefordert „zurück in in den Irak zu gehen“. Noch gebe es nur wenige Angriffe, sagte der Minister. Gegen Islamhass sei sein Land aber nicht immun.

Im Sandwichstreit lehnte Subway unterdessen einen naheliegenden Kompromissvorschlag ab, der von vielen Facebook-Nutzern ins Spiel gebracht wurde. Sie sprachen sich dafür aus, einen Teil der Filialen als halal zertifizieren zu lassen und in einem anderen Teil weiterhin Schweineprodukte zu servieren. Das sei nicht möglich, erklärte das Unternehmen. Eine Chance auf das begehrte Halal-Siegel habe man nur, wenn die Halal-Regeln in sämtlichen Filialen angewendet würden. Wenn es um die Wurst geht, dann heißt es bei den Religionswächtern: Ganz oder gar nicht.

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1 Kommentar zu "Singapur: Fastfoodkette Subway verbannt in Singapur den Schinken"

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  • Das wird bei uns auch kommen. In Kitas und Schulkantinen gibt es dass doch schon. Wir integrieren uns zunehmend.

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