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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Thailand Die dunkle Seite der Crazy Rich Asians

Asiens Superreiche sind bekannt für extravaganten Luxus. Sie machen oft mit Skandalen von sich reden – und kommen doch ungeschoren davon.
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Die chinesische Schauspielerin Jasmine Chen posiert bei der Premiere des Films „Crazy Rich Asians“ im Capitol Theatre in Singapore. Quelle: AFP
Schauspielerin Jasmine Chen

Die chinesische Schauspielerin Jasmine Chen posiert bei der Premiere des Films „Crazy Rich Asians“ im Capitol Theatre in Singapore.

(Foto: AFP)

BangkokDie Straße der Reichen hat in Bangkok einen passenden Namen: Thonglor – auf Deutsch: eingeschmolzenes Gold. Vor den Nachtklubs der Millionärsgegend parken Ferraris und Lamborghinis. In den Bars werden Champagner und Austern serviert.

Werbetafeln preisen Eigenheime an, die aussehen wie kleine Paläste. Der Alltag der „Hi-Sos“ – so nennen die Thailänder die Mitglieder der wohlhabenden High Society – könnte direkt aus dem Film „Crazy Rich Asians“ stammen, der am Donnerstag in den deutschen Kinos angelaufen ist.

Die US-Komödie, die auf einer Romanvorlage des aus Singapur stammenden Autors Kevin Kwan basiert, zeigt Überfluss auf einem Kontinent, auf dem immer noch Hunderte Millionen Menschen in Armut leben: Fliegen in First-Class-Suiten, teure Sportwagen und Partys in Luxusanwesen.

Doch die große Ungleichheit zwischen den wahnsinnig reichen Asiaten und dem Rest der Bevölkerung zeigt sich nicht nur in noblen Hotels und ausschweifenden Festen. Auch wenn sie gegen das Gesetz verstoßen, spielen die Superreichen der Region in einer anderen Liga.

In Bangkoks Thonglor-Viertel ist die dunkle Seite der Crazy Rich Asians in einer Nebenstraße zu Hause. Hinter recht unscheinbaren Mauern liegt die Familienvilla des Clans von Chaleo Yoovidhya, der in den 70er-Jahren ein süßes, aufputschendes Getränk namens Krating Daeng erfand und es später zusammen mit dem Österreicher Dietrich Mateschitz unter der Marke Red Bull zu einem globalen Verkaufshit machte.

Chaleo lebt nicht mehr. Nun besitzen elf seiner Kinder die Mehrheit an Red Bull und sind damit alle zu Milliardären aufgestiegen.

Das große Familienvermögen geht aber offensichtlich nicht unbedingt mit großem Verantwortungsgefühl einher: Anfang September jährt sich ein fataler Unfall in Thonglor zum sechsten Mal: In den frühen Morgenstunden krachte Vorayuth Yoovidhya, ein Enkel Chaleos, mit seinem dunkelgrauen Ferrari mutmaßlich mit überhöhter Geschwindigkeit in einen Motorradpolizisten. Der Beamte starb. Vorayuth, der später zugegeben hatte, dass er am Steuer saß, beging Fahrerflucht.

Rücksichtsloses Fahren mit Todesfolge, unterlassene Hilfeleistung und Geschwindigkeitsüberschreitung waren die Vorwürfe, die die Staatsanwaltschaft gegen den Milliardärssohn und -enkel 2013 erhob. Doch juristisch aufgearbeitet wurde der Fall bis heute nicht: Gerichtstermine ließ Vorayuth jahrelang einfach verstreichen – ohne dass es dafür Konsequenzen gab.

Stattdessen war der Red-Bull-Erbe auf den Instagram-Posts seiner ebenfalls schwerreichen Freunde und Verwandten in Privatjets und bei VIP-Events zu sehen. Erst als der öffentliche Druck immer größer wurde, verfolgte Thailands Justiz den Fall mit etwas mehr Härte – gab dem inzwischen 33-Jährigen aber genug Zeit, sich ins Ausland abzusetzen.

Kaum jemand erwartet, dass er nach Thailand zurückkehren wird, bevor die Vorwürfe gegen ihn, auf die bis zu zehn Jahre Gefängnis stehen, verjährt sind.

In Thailand wurde der Fall zum Musterbeispiel für eine Justiz, die für alle gilt, außer für die Superreichen. Straffrei davonzukommen, ist für die wohlhabende Elite auch bei schweren Verbrechen eher die Regel als die Ausnahme. Das gilt nicht nur für Thailand, sondern für viele der aufstrebenden Volkswirtschaften der Region.

In Indien beschäftigen gerade gleich zwei Fälle flüchtiger Milliardäre die Öffentlichkeit. Dem Geschäftsmann Vijay Mallya, der wegen seines exzessiven Lebensstils den Spitznamen „King of Good Times“ erhielt, wird Betrug im Zusammenhang mit einem Milliardenkredit vorgeworfen. Er bestreitet dies, suchte Zuflucht in Großbritannien und wehrt sich dort gegen eine mögliche Auslieferung.

Auch Nirav Modi, Indiens bekanntester Juwelier, befindet sich in Großbritannien, wie diese Woche bekannt wurde. Auch ihm wird vorgeworfen, in einen massiven Betrugsfall verwickelt zu sein: Es geht um mehr als zwei Milliarden Dollar der Staatsbank PNB.

Malaysia fahndet unterdessen nach dem Milliardär Jho Low – einer Schlüsselfigur in dem Untreueskandal um den Staatsfonds 1MDB, in dem Malaysias Staatskasse unter der Führung des Ex-Premiers Najib Razak um Milliardensummen gebracht worden sein soll.

Er war bekannt für seine Partys in St. Tropez und auf der eigenen, 250 Millionen Dollar teuren Luxusyacht. Nun wird er in China vermutet – und ob ihm jemals in Malaysia der Prozess gemacht werden kann, ist unklar.

Für das Gerechtigkeitsempfinden und den sozialen Zusammenhalt in den jeweiligen Ländern sind die prominenten Fälle extrem schädlich: Sie stehen für eine Welt, in der sich die Crazy Rich Asians alles erlauben können.

Ironischerweise rückt jetzt offenbar auch der Autor der Filmvorlage in die Reihe der erfolgreichen Asiaten ein, die sich vor der Justiz ihrer Heimat auf der Flucht befinden. Kevin Kwan, der im Alter von elf Jahren von Singapur in die USA auswanderte, hätte aus Sicht von Singapurs Regierung seinen Militärdienst in dem Stadtstaat ableisten müssen – dies aber nicht getan. Sollte er wieder zurück nach Singapur reisen, drohen ihm bis zu drei Jahre Gefängnis.

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