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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Thailand Gute Geschäfte mit dem Höhlenwunder

Vor einem Jahr fand das Höhlendrama von Thailand ein glückliches Ende. Jetzt läuft die Vermarktungsmaschine. Nur für Elon Musk hat die Sache ein Nachspiel. 
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Vor der Tham-Luang-Höhle im Norden Thailands ist der Eingang durch einen Zaun abgesperrt. Fotos zeigen die vor einem Jahr aus der Höhle gerettete Jungen. Quelle: dpa
Ein Jahr nach dem Höhlendrama in Thailand

Vor der Tham-Luang-Höhle im Norden Thailands ist der Eingang durch einen Zaun abgesperrt. Fotos zeigen die vor einem Jahr aus der Höhle gerettete Jungen.

(Foto: dpa)

Bangkok Es war die schönste Nachricht im Sommerloch: Vor einem Jahr, am 10. Juli um kurz vor 19 Uhr Ortszeit, meldete die thailändische Marine via Facebook: alle zwölf Jungen und ihr Fußballtrainer sind gerettet. Sie waren zweieinhalb Wochen zuvor in einer Höhle im Norden Thailands nach einer Sturzflut eingeschlossen worden.

Der tagelange Such- und Rettungseinsatz wurde zum globalen Medienspektakel. Bereits kurz nach dem erfolgreichen Abschluss der Mission kamen Gratulationsbotschaften von US-Präsident Donald Trump, der britischen Premierministerin Theresa May und dem Weltfußballverband Fifa. Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte: „Was für eine wunderbare Nachricht aus Thailand!“

Zwölf Monate später ist die gute Nachricht zum Geschäftsmodell geworden. Die Geretteten vermarkten ihre Geschichte über exklusive Interviewvereinbarungen. Netflix hofft mit einer Produktion über die Rettung auf einen Publikumserfolg. Und die Anwohner rund um die Höhle im Norden Thailands wollen nun endlich auch von der lukrativen Tourismusbranche ihrer Heimat profitieren.

In der Nähe des Eingangs zur Tham-Luang-Höhle haben die Behörden ein Museum errichtet, das an die Rettung der Jugendfußballmannschaft erinnern soll. Ein mehrere Meter breites Panoramabild zeigt Porträts der Einsatzkräfte. An einer Wand hängen Rucksäcke und Schuhe der Fußballer, die während der Suchaktion in der Höhle entdeckt wurden.

Auch ein Fahrrad ist ausgestellt, mit dem einer der Jugendlichen zur Höhle aufgebrochen war. Am Eingang der Anlage steht eine mehr als drei Meter hohe Bronzestatue des Tauchers Saman Kunan, der während der Mission starb.

In die verschlafene Provinz Mae Sai in der Nähe der Grenze zu Myanmar hat sich früher kaum ein Tourist verirrt. Nun zählen die lokalen Beamten Tausende Menschen, die sich an Wochenenden ein Bild von der weltbekannten Höhle machen wollen. Dabei kann sie derzeit nur von außen begutachtet werden.

Anwohner hoffen auf Besucheransturm

Die thailändischen Behörden haben Tham Luang nach der erfolgreichen Rettungsaktion geschlossen und arbeiten derzeit daran, den Ort zur Touristenattraktion zu machen. Bis zu 2,5 Kilometer tief sollen Interessierte in die Höhle vordringen können. Die Regierung hat laut der Zeitung „Bangkok Post“ umgerechnet rund 100 Millionen Euro für den Ausbau des Naturparks Tham Luang-Khun Nam Nang Non eingeplant.

Die Anwohner, die in den vergangenen Monaten ihre Häuser in kleine Pensionen umgebaut haben und Verkaufsstände rund um den Höhleneingang positionierten, hoffen darauf, dass mit dem Start der Touristenattraktion die Zahl der Besucher noch stärker steigt.

Schon jetzt berichten die Händler aus der vergleichsweise armen Provinz Reportern von guten Geschäften. Es gibt Souvenirs, T-Shirts und für abergläubige Besucher auch Lotto-Stände. An guten Tagen verdiene sie umgerechnet mehrere Hundert Euro, erzählt eine Getränkeverkäuferin. 

Ganz andere Summen sind im Gespräch, wenn es um die mediale Vermarktung des Höhlendramas geht. Die geretteten zwölf Jugendlichen und ihr Trainer gründeten eine gemeinsame Firma, die 13 Tham Luang Company, um ihre kommerziellen Interessen zu bündeln.

Das Unternehmen schloss einen Vertrag mit der Hollywood-Produktionsfirma SK Global Entertainment ab, die zuletzt unter anderem für den Kinoerfolg „Crazy Rich Asians“ verantwortlich war. Laut thailändischen Medienberichten erwarb SK Global das Recht, lebenslang Kontakt mit den Geretteten für Interviews aufzunehmen.

Das erste Resultat dieser Zusammenarbeit wird eine Produktion für Netflix sein, wie der Streaming-Anbieter im März bekannt gab. Nach Angaben der thailändischen Regierung erhalten die Jungs und ihr Trainer jeweils umgerechnet rund 90.000 Euro für ihre Beteiligung  an dem Projekt.

Das Jugendfußballteam profitierte nicht nur finanziell: Drei der Geretteten waren vor dem Vorfall staatenlos. Sie bekamen seither einen thailändischen Pass. Gemeinsam folgte das Team dann Einladungen aus Südamerika, den USA und Großbritannien. Dort verfolgten sie ein Spiel von Manchester United. 

Einer der wenigen Beteiligten, für den die Höhlenrettung ein negatives Nachspiel hat, ist Tesla-Gründer Elon Musk. Als noch unklar war, wie die eingeschlossene Gruppe aus der überfluteten Höhle befreit werden könnte, ließ der US-Milliardär ein Mini-U-Boot konstruieren. Seine Fans feierten ihn für diesen Einsatz. Ein britischer Rettungstaucher kritisierte Musks Projekt aber als nutzlose PR-Aktion.

Der Tesla-Chef beschimpfte den Taucher daraufhin auf Twitter – ohne erkennbaren Grund – als Pädophilen. Das hat nun ein juristisches Nachspiel. Der Taucher klagt in Los Angeles wegen Verleumdung gegen den Unternehmer. Der erste Verhandlungstag soll im Oktober stattfinden.

Mehr: Warum Asien Abfall zurück nach Europa und Amerika schickt, lesen Sie hier.

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