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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Bälle-Bad und Bubble-Tea-Pizza: Der Tapioka-Milchtee feiert in Asien eine Renaissance

In Deutschland ist das Modegetränk nach einem kurzen Aufstieg schnell in Vergessenheit geraten. In Asien erlebt Bubble Tea nun einen neuen Boom.
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Für Instagram-Selfies ist in der „Bubble-Tea-Factory“ besonders das Bällchenbad mit überdimensionierten Tee-„Bubbles“ beliebt. Quelle: AFP
Im Bubble-Tea-Museum in Singapur

Für Instagram-Selfies ist in der „Bubble-Tea-Factory“ besonders das Bällchenbad mit überdimensionierten Tee-„Bubbles“ beliebt.

(Foto: AFP)

Bangkok Den Hype um Asiens Kultgetränk treibt der Unternehmer Weiting Tan auf die Spitze. Im südostasiatischen Stadtstaat Singapur hat er den ersten Vergnügungspark ins Leben gerufen, der sich zu 100 Prozent dem Lieblingsdrink vieler seiner Landsleute verschrieben hat: Bubble Tea.

Der meist extrem süße Milchtee mit Tapiokakügelchen als wichtigster Zutat hatte in der Vergangenheit in vielen asiatischen Ländern ähnlich wie in Deutschland einen rasanten Aufstieg erlebt und geriet schnell wieder ins Abseits. Nun kommt es vielerorts zu einem fulminanten Comeback, von dem auch Weiting profitieren will.

Weitings Bubble-Tea-Park, der im vergangenen Monat unter dem Namen „Bubble Tea Factory“ eröffnet wurde, liegt an Singapurs bekannter Einkaufsstraße Orchard Road. Hier hat Weiting eine Mischung aus Spielplatz und Museum geschaffen. Mehrere Installationen beschäftigen sich mit Geschmack, Geruch und Aussehen der Drinks.

Für Instagram-Selfies ist besonders das Bällchenbad mit überdimensionierten Tee-„Bubbles“ beliebt. Wer bereit ist, dafür 20 Euro Eintrittsgeld auszugeben, bekommt am Ende auch noch einen Tee aufs Haus. „Wer Bubble Tea liebt, findet hier den verrücktesten Ort, um ihn zu genießen“, sagt Weiting.

Der Unternehmer scheint aber bereits eine Vorahnung zu haben, dass es mit dem Hype nicht ewig weitergeht: Sein Vergnügungspark ist nur eine temporäre Einrichtung. Mitte Dezember soll sie bereits wieder schließen. Vermutlich ist es die Erfahrung, die Vorsicht lehrt: Auch Singapur hat bereits ein Platzen der Bubble-Blase hinter sich.

Kurz nach der Jahrtausendwende zählte die damals vier Millionen Einwohner große Metropole mehrere Tausend Bubble-Tea-Läden. Angesichts des enormen Wettbewerbsdrucks musste der Großteil der Anbieter bereits nach wenigen Jahren wieder schließen. 

Eine ähnliche Achterbahnfahrt erlebte die Branche in Deutschland Anfang des Jahrzehnts. Das in den 80er-Jahren in Taiwan erfundene Getränk setzte sich in den Innenstädten in Rekordgeschwindigkeit durch und verschwand ebenso schnell wieder – unter anderem weil Forscher der RWTH Aachen vor krebserregenden Stoffen in den Kügelchen gewarnt hatten. Dies ließ sich zwar in weiteren Studien nicht erhärten, das interessierte dann aber kaum noch jemanden. 

Ein weiterer Kritikpunkt von damals, ist aber auch in der neuen Bubble-Tea-Welle nicht zu unterschätzen: Die bunten Milch-und-Tee-Mischungen sind extreme Zuckerbomben. Verbraucherschützer in Thailand warnten im Sommer vor den Dickmachern, nachdem sie herausgefunden haben, dass die Becher einzelner Marken bis zu 19 Teelöffel Zucker enthalten. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt maximal sechs Teelöffel pro Tag.

In Asien ein Milliarden-Markt

Thailand ist neben Nachbarstaaten wie Singapur und Malaysia eines der Länder, in denen der Bubble-Tea-Hype mit voller Wucht zurückgekehrt ist. Während in der Vergangenheit vor allem kleine Straßenstände die gekühlten Tees verkauften, die man eigentlich eher als flüssiges Dessert sehen sollte, dominieren zunehmend internationale Markenanbieter das Geschäft.

Tiger Sugar, das vor zwei Jahren in Taiwan gegründet wurde, gehört zu den erfolgreichsten Neueinsteigern. Inzwischen ist das Unternehmen mit Dutzenden Niederlassungen bereits unter anderem auf den Philippinen, in Kanada, Südkorea, Thailand, Malaysia und den USA vertreten. 

Die Getränke der Marke sind bekannt für die Schlieren aus braunem Zucker, die sich über den Rand des durchsichtigen Bechers ziehen – das Unternehmen spricht von einem „Bubble Tea der dritten Generation“. Das Ergebnis ist optisch so ansprechend, dass die Kunden mit Fotos bei Instagram gerne kostenlose Werbung für das Unternehmen machen.

Die Folge sind meist stundenlange Warteschlangen, wenn irgendwo auf der Welt eine neue Filiale aufmacht. Im Frühjahr war das auch in einem Bangkoker Einkaufszentrum zu beobachten. Andere populäre und ebenfalls aus Taiwan stammende Franchise-Marken sind Gong Cha, das seit 2012 international tätig ist, und Chatime, das inzwischen weltweit mehr als 2.500 Standorte betreibt.

Weltweit schätzen Marktforscher die Umsätze mit Bubble Tea auf 1,9 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr. Bis 2026 soll sich der Markt laut Fortune Business Insights auf 3,5 Milliarden Dollar fast verdoppeln.

Von dem Trend profitieren wollen auch Branchen, die mit dem Teegeschäft höchstens am Rande etwas zu tun haben. Die Fastfoodketten Pizza Hut und Domino's brachten in Taiwan kürzlich Pizzas mit Bubble-Belag auf den Markt. In Singapur bewirbt KFC, das eigentlich für frittiertes Hähnchen bekannt ist, seit Oktober Bubble-Tea-Küchlein.

Der südostasiatische Taxi- und Lieferdienst Grab startete im gleichen Monat in Singapur ein Bubble-Tea-Abo. Für umgerechnet acht Euro bekommen Nutzer einen Tee pro Woche. Bei Bestellungen ist Bubble Tea für das Unternehmen schon jetzt ein wichtiger Umsatzbringer. In Thailand, Indonesien und den Philippinen sind die Tee-Lieferungen laut Grab im vergangenen Jahr um mehr als 3.000 Prozent angestiegen.

Der Bubble-Tea-Hype machte sich auch an der Börse bemerkbar: Im vergangenen Jahr ging der Eigentümer der Bubble-Tea-Kette Ten Ren, B & S International Holdings, in Hongkong an die Börse. Am ersten Handelstag stieg der Kurs um mehr als 200 Prozent an – auf 3,17 Hongkong-Dollar. Doch der Blick auf die Kursentwicklung seither zeigt, dass die Bubbles nicht immer ein Erfolgsgarant sind: Inzwischen liegt der Wert einer Aktie bei nur noch knapp 70 Cent.

Es scheint unter anderem an den Expansionsvorhaben zu haken: In Vietnam beendete im August der lokale Franchise-Nehmer die Zusammenarbeit mit Ten Ren und schloss nach zwei Jahren die knapp zwei Dutzend Bubble-Tea-Läden im Süden des Landes. Die Begründung: zu starke Konkurrenz.

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