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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Staatsämter in vier Generationen: Familien-Dynastien bestimmen Indiens Politik

Auf dem Subkontinent geben Dynastien den Ton an, wenn es um das Parlament geht. Auch der aktuelle Wahlkampf ist von bekannten Namen dominiert.
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Die 47-Jährige tritt für die oppositionelle Kongresspartei als Geheimwaffe im Wahlkampf gegen Premierminister Narendra Modi an. Quelle: Reuters
Priyanka Gandhi Vadra

Die 47-Jährige tritt für die oppositionelle Kongresspartei als Geheimwaffe im Wahlkampf gegen Premierminister Narendra Modi an.

(Foto: Reuters)

Bangkok Ihr Vater war bereits Premierminister Indiens, genauso wie ihre Großmutter und auch ihr Urgroßvater. Jetzt will auch ihr Bruder an die Regierungsspitze des Subkontinents – und Priyanka Gandhi Vadra nutzt die Gelegenheit, um ebenfalls in das Scheinwerferlicht der indischen Politik zu treten.

Die 47-Jährige tritt für die oppositionelle Kongresspartei als Geheimwaffe im Wahlkampf gegen Premierminister Narendra Modi an: Sie gilt als politisch begabt wie ihre Mutter, die langjährige Parteichefin Sonia Gandhi, und erinnert die Inder optisch an ihre Oma Indira Gandhi, die erste Frau an Indiens Regierungsspitze.

Trotz ihrer Beliebtheit und der ihr zugeschriebenen Talente hatte die Psychologin, die meist nur beim Vornamen genannt wird, an politischen Führungsaufgaben lange kein Interesse. Das hat sich nun geändert: Anfang des Jahres wurde sie zur Generalsekretärin des Kongresses, zuständig für Indiens bevölkerungsreichsten Bundesstaat Uttar Pradesh – und verschaffte damit auch der Kampagne ihres Bruders einen Aufmerksamkeitsschub.

In Uttar Pradesh liegt auch der Wahlkreis ihres Kontrahenten Modi. In ihrer ersten offiziellen Rede griff sie den Amtsinhaber diese Woche direkt an: Sie warf seiner Regierung vor, Hass zu schüren und Versprechen nicht gehalten zu haben. Modis Regierungspartei hat an Priyanka Grundsätzlicheres auszusetzen. Als Gandhi sei sie nur die Fortsetzung der jahrzehntelangen Machtpolitik einer einzigen Familie.

An der Diagnose ist durchaus etwas dran. Keine andere Familie hat die indische Politik seit der Unabhängigkeit 1947 so geprägt wie der Nehru-Gandhi-Clan, der in der Kongresspartei fast durchgehend das Sagen hatte. Doch während die Gandhis – nicht verwandt mit Mahatma Gandhi – zwar Indiens erfolgreichste Politikerdynastie darstellen, sind sie bei Weitem nicht die einzige.

In vielen Teilen des Subkontinents funktioniert Politik wie ein mittelständischer Familienbetrieb: Wenn der Senior ausscheidet, steht der Junior schon parat. Auch Ehefrauen, Neffen und Geschwister helfen dabei, Parteiposten und Mandate in der größten Demokratie der Welt zu besetzen.

Wenige Wochen vor der Parlamentswahl, bei der fast eine Milliarde Menschen Indiens Volksvertreter wählen wird, rechnet der indische Politikblog „The Print“ vor, dass mindestens 34 Familien im indischen Politikbetrieb mit mindestens je drei Verwandten aktiv sind. Dazu gehört unter anderem Ram Vilas Paswan, Verbraucherminister in Modis Kabinett. Sein Sohn und sein Bruder sind bereits im Parlament vertreten. Nun sagt Paswan, die Partei verlange auch, seine Frau ins Rennen zu schicken.

Politikwissenschaftler erklären Indiens Hang zu politischen Familienbetrieben mit einer nach wie vor feudal geprägten Gesellschaft, in der die Abstammung noch immer oft über den beruflichen Erfolg entscheidet. Der teure Kampf um Aufmerksamkeit verstärkt den Effekt: Mehr als 8000 Kandidaten bewerben sich um die 545 Sitze im Unterhaus.

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Ihr Wahlkampf wird nach Prognosen des Centre for Media Studies aus Neu-Delhi in diesem Jahr insgesamt rund sieben Milliarden Dollar kosten – und damit teurer ausfallen als Kongresswahlen in den USA. Ein bekannter Politikername verschafft dabei einen kostenlosen Wettbewerbsvorteil für die Angehörigen des etablierten politischen Spitzenpersonals.

Teil der Politikerdynastien zu sein hat in Indien aber mitunter auch einen hohen Preis. Priyanka und Rahul Gandhi wurden bereits früh mit den Abgründen politischer Auseinandersetzungen konfrontiert: 1984 wurde ihre Großmutter Indira von Attentätern ermordet, 1991 tötete eine Selbstmordattentäterin ihren Vater Rajiv bei einer Wahlkampfveranstaltung.

Priyanka, damals 19 Jahre alt, erhielt Zuspruch aus dem ganzen Land. Vor seiner Wahl zum Premierminister erklärte angeblich sogar der politische Hauptgegner Modi – selbst kinderlos –, er sehe in ihr so etwas wie seine Tochter. Priyanka antwortete scharf: „Ich bin die Tochter von Rajiv Gandhi.“

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