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Weltgeschichten unserer Korrespondenten
Markt im indischen Jammu

Die Regierung in Indien will Unternehmen, die Probleme mit marktwirtschaftlichen Mitteln angehen, fördern.

(Foto: AP)

Weltgeschichte Wie Indien mit marktwirtschaftlichen Mitteln seine massiven Probleme lösen will

Ärztemangel, fehlender Strom, verschmutzte Städte: Mit inklusiven Innovationen will Indien den Fortschritt schaffen. Dabei birgt das Land großes Potenzial.
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Neu Delhi Es war ein Meilenstein für die Entwicklung seines Landes, den Regierungschef Narendra Modi im vergangenen Jahr verkündete: Jedes von den rund 600.000 indischen Dörfern sei nun an das Stromnetz angeschlossen, erklärte er. „Das Leben vieler Inder wird sich damit für immer ändern“, prognostizierte Modi, der damit ein Wahlversprechen als erfüllt sah.

Laut unabhängigen Beobachtern gibt es aber nach wie vor massive Lücken im System: Manche Gegenden wurden schlichtweg übergangen, anderswo gibt es den Strom nur wenige Stunden am Tag – oder ist für arme Familien einfach zu teuer.

Für die Inder, die nach wie vor im Dunkeln sitzen, hat die Start-up-Gründerin Ajaita Shah eine Alternative im Angebot. Ihr Unternehmen Frontier Markets richtet sich gezielt an Menschen mit eingeschränktem Energiezugang. In den ländlichen Gebieten des Subkontinents verkauft es günstige Solarlampen, mit Solarstrom betriebene Küchengeräte und sogar Solar-Fernseher.

Shahs Vertriebsmitarbeiterinnen sind Tausende Frauen aus den jeweiligen Dörfern. Sie sehe die Bewohner der vergleichsweise armen ländlichen Regionen nicht als Almosenempfänger, erklärte die Unternehmerin Ende Oktober bei einer Präsentation in Singapur: „Für uns sind es Kunden und Menschen, denen wir gute Jobchancen bieten können.“

Wirtschaftlich scheint der Ansatz zu funktionieren: Ihren Jahresumsatz konnte die Unternehmerin von 300.000 Dollar im Jahr 2015 auf zuletzt 2,7 Millionen Dollar verachtfachen.

Shahs Geschäftsmodell folgt der Idee, dass sich die Arbeit an Produkten für unterversorgte Zielgruppen in Schwellen- und Entwicklungsländern gleich doppelt lohnen kann: Einerseits lassen sich damit unerreichte Märkte erschließen, andererseits können sie gleichzeitig einen positiven Beitrag in den jeweiligen Gemeinschaften leisten.

Inklusive Innovationen

In Indien will die Regierung Sozialunternehmen, die gesellschaftliche Probleme mit marktwirtschaftlichen Methoden lösen, nun gezielt fördern. Eine noch unveröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung, die dem Handelsblatt vorliegt, zeigt nun, dass das Land damit ein erhebliches Potenzial heben könnte.

Die Stiftung hat mit Blick auf Schwellenländer in Asien ausgewertet, wo Unternehmer mit sogenannten inklusiven Innovationen auf den größten Erfolg hoffen können. Unter 21 untersuchten Volkswirtschaften nimmt Indien dabei eine Spitzenposition ein.

„Indien hat beste Voraussetzungen, wenn es darum geht, neue Ideen, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltig sind und der ganzen Gesellschaft nutzen“, kommentiert Parvati Vasanta, Indienexpertin der Bertelsmann-Stiftung.

Die Studie bewertet die Voraussetzungen der untersuchten Länder anhand von zwei Kriterien: Zum einen blickt sie darauf, wie sehr das jeweilige Umfeld die unternehmerischen Tätigkeiten unterstützt. Stabile Institutionen gelten beispielsweise als positiver Einflussfaktor. Zum anderen beleuchtet der Ländervergleich den Umfang der gesellschaftlichen Probleme, die sich mit inklusiven Innovationen lösen ließen.

Indien bietet dabei in der Tat zahlreiche Möglichkeiten für ein Engagement. Das 1,3 Milliarden Einwohner große Land kämpft nicht nur mit Problemen bei der Stromversorgung. Es sucht auch nach Lösungen, um die Unterernährung von Millionen Kindern zu beenden und ihren Zugang zu Bildung zu verbessern.

Gleichzeitig sind Innovationen gefragt im Kampf gegen die Wasserknappheit und die extreme Luftverschmutzung in den Großstädten. Die Gesundheitsversorgung muss angesichts des Mangels an Ärzten und Krankenhäusern effektiver werden.

Laut Bertelsmann-Studie gibt es in Indien bereits eine vergleichsweise hohe Zahl an Unternehmern, die sich mit derartigen Herausforderungen beschäftigen. In keinem anderen untersuchten Land ist das Engagement mit Blick auf inklusive Innovationen so ausgeprägt wie auf dem Subkontinent. Auf Platz zwei und drei liegen die Philippinen und Myanmar. In Usbekistan, Laos und im Iran stellen die Studienautoren den geringsten Aktivitätsgrad fest.

In Indien will die Regierung das Lösen von gesellschaftlichen Problemen mit unternehmerischen Mitteln weiter forcieren. Finanzministerin Nirmala Sitharaman kündigte im Sommer an, eine Börse für Sozialunternehmen ins Leben zu rufen.

Der spezialisierte Finanzplatz soll dazu beitragen, dass Sozialunternehmer leichter als bisher an Kapital kommen können. „Es ist Zeit, die Kapitalmärkte stärker an soziale Ziele und inklusives Wachstum heranzuführen“, sagte Sitharaman.

Die Regierung hofft, mit der Initiative einen größeren Anteil an dem Markt für sogenanntes Impact Investing auf sich zu ziehen. Gemeint sind damit Geldanlagen, die zum Ziel haben, einen größtmöglichen positiven Einfluss auf sozialen und ökologischen Wandel zu haben.

„Deutsche Firmen können noch einiges lernen“

Das Global Impact Investing Network schätzt, dass Impact-Investoren weltweit rund 500 Milliarden Dollar zu Verfügung gestellt haben. Zwischen 2010 und 2016 entfielen fünf Milliarden davon auf Anlagen in Indien. Den Bedarf deckt das längst nicht ab: „Indien hat ein pulsierendes Ökosystem an Sozialunternehmen. Viele Organisationen haben aber Probleme, an das Kapital zu kommen, das sie brauchen“, urteilte die Denkfabrik Brookings im Juli in einem Bericht.

Aus Sicht der Studienautoren von Bertelsmann gibt es aber auch eine Reihe von Erfolgsbeispielen, die mit profitablen Geschäftsmodellen in Indien zu deutlichen Verbesserungen geführt haben. Die Klinikkette Narayana Health hat beispielsweise einen Weg gefunden, Herzoperationen sehr effizient und deshalb auch kostengünstig anzubieten: Operationen am offenen Herzen sind für unter 2000 Dollar zu haben – und damit für einen Bruchteil der Kosten, die in Europa oder den USA anfielen.

Die Behandlungen werden so für einen größeren Teil der Bevölkerung zugänglich. Ein anderes Paradebeispiel für inklusive Innovation bietet aus Sicht von Experten der Hersteller Mitticool aus dem Bundesstaat Gujarat. Er hat einen kostengünstigen Kühlschrank aus Lehm entwickelt, der keinen Stromanschluss braucht, Nahrungsmittel aber trotzdem tagelang frisch halten kann.

Solche inklusiven Innovationen zielen nach der Definition der Bertelsmann-Stiftung darauf ab, das Leben von benachteiligten Bevölkerungsgruppen spürbar zu erleichtern. Indienexpertin Vasanta glaubt, dass sich deutsche Hersteller mit der Strategie stärker auseinandersetzen sollten.

Bisher kämen die Chancen durch inklusive Innovationen, die nicht nur neue Märkte erschließen, sondern auch dem gesellschaftlichen Fortschritt dienten, zu kurz. Innovationen seien vielfach zu sehr darauf fokussiert, Hochtechnologie zu perfektionieren, anstatt sie breiten Massen zugänglich zu machen, sagt Vasanta. „Da können deutsche Firmen von dem Ideenreichtum in den aufstrebenden Schwellenländern noch einiges lernen.“

Mehr: Unsere USA-Korrespondentin Katharina Kort berichtet, wie der neue Messenger-Wahn das Leben der New Yorker beeinflusst.

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1 Kommentar zu "Weltgeschichte: Wie Indien mit marktwirtschaftlichen Mitteln seine massiven Probleme lösen will"

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  • "Indien hat beste Voraussetzungen, wenn es darum geht, neue Ideen, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die wirtschaftlich, sozial und ökologisch nachhaltig sind und der ganzen Gesellschaft nutzen“...
    Da sieht man wiederum, dass neue Produkte & Dienstleistungen in Ländern wie Indien eher an den Start kommen als in unseren hochentwickelten Gesellschaftssystemen. Es kommen neue Technologien auf den Markt, die das System der Grosskraftwerke und Stromversorgung über Stromtrassen und Oberleitungen grundlegend zum Positiven ändern. Die Nutzung von solarer Strahlung und damit verbundener emissionsfreier Neutrino-Energy wird unser neues Welt Energie Potential bedienen, 24h und 365Tage im Jahr kostenfrei steht Energie weltweit zur Verfügung steht. Es geht um dezentrale, mobile Haushaltsenergie und unendliche Reichweite in der Elektromobilität. Die Politik muss endlich Steuern, damit die Wirtschaft Rudern kann. Die Berliner Neutrino-Energy Group bietet Patente und Lizenzen zur Nutzung von Neutrino Energy. Die Neutrinovoltaic wird die Photovoltaic ergänzen und ablösen. Es braucht jetzt nicht nur im Karlsruher Institut für Technologie Interesse - die Politik und die Industrie muss Umrüsten auf eine Zukunft ohne Grosskraftwerke, ohne Kabel und Steckdose- das kommt und wird unser Leben einfacher machen. Wir sollten uns diesen Möglichkeiten jetzt öffnen und uns von alten Strukturen von Monopolen zu trennen. Länder wie Indien werden sonst mit Neutrino-Energy in allen Bereichen neue Masstäbe setzen.