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Weltgeschichten unserer Korrespondenten
Silicon Valley

Das alte Valley verschwindet Schritt für Schritt.

Weltgeschichte Das alte Silicon Valley verschwindet – und die Investoren kommen

Der kultige Elektronikhandel Fry’s steht vor dem Aus. Kein Einzelfall, denn jeder Quadratmeter im Silicon Valley ist eine Goldgrube für Investoren.
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San Francisco Rechts neben dem Eingang steht ein großes Schild in Holzoptik, daneben ein mannsgroßer staubiger Fake-Kaktus. Links neben dem Eingang: Ein altes Wagenrad eines Planwagens. Über der Tür findet sich ein zusammengezimmertes Schild, wie es in jedem Western-Film über der Schwingtüre des örtlichen Saloons hängen könnte.

Doch die Schwingtüre ist eine elektrische Doppeltür aus Glas, die Aufschrift lautet „Fry’s Electronics“ – das letzte Urgestein des Elektronikhandels im Herzen der Digitalrevolution. Über 25 Jahre hat der Einzelhändler Amazonas Generalgriff überlebt. Ende Januar 2020 ist Schluss.

Das Wild-West-Thema zieht sich durch das gesamte, weiträumige Verkaufsgelände. Im Inneren erwarten die Besucher nicht nur Fernseher, Laptops und Smartphones, sondern auch ein ganz eigenes Dekor: Indianer, Lasso-schwingende Cowboys auf ihren Pferden, Räuber, die irgendwelche Kisten mit Brandzeichen versehen wollen und Glücksritter mit Goldpfannen im Plastikfuß.

Von den Holzbalken hängen keine seelenlosen Neonröhren in den Raum, sondern Eisenreifen an Ketten mit nachgebauten Petroleumlampen und geben ein weiches Licht. Bei einem aktuellen Besuch war der riesige Parkplatz aber praktisch leer. Nur wenige Kunden irrten durch das Geschäft, die Regalreihen sind teilweise schon halb- oder ganz leer.

Das war nicht immer so. Bei meinem ersten Aufenthalt für das Handelsblatt im Silicon Valley im Jahr 2000, vor dem legendären Dot-Com-Crash, war das Fry’s so etwas wie der heilige Gral. Bei Fry’s war alles, was neu auf den Markt kam, auch direkt am ersten Tag verfügbar. Hier shoppten der Legende nach selbst Steve Jobs oder Steve Wozniak. Die Schlangen an den Kassen waren immer lang, der Parkplatz voll.

Quelle: Fry's Electronics
Fry’s Electronics in Palo Alto
(Foto: Fry's Electronics)

Anstatt zu Starbucks zu gehen, holten sich die Nerds und Techies ihren Kaffee im „Iron Tail Cafe“ im „Fry’s“ und hofften dabei, dass einer der Großen vorbeikam, weil er sofort ein Spezialteil brauchte, und nicht warten wollte, bis es geliefert wird.

Das „Fry’s“ war für Digitalpioniere und Enthusiasten. Sie bauten sich ihre Computer selbst zusammen und anders als beim verpönten Konkurrenten BestBuy gab es nicht nur fertige Mainstreamware, sondern exotische Transistoren, Widerstände, Kondensatoren und Leiterplatten zum selbst bestücken. Es stapelten sich Festplatten, Kabelsätze, Laufwerke, Lüfter und CPUs, das Herz eines Rechners.

Andere Konkurrenten, wie CompUSA aus Florida, Computown oder RadioShack haben längst aufgegeben. Nur Fry’s betreibt noch Läden überall in den USA, auch wenn es immer weniger werden.

Fry’s wurde in Kalifornien gegründet und als startete als lokaler Händler im Valley. Der Verlust des Vorzeigehauses in Palo Alto ist ein herber Schlag. Zwar gibt es noch Geschäfte in Sunnyvale, das erste Fry’s, in Fremont und Geschäfte in San Jose Campbell und Concord. Aber die Filiale in Palo Alto war etwas besonderes.

Statt PCs sind heute Laptops, Tablets und Smartphones populär. Hier wird nicht mehr gebastelt, aufgerüstet und nur selten repariert. Und alles bringt Amazon am nächsten Tag aus China oder Taiwan, auch die Transistoren und Widerstände von früher.

Thanksgiving mit den „Leftovers“

Meine ersten Ausflüge ins Technik-Wunderland habe ich 2000 immer vom „Mermaid Inn“ aus gestartet. Meine temporäre Heimat, und mit dem Auto nicht weit vom Fry’s entfernt. Das „Mermaid Inn“ war eines der wenigen einfachen Motels, die noch im Valley verblieben waren und Zimmer zu erträglichen Konditionen anboten. Auch wenn der Werbeslogan „Ein Zimmer für ein Lied“ über der Tür sich nie bewährte. Vielleicht konnte ich aber auch nur nicht so gut singen, wie Meerjungfrauen das können.

Das „Mermaid Inn“ stand noch für ein anderes Silicon Valley. Ein unscheinbares Refugium der Einfachheit im heute mondänen Menlo Park, eingezwängt zwischen einem Fischrestaurant und einem Supermarkt auf dem El Camino Real. Zu Thanksgiving, dem amerikanischsten aller amerikanischen Familienfeiertage, rief die Managerin am Nachmittag in jedem der 39 Zimmer an, und wer den Hörer abnahm, war ein „Leftover“, ein Übriggebliebener ohne Familie.

Wir waren sechs in diesem Jahr und wurden alle zum großen Truthahnessen eingeladen, wo wir mit der Familie Erntedank feiern durften. Auch das „Mermaid Inn“ ist mittlerweile Vergangenheit. Es wurde 2012 verkauft und musste einem schicken „Boutique Hotel“ für zahlungskräftigere Kundschaft weichen.

Das Verschwinden der Waschsalons
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