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Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath Ein Diplomat im Dienst der Uneigennützigkeit

Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath hat die Skandalbank Hypo Alpe Adria abgewickelt. Nun verdingt er sich als Exot auf dem diplomatischen Parkett in Wien.
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Der frühere CEO der Heta - der Bad Bank der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria – hat sich Anerkennung verschafft. Quelle: AFP
Schoenaich-Carolath

Der frühere CEO der Heta - der Bad Bank der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria – hat sich Anerkennung verschafft.

(Foto: AFP)

WienGleich um die Ecke des österreichischen Finanzministeriums hat der frühere Banker Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath seine neue Aufgabe gefunden. Der deutsche Aristokrat ist der neue Botschafter des Souveränen Malteser-Ritter-Ordens in Österreich und damit der Exot auf dem diplomatischen Parkett in Wien.

Denn der Malteser-Ritter-Orden ist ein Kuriosum. Offizielle Bezeichnung: „Souveräner Ritter- und Hospitalorden vom Heiligen Johannes zu Jerusalem von Rhodos und von Malta – besser bekannt als der Souveräne Malteser-Ritter-Orden“ (SMRO).

Der älteste katholische Laienorden ist seit 1834 in Rom ansässig und der kleinste Staat der Welt mit eigener Währung und Briefmarken. Die Malteser-Ritter unterhalten zu 107 Staaten der Welt diplomatische Beziehungen, darunter auch zu Österreich. Zudem hat er eine Vertretung an den Sitzen der Uno in New York, Genf, Paris und eben auch in Wien.

Prinz von Schoenaich-Carolath ist stolz auf seine neue Aufgabe. Denn er begreift sich als Diplomat im Dienst der Uneigennützigkeit. Seine Mini-Botschaft, die außer ihm nur noch einen Gesandten für die administrativen Aufgaben miteinschließt, ist quasi Tür an Tür mit dem karitativen Arm der Malteser. Der Orden betreibt Krankenhäuser, Altenheime und karitative Hilfsdienste.

Der Dienst an Kranken, Flüchtlingen und Pilgern hat bei den im 11. Jahrhundert gegründeten Maltesern eine große Tradition. Die Malteser waren einst auf Rhodos und später auf Malta fast ein halbes Jahrtausend zuhause.

„Ich bin seit 30 Jahren Mitglied des souveränen Malteser-Ritter-Ordens des Heiligen Johannes von Jerusalem, genannt von Rhodos und Malta“, erzählt der deutsche Prinz. Das Engagement war ihm nicht in die Kinderwiege gelegt worden. Denn seine Familie sei „zutiefst protestantisch“. Seine Mutter sei aber katholisch. Der frühere Finanzmanager hat sich die Malteser bewusst ausgesucht. „Ich suchte eine Gemeinschaft, um meinen Glauben zu vertiefen“, sagt der 60-Jährige.

Seit April ist von Schoenaich-Carolath in Österreich als Botschafter akkreditiert. Aus den Händen des österreichischen Bundespräsidenten Alexander van der Bellen erhielt er unter dem Porträt von Kaiserin Maria Theresia in der Hofburg, dem Kaiserpalast von Wien, sein Beglaubigungsschreiben. Seitdem öffnen sich für den Botschafter mit dem roten Diplomatenpass samt Wappen die Türen zu einer ganz neuen Welt. „Die Aufnahme in Österreich war sehr herzlich“, sagt der diskrete Prinz über seine Amtskollegen aus aller Welt.

Tatsächlich ist die Dichte an Diplomaten in der Donaumetropole besonders groß. Denn in Wien sitzen neben der österreichischen Regierung auch noch eine Reihe von Uno-Organisation und die OSZE, die beispielweise im Ukraine-Konflikt eine Schlüsselrolle spielt. Es gibt viel zu vermitteln.

Seine Rolle sieht von Schoenaich-Carolath in der Rolle des ehrlichen Maklers. „Wir sind ein Mittler.“ Er will ganz in der Tradition des Ritter-Ordens ein Vermittler ohne Eigeninteressen sein – zu seinen jüngsten Aktivitäten aber nicht allzu viel verraten. Außer: Derzeit gebe es eine Anfrage von einem Land, diplomatische Beziehungen aufzubauen.

Eine Reihe von europäischen Ländern erkennt den souveränen Staat der Malteser-Ritter nicht an. Selbst Deutschland besitzt erst seit vergangenem Jahr diplomatische Beziehungen zu den Maltesern. Der damalige Bundesaußenminister Sigmar Gabriel reiste eigens nach Rom, um diese historische Tür aufzuschlagen.

Innerhalb des Ritter-Ordens verfügt der Aristokrat über ein weitläufiges Netz. Bereits in Deutschland war er Bundesfinanzkurator des Malteserhilfsdienstes und hatte die Aufsicht über die Krankenhaussparte. Die Laienorganisation kommt mit ihren Hospitälern, Krankenhäusern und anderen karitativen Firmen allein in der Bundesrepublik auf einen Umsatz von rund 1,4 Milliarden Euro.

Dennoch ist Bescheidenheit für den Diplomaten angesagt. Denn über einen Etat verfügt die Botschaft in Wien nicht. Das historische Palais um die Ecke der Wiener Malteserkirche, einst im Besitz der Malteser, ist nur angemietet.

Für den Prinzen ist der Orden wie eine Familie. „Ich habe eine Gemeinschaft gefunden, die mir viele Freunde bescherte“, sagt er. Weltweit zählt der Malteser-Ritter-Orden 13.500 Mitglieder. In Deutschland sind es 450 und in Deutschland 650.

„Wir haben eine bunte Mischung, von Hausfrauen, Studenten, Angestellten, Selbstständigen bis zum Milliarden schweren Unternehmer“, erzählt von Schoenaich-Carolath. „Zum Ritter kann man sich allerding nicht bewerben, sondern man wird berufen“. Eine Ehre für Katholiken.

Das Amt des Botschafters ist für den Gentleman-Banker durchaus eine Herausforderung. Denn eine Ausbildung erhielt der frisch gebackene Diplomaten nicht. „Es gibt keine diplomatische Schule, um protokollarische Fehler zu vermeiden. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt von Schoenaich-Carolath und lächelt in seinem historischen Botschaftssalon unweit des Wiener Stephansdoms. Mit seinem opulenten Ring und der knalligen orangenen Krawatte sieht der sechsfache Vater durchaus aus wie ein eleganter Bilderbuch-Diplomat.

Der frühere CEO der Heta - der Bad Bank der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria – hat sich Anerkennung verschafft. Denn er hatte den Gläubigern eine höhere Rückzahlung ihrer Forderungen beschert als ursprünglich angenommen. Dem deutschen Restrukturierer gelang es, den Barbestand von 2,3 Milliarden Euro Ende 2014 auf 8,5 Milliarden Euro zum Halbjahr 2017 zu erhöhen.

Das Amt des Botschafters ist für den in Wien geborenen Aristokraten keine vorübergehende Aufgabe. „Einer meiner Vorgänger war 21 Jahre Botschafter“, sagt er augenzwinkert. Aus Österreich will er zudem nicht mehr weg. In der Nähe von Salzburg hat der Diplomat der Uneigennützigkeit ein ländliches Anwesen erworben. Sein persönliches Paradies.

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