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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Das Haus der Geschichte in Wien blickt in eine ungewisse Zukunft

Das Museum in der Wiener Hofburg ist ein Spielball politischer Interessen. Die Perspektive des Hauses der Geschichte Österreich ist ungewiss.
11.12.2019 - 17:35 Uhr Kommentieren
Im Jahr 2018 wurde das Museum eröffnet. Quelle: Haus der Geschichte Österreich
Haus der Geschichte Österreich

Im Jahr 2018 wurde das Museum eröffnet.

Wien Die 200 Quadratmeter große Terrasse der Wiener Hofburg zählt zu den berühmtesten Balkonen der Welt. Vor rund 200.000 Österreichern verkündete Adolf Hitler am 15. März 1938 auf dem Heldenplatz, wo das imposante Gebäude steht, den „Anschluss“ seiner Heimat an das nationalsozialistische Deutschland. Der Diktator sprach damals von „der größten Vollzugsmeldung seines Lebens“.

Die Bilder des entzückten Machthabers aus Braunau am Inn und die begeisterten Volksmassen haben sich tief in das historische Gedächtnis der Alpenrepublik eingebrannt. Der Balkon in der Neuen Hofburg – wie der imperiale Trakt genannt wird – ist der Besuchermagnet des Hauses der Geschichte Österreich.

Viele würden bei ihrer Visite der zeitgeschichtlichen Sammlung gerne auf die Terrasse hinaustreten. Doch die braune Holztüre ist fest versperrt – aus Sicherheitsgründen. Denn die Balustrade der Terrasse ist einst viel zu niedrig ausgefallen und daher gefährlich. Ohnehin versperrt ein riesiger Maschendrahtzaun zur Abwehr von Tauben mit ihrem für den Gebäudekomplex gefährlichen Kot den Weg.

„Der Heldenplatz wurde das Synonym für die österreichische Mitverantwortung“, sagt Stefan Benedik, einziger Kurator des Hauses für Geschichte Österreich. „Nach 1945 war der Balkon tabu.“ Eine einzige Ausnahme gab es in den 1990er-Jahren. Damals sprach der Holocaust-Überlebende, Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel von dem Hitler-Balkon der Hofburg.

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    Das Haus der Geschichte ist für die Alpenrepublik alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Erst nach jahrzehntelangen Streitereien wurde es vor gut einem Jahr eröffnet. Aus dem Projekt der früheren rot-schwarzen Regierung unter dem damaligen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) wurde am Ende nur ein Häuschen der Geschichte. „Wir haben nur 750 Quadratmeter aus symbolischen Gründen“, sagt Benedik mit resignativem Unterton.

    Ein Spielball politischer Interessen

    Auf der Fläche beherbergt das Museum die Darstellungen der Ersten Republik nach dem Ende der rund 600 Jahre dauernden Herrschaft der Habsburger, der nationalsozialistischen Diktatur unter Hitler und der Zweiten Republik nach dem Zweiten Weltkrieg.

    Mit einem Etat von nur einer Million Euro ist die Sammlung für die Geschichte ab 1918 bis heute chronisch unterfinanziert. Die Restsumme muss das Museum über den Verkauf von Eintrittskarten und mit Sponsoren selbst erwirtschaften. Das kleine Museum verfügt derzeit über 17 Mitarbeiter. Im ersten Jahr kamen 116.000 Besucher – davon zwei Drittel Österreicher – in das erste zeitgeschichtliche Museum der Republik.

    Das Haus der Geschichte war und ist ein Spielball der politischen Interessen. Ein Brettspiel für zwei Teilnehmer mit einem Drehrad und Textinstruktionen auf einer mannshohen Schautafel zeigt ironisch das absurde Hickhack um das Projekt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

    Absurd sind auch die Zuständigkeiten. Die Räume der historischen Sammlung gehörten dem Kunsthistorischen Museum, formell sei das Haus der Geschichte aber Teil der Nationalbibliothek, erklärt Kurator Benedik. Wissenschaftlich sei ihm hingegen Unabhängigkeit zugestanden.

    Das spektakulärste Exponat ist das unübersehbare „Trojanische Pferd“, das die Ausstellung überragt. Das vier Meter hohe Holzpferd nach einer Idee des österreichischen Schriftstellers Peter Turrini wurde 1986 zur Wahl des früheren UN-Generalsekretärs Kurt Waldheim zum österreichischen Bundespräsidenten in Wien aufgestellt und ging später mit dem neuen Staatsoberhaupt auf Reisen.

    Der heftige Streit um Waldheim wegen dessen Beteiligung an Kriegsverbrechen in der Nazi-Zeit leitete in den 1980er- und 1990er-Jahren die Abkehr vom staatlichen Dogma ein, Österreich sei ein Opfer von Hitler-Deutschland gewesen. „Waldheim ist die Wasserscheide jeder historischen Diskussion“, sagt Benedik.

    Doch das Bekenntnis zur Mitverantwortung hat aufgrund der knappen Platzverhältnisse der zeitgeschichtlichen Schau große Lücken. Denn im Haus der Geschichte Österreich fehlen gänzlich der Werdegang und die Prägung des berühmtesten Österreichers in der Weltgeschichte: Adolf Hitler. Der in Braunau geborene, in Linz aufgewachsene und in Wien gescheiterte Diktator spielt in der Sammlung eine zentrale Rolle – aber nur indirekt.

    Das spektakulärste Exponat ist das unübersehbare „Trojanische Pferd“, das die Ausstellung überragt. Quelle: Haus der Geschichte Österreich
    Trojanisches Pferd

    Das spektakulärste Exponat ist das unübersehbare „Trojanische Pferd“, das die Ausstellung überragt.

    „Das Verhältnis Österreichs zu seiner Geschichte ist eben komplex“, sagt der promovierte Historiker Benedik und fügt an: „Die nähere und fernere Zukunft ist unklar.“ Der Streit zwischen den Parteien über die Zukunft des zeitgeschichtlichen Museums verdient beinahe schon eine eigene Ausstellung. Manche wollen einen Neubau, andere ein Museum ohne Gängelband der Politik. Die Rechtspopulisten fordern gar eine zeitgeschichtliche Schau ohne „ideologische Brille“.

    Ein von der früheren konservativ-rechtspopulistischen Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) beauftragtes fünfköpfiges Expertenteam plädiert nun für einen „Museumsneubau am Heldenplatz“ als beste Lösung. Die derzeitige Ausstellungspräsentation auf einer Fläche von weniger als 800 Quadratmetern in der Neuen Burg sei nicht ausreichend, heißt es im Bericht an Außenminister Alexander Schallenberg, der am vergangenen Montag vorgelegt wurde. Die Experten empfehlen eine Ausstellungsfläche von 10.000 Quadratmetern – dann wäre selbst für Hitlers Werdegang ausreichend Platz.

    Die jetzige Dauerausstellung heißt „Aufbruch ins Ungewisse – Österreich seit 1918“. Der Aufbruch ins Ungewisse ist auch für das Museum der Geschichte noch lange nicht zu Ende. Denn das Schicksal der zeitgeschichtlichen Sammlung liegt in den Händen der neuen Regierung im nächsten Jahr. Noch aber verhandeln ÖVP und Grüne über die Bildung einer Koalition. Es bleibt also spannend.

    Mehr: In der Schweiz werden Verkehrssünder hart bestraft. Das Gesetz kennt auch bei Polizisten auf Verbrecherjagd kein Pardon. Politiker wollen das nun ändern.

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