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Thailand Touristenmetropole unter der Giftwolke

Fahrverbote wie in Deutschland? Undenkbar – obwohl Thailands Hauptstadt unter stärkerer Luftverschmutzung als Neu Delhi und Peking leidet.
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Smog hängt bei Sonnenaufgang über Thailands Hauptstadt. Die Feinstaubbelastung ist hier oft höher als in Neu-Delhi oder Peking. Quelle: AP
Bangkok im Smog

Smog hängt bei Sonnenaufgang über Thailands Hauptstadt. Die Feinstaubbelastung ist hier oft höher als in Neu-Delhi oder Peking.

(Foto: AP)

BangkokStrahlender Sonnenschein ist in diesen Tagen selten geworden in Bangkok. Im thailändischen Umweltamt findet man ihn aber noch: Hier ist Thalearngsak Petchsuwan für die Luftqualität zuständig, bei Interviews stellt er sich deswegen gerne vor eine Stellwand mit blauem Himmel. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Wer aus dem Fenster seines Büros blickt, sieht Bangkoks Wolkenkratzer in einem grauen Dunst eingehüllt.

Bangkoks Smogwerte in Januar und Februar ließen Stuttgart wie einen Luftkurort aussehen. Die Skala des Projekts Air Quality Index (AQI) zeigt seit Wochen regelmäßig eine höhere Feinstaubbelastung von mehr als 150 an, teilweise sogar deutlich über 200. Selbst in Neu-Delhi und Peking war die Luft an vielen Tagen besser.

Doch während in Deutschland in Fahrverbote drohen, reagieren die thailändischen Behörden und Gerichte gelassen. Als eine Gegenmaßnahme schickten sie zwar Flugzeuge in den Himmel, die künstlich Regen erzeugen sollten. Doch das klappte aufgrund der Wetterbedingungen nicht wie gewünscht. Freundlich wurden die Bangkoker darum gebeten, das Auto mal stehen zu lassen. Auch das half nicht viel.

Für die Beamten kein Grund zur Panik: „Kinder können ruhig weiter draußen spielen“, sagt der Umweltamt-Beamte Thalearngsak. „Nur wer krank ist und generell Atemprobleme hat, sollte Anstrengungen meiden“. Und überhaupt: Dass die Luft dieses Jahr so schlecht ist, sei vor allem dem Wetter geschuldet. In ein paar Tagen würde sich die Luftqualität schon wieder bessern.

Vor allem Expats aus Europa und Amerika reagieren deutlich unentspannter. Ich selbst habe mir einen Luftfilter aus China bestellt, meine Freundin bestreitet ihren Arbeitsweg mittlerweile mit einer Atemschutzmaske. Während die öffentlichen Schulen kaum reagieren, haben Privatschulen Messgeräte installiert: Überschreitet die Belastung einen bestimmten Wert, dürfen die Kinder nicht mehr ins Freie.

In den vergangenen Tagen hat sich die Situation zwar etwas verbessert. Klar ist aber auch, dass das Problem wiederkehren dürfte. Die Stadt ist nahe am Verkehrsinfarkt: Rund zehn Millionen Autos sind in Bangkok unterwegs, die Straßen sind nur für 2,5 Millionen Fahrzeuge ausgelegt. Die Staus werden täglich länger, die Motorlaufzeiten auch.

Mit Gegenmaßnahmen lassen sich die Beamten Zeit. So erwägt die Stadtverwaltung mittlerweile, Autos mit geraden oder ungeraden Nummernschildern nur noch abwechselnd in die Stadt zu lassen. Das dürfte allerdings noch eine Weile dauern: Erst soll nämlich das geplante Stadtbahnnetz fertig gebaut sein – doch damit ist frühestens 2029 zu rechnen.

Ein Trostpflaster habe ich allerdings: Zwar ist die Feinstaubbelastung in Thailands Hauptstadt hoch. Aber mit Stickoxiden, deretwegen in Deutschland nun Fahrverbote drohen, gibt es in Bangkok in diesen Tagen laut der AQI-Website kaum Probleme.

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