Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Luftschutz für Chiang Mai: Warum ein Urlaubsort so schmutzig ist wie Peking

Die thailändische Stadt, nicht übermäßig groß, gehört zu den Orten der Welt mit der schlechtesten Luft. Jetzt sollen „Safe Zones“ Einwohner schützen.
Kommentieren
In der ansonsten wegen ihrer Natur und Kultur beliebten Provinz Chiang Mai ist die Luft so verschmutzt wie in Peking oder Delhi. Quelle: AFP
Dicke Luft

In der ansonsten wegen ihrer Natur und Kultur beliebten Provinz Chiang Mai ist die Luft so verschmutzt wie in Peking oder Delhi.

(Foto: AFP)

BangkokEs sieht aus wie kurz vor einer großen Party: Hunderte mit Stoff bedeckte Stühle stehen bereit, ein kleines Buffet bietet Getränke und ein paar Snacks. Doch was wie ein Festsaal wirkt, hat einen traurigen Hintergrund: Der große Saal unter Chiang Mais Ausstellungszentrum ist eigentlich eine Notunterkunft für hunderte Menschen. Über der Stadt schwebt zu dieser Jahreszeit eine giftige Dunstwolke. Auf die Bürger warten nicht nur Getränke und Häppchen – sondern auch gefilterte Luft.

Das eigentlich so gemütliche Chiang Mai muss sich in diesen Tagen mit deutlich ungewöhnlicheren Orten vergleichen lassen: den Mega-Metropolen Peking, Dhaka und Delhi. Auf der Liste der Städte mit der schlechtesten Luft war es in den vergangenen Wochen mehrmals unter den Top 10, zeitweise sogar Spitzenreiter.

Grund für die immense Verschmutzung sind zahlreiche Waldbrände, die rund um die Stadt zwischen Januar und April regelmäßig lodern. Die wenigsten Feuer haben einen natürlichen Ursprung. Viele Bauern wollen mit Brandrodungen Anbauflächen erweitern. Andere hoffen auch nach dem Abbrennen des Unterholzes auf ein schnelleres Wachstum von Pilzen. Gelegentlich werden auch noch Feuer zur Jagd gelegt.

Im März wurden teilweise Feinstaubwerte von 700 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen. Zum Vergleich: Als am berühmten Stuttgarter Neckartor vergangenen Monat die Feinstaubbelastung auf 36 Mikrogramm pro Kubikmeter stieg, war das der Stuttgarter Zeitung eine längere Meldung wert. Allgemein gilt ein Wert von über 50 Mikrogramm pro Kubikmeter als bedenklich.

Dabei gilt Chiang Mai eigentlich als besonders angenehmes Stadt. Allein im vergangenen Jahr kamen rund zehn Millionen Touristen. Sie bummeln durch die Altstadt, gucken sich ein paar der rund 300 Tempel an, üben Yoga oder lassen sich von einer der unzähligen Kochschulen in die thailändische Küche einführen. Die Stadt ist außerdem Ausgangspunkt für Treckingtouren durch das malerische Gebirge, das die Stadt umgibt. Doch genau dieses Gebirge wird in diesen Tagen zur gefährlichen Smog-Falle.

Der Dunst ist so dicht, dass selbst der Flughafen regelmäßig Verbindungen streicht. Witsanu Attavanich, Umweltökonom an der Katsesart Universität, forderte die Zentralregierung des Landes auf, den Notstand auszurufen. Abgesehen von der Einrichtung von Notfallzentren haben die lokalen Behörden aber noch keine weitergehenden Maßnahmen unternommen.

Aktivisten fordern vor allem, den Kampf gegen die Waldbrände und ihre Verursacher zu erhöhen. Militärmachthaber Prayuth Chan-ocha flog diese Woche mit dem Hubschrauber ein und versprach, noch härter gegen Brandstifter vorzugehen.

Das Problem ist bekannt und kehrt jedes Jahr wieder, doch es verschärft sich weiter. Laut einer lokalen Nichtregierungsorganisation hat sich die Anzahl der Waldbrände in den nördlichen Provinzen im vergangenen Jahr von rund 1500 auf 2800 fast verdoppelt. Zur Rechenschaft gezogen wurde dafür allerdings kaum jemand: Gerade einmal neun Brandstifter wurden von den Behörden bisher erwischt. Auch was die Schutzräume betrifft, müssen die Behörden noch nachbessern: Selbst dort sind bedenkliche Feinstaubwerte gemessen worden. Immerhin waren sie aber niedriger als draußen. 

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Weltgeschichte - Luftschutz für Chiang Mai: Warum ein Urlaubsort so schmutzig ist wie Peking

0 Kommentare zu "Weltgeschichte: Luftschutz für Chiang Mai: Warum ein Urlaubsort so schmutzig ist wie Peking"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote