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Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Militärbefehl an die Radiosender: In Thailands Wahlkampf ist Musik drin

Rapper attackieren Thailands Junta, der Diktator dichtet Balladen, und der Armeechef überlegt, das Land mit einem Propagandalied aus dem Kalten Krieg zu beschallen.
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Millionen Aufrufe innerhalb kürzester Zeit. Quelle: YouTube
„Rap against Dictatorship“

Millionen Aufrufe innerhalb kürzester Zeit.

(Foto: YouTube)

BangkokIn dieser Woche überraschte Thailands Armeechef mit einem ungewöhnlichen Befehl: Alle Radiostationen des Militärs sollten künftig täglich das Lied „Nak Phandin“ abspielen, ordnete Apirat Kongsompong an. Kurz darauf, wohl auch wegen heftiger Proteste, zog er den Befehl wieder zurück.

„Nak Phandin“ ist keine einfache Unterhaltungsmusik. Übersetzt heißt das Lied in etwa „Der Abschaum der Erde“. In den 70er-Jahren hatte es ein thailändischer General gedichtet, um seine Soldaten gegen Kommunisten anzustacheln. Heute dürften die Militärs mit „Abschaum“ dagegen die populistische Bewegung des Unternehmers Thaksin Shinawatra meinen.

Wenige Wochen vor den Parlamentswahlen in Thailand, den ersten seit rund acht Jahren, ist Musik ein beliebtes politisches Werkzeug im Wahlkampf. Bereits im Herbst lieferte sich die Militärregierung eine Art Rap-Battle mit einer oppositionellen Künstlergruppe. Militärmachthaber Prayuth Chan-ocha vertraut schon länger auf die Musik zur Meinungsmache. Seit dem Putsch im Mai 2014 veröffentlicht er regelmäßig eigene Lieder, die mal mehr und mal weniger gut ankommen.

Die Regierungsgegner sind jedenfalls populärer: Am erfolgreichsten ist das regierungskritische Rap-Ensemble „Rap against Dictatorship“ – zumindest, wenn man die Abrufzahlen auf Youtube als Maßstab nimmt. Ihr Video „Prateet Ku Mee“, was so viel heißt wie „Mein Land hat“, wurde innerhalb weniger Wochen bereits mehr als 55 Millionen Mal abgespielt.

In einer für thailändische Verhältnisse beispiellosen Direktheit greifen die Rapper die Militärregierung an und kritisieren die politischen Verhältnisse ihrer Heimat. „Mein Land sagt dir, sei ruhig oder geh in den Knast!“, heißt es da zum Beispiel. Oder auch: „Das Parlament ist ein Spielplatz von Soldaten“ und „Das Land, das dir eine Pistole an den Hals hält und wo du dich entscheiden musst, ob du die Wahrheit oder Kugeln schluckst“.

Das zugehörige Video ist noch drastischer: Eine Leiche hängt an einem Baum, ein Mann schlägt mit einem Stuhl auf sie ein. Das Bild ist eine Anspielung auf die Studentenproteste im Oktober 1976, die von Ultraroyalisten und dem Militär blutig niedergeschlagen wurden. Das Massaker mit Dutzenden Toten ist nie richtig aufgearbeitet worden.

Kurz nach der Veröffentlichung des Videos reagierte die Junta wie üblich: Sie drohte mit Strafverfahren gegen die Künstler. Dadurch wurde das Video aber nur noch populärer. Schließlich entschied sich die Regierung zum propagandistischen Gegenschlag.

Die Militärs engagierten Rapper und ließen sie das Lied „Thailand 4.0“ texten. Das Video zeigt Thailand als Utopie des Militärs: eine Art Singapur mit besserem Essen. Mit der Realität hat das allerdings wenig zu tun. Der Clip kommt bisher erst auf vier Millionen Aufrufe. Von rund 72.000 Bewertungen sind rund 67.000 negativ.

Gelegentlich greift aber auch Machthaber Prayuth Chan-ocha selbst zur Feder und dichtet ein paar Liedzeilen. 2014, kurz nachdem er sich an die Macht geputscht hatte, veröffentlichte er die Ballade „Bringt den Frohsinn zurück nach Thailand!“. Das Kunstwerk wurde schnell zum Hit. Seine musikalische Karriere war damit nicht beendet, im Laufe seiner Regierungszeit veröffentlichte er unter anderem auch den Popsong „Diamantenherz“.

An frühere Erfolge konnte er damit allerdings nicht mehr anknüpfen. Der Machthaber selbst gibt sich diesbezüglich ungewohnt bescheiden. „Meine Lieder sind vielleicht nicht schön, aber sie helfen mir, meine Gedanken auszudrücken und mit dem Volk zu kommunizieren“, sagte er einmal in einem Interview. „Die Thailänder lieben Poesie.“

Mehr: Südostasien-Korrespondent Mathias Peer hat hier die verzwickte Lage politische Lage Thailands beschrieben.

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