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Weltgeschichten unserer Korrespondenten
Gina Miller

„Ich als schwarze Frau hatte kein Recht, mich zu äußern.“

(Foto: AFP)

Weltgeschichte „Ich bin ein menschlicher Auslöser für Hass“ – Gina Miller ist die Galionsfigur der Anti-Brexit-Bewegung

Angefeindet, umstritten und verehrt – Gina Miller hat durchgesetzt, dass das Parlament über den Brexit-Deal abstimmt. Nun hat sie ein Buch geschrieben.
01.09.2018 - 15:20 Uhr Kommentieren

London „Rise“ heißt das Buch von Gina Miller. Der Titel ist eine Botschaft an ihre unzähligen Gegner – und ein ausgestreckter Mittelfinger an die Brexit-Fraktion. „Die Leute haben versucht, mich zu brechen, aber ich stehe immer wieder auf“, erklärt sie am Donnerstag in London, als sie ihr Werk den ausländischen Journalisten vorstellt.

Für viele Briten – und die rechte Boulevardpresse – ist Gina Miller ein rotes Tuch. Sie hat die britische Regierung vor den Supreme Court gezerrt und durchgesetzt, dass das Parlament das letzte Wort über den Brexit-Deal hat. Das wurde in einschlägigen Kreisen als Landesverrat gewertet. Seitdem wird sie gejagt. Die britische Presse habe sie zum Schweigen bringen wollen, sagt sie. „Ich als schwarze Frau hatte kein Recht, mich zu äußern.“

Als bekannt wurde, dass sie ein Buch schreiben wolle, wurde umgehend eine Onlinepetition für ein Verbot gestartet. 3000 Menschen unterschrieben. Nun, da das Buch erschienen ist, rufen Spinner auf Facebook zur Bücherverbrennung auf.

„Seien wir ehrlich: Es gibt viele Leute, die Frauen wie mich nicht ausstehen können“, schreibt Miller in ihrem Buch. Zu eloquent, zu politisch – und zu dunkelhäutig. Die Briefe, Mails und Kommentare, die sie bei Auftritten bekomme, seien unglaublich, sagt sie. „Ich bin ein menschlicher Auslöser für Hass.“ Ihre Eltern hätten sie als Kind aus Guyana nach Großbritannien geschickt, damit sie sicher sei, sagt die 53-Jährige. Stattdessen lebt sie nun mit ständigen Morddrohungen und muss um ihre drei Kinder fürchten.

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    Die Fondsmanagerin hat sich eine dicke Haut zugelegt. Sie setzt sich seit zwanzig Jahren für die unterschiedlichsten Anliegen ein. In der Fondsbranche hat sie sich mit der Forderung nach mehr Transparenz viele Feinde gemacht. Erst die Brexit-Debatte jedoch hat sie ins nationale Rampenlicht befördert. „Ich bin sehr gut darin, mir Feinde zu machen“, sagt sie trocken.

    Gegen den Brexit zu sein ist überparteilich

    Inzwischen wird sie schon als nächste Parteichefin der Liberaldemokraten oder einer noch zu gründenden Anti-Brexit-Partei gehandelt. Sie wird beim Parteitag der Liberaldemokraten auftreten, sagt aber, dass sie kein Interesse an einem Parteiamt habe. Das britische Parteiensystem sei so diskreditiert, dass man es von außen reformieren müsse. Sie verweist auf Umfragen, denen zufolge zwei Drittel der Briten angeben, kein politisches Zuhause zu haben.

    Die Anti-Brexit-Bewegung ist überparteilich, das kommt Miller entgegen. Doch als Anführerin taugt sie nicht, dafür ist sie zu eigensinnig. Sie ist eine Einzelkämpferin, die sich nur schlecht in eine Organisation einpasst. Auch mit ihren „Remain“-Mitstreitern hatte sie schon viele Diskussionen über die richtige Strategie.

    Auf ihren Reisen durch das Land spüre sie, dass die Stimmung sich gegen den Brexit wendet, sagt sie. „Die Leute sind besorgt über die menschlichen Kosten.“ Weder die Leaver noch die Remainer seien zufrieden damit, wie die Verhandlungen in Brüssel liefen. Das Unterhaus sei ein „Zombie-Parlament“, das vor lauter Brexit keine Zeit mehr für andere Gesetze habe. Im Land bilde sich gerade eine „große Wutwelle“, sagt sie. „Irgendwann ist der Druck so groß, dass der Deckel vom Topf fliegt.“

    Miller kämpft für ein zweites Referendum und glaubt, dass sich das auch vor dem Brexit-Tag noch umsetzen lässt. Es dürften aber nicht nur die beiden Optionen „Rein“ oder „Raus“ zur Abstimmung stehen, sagt sie. Stattdessen müssten drei Optionen auf dem Wahlzettel stehen: „Theresa Mays Deal“, „Kein Deal“ und „Verbleib in der EU“.

    Im Moment würde der Verbleib in der EU noch keine genügend große Mehrheit bekommen, sagt sie. Doch sie ist überzeugt, dass die Stimmung sich noch weiter dreht. Zwei Faktoren würden das Ergebnis beeinflussen: Die jungen Leute, die beim letzten Mal zu Hause geblieben seien, würden diesmal abstimmen. Und unter denen, die 2016 schon abgestimmt haben, gebe es netto mehr Leaver, die zu Remainern geworden sind, als umgekehrt.

    Dennoch bleibt ein zweites Referendum unwahrscheinlich. Beide großen Parteien schrecken davor zurück, weil erneut ein Patt droht, das die nationale Spaltung nur verschärfen würde. Damit will Miller sich nicht abfinden. Sie sagt, die Brexiteers täten nun alles, um den Brexit-Tag im März 2019 zu erreichen. Dann würden sie beginnen, ihre wahre Agenda umzusetzen. Unter anderem wollten sie die Geldwäschegesetze und die Lebensmittelstandards loswerden, sagt sie. Das will die Aktivistin verhindern. „Dies ist nicht das Land, in dem meine Kinder aufwachsen sollen“, sagt sie. „Ich werde nicht aufgeben.“

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