Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Weltgeschichten unserer Korrespondenten

Weltgeschichte Trump kommt wieder nach Großbritannien – und die Demonstranten warten schon

Im Vorjahr hat der US-Präsident London aus Angst vor Protesten gemieden, gegen das Protokoll verstoßen und May düpiert. Die Empörung über die neuerliche Einladung ist groß.
Kommentieren
Vielen Briten ist Trumps erster Besuch im vergangenen Sommer noch in schlechter Erinnerung. Der Gast aus den USA machte Schlagzeilen, als er beim Abschreiten der Ehrengarde gegen das Protokoll verstieß und vor der Queen ins Bild lief. Quelle: AFP
Trump und die Queen

Vielen Briten ist Trumps erster Besuch im vergangenen Sommer noch in schlechter Erinnerung. Der Gast aus den USA machte Schlagzeilen, als er beim Abschreiten der Ehrengarde gegen das Protokoll verstieß und vor der Queen ins Bild lief.

(Foto: AFP)

LondonDonald Trump und Großbritannien – das war von Anfang an eine schwierige Beziehung. Als bekennender Brexit-Fan hatte der US-Präsident gleich die Hälfte des Landes gegen sich. Dazu kommen seine verstörenden Einlassungen zu Klimawandel, Mauerbau, Handelskrieg und vielen anderen Themen.

Kein Wunder also, dass die Ankündigung seines Staatsbesuchs diese Woche im Königreich mehr Empörung als Freude ausgelöst hat. Vom 3. bis 5. Juni wird der US-Präsident mit allen Ehren empfangen. Die Queen richtet ein Staatsbankett aus, Premierministerin Theresa May empfängt ihn in der Downing Street, und dann steht auch noch eine D-Day-Feier in der Hafenstadt Portsmouth auf dem Programm.

Die Labour-Opposition im Unterhaus sprach von einer „gigantischen Verschwendung an Steuergeldern“. Labour-Chef Jeremy Corbyn und der liberaldemokratische Parteivorsitzende Vince Cable kündigten an, das Abendessen mit Trump zu boykottieren. Auch der Speaker des Unterhauses, John Bercow, will dem Bankett fernbleiben.

Die linksliberale Tageszeitung „The Guardian“ kommentierte, der US-Präsident sei kein Freund Großbritanniens. „Trump sollte auf Distanz gehalten werden, nicht zum Dinner mit der Queen eingeladen werden“, hieß es im Leitartikel. Er benutze die Weltbühne nur, um seinen „verlogenen Nationalismus“ zu predigen.

Außenminister Jeremy Hunt mahnte hingegen, dem US-Präsidenten das „bestmögliche Willkommen“ zu geben. Beim Staatsbesuch gehe es schließlich nicht um Trumps Politik, sondern um die Beziehung zwischen Großbritannien und den USA. Mit diesem Argument verteidigt jede Regierung ihre unpopulären Gäste. Die Downing Street will sich Trump zudem warmhalten, weil sie auf ein bilaterales Handelsabkommen nach dem Brexit hofft.

Doch die Empörung über die Einladung ist groß. Die Regierung mache sich falsche Hoffnungen auf ein Handelsabkommen, sagte die außenpolitische Sprecherin der Labour-Fraktion, Emily Thornberry. Die Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, habe gerade erst betont, dass der US-Kongress kein Handelsabkommen mit Großbritannien absegnen werde, solange es keine Lösung für die irische Grenze gebe.

Das Staatsbankett für den US-Präsidenten sei daher Zeitverschwendung, meint Thornberry. Sie schlug vor, den Klimawandelleugner Trump beim Essen zwischen die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg und den britischen Naturfilmer David Attenborough zu setzen. „Dann hätten sich die drei Stunden gelohnt.“

Auch der Stadtrat von Portsmouth ist unglücklich über den prominenten Gast. Trumps isolationistische Politik zeige, dass er die Lektionen des Zweiten Weltkriegs nicht gelernt habe, sagte der liberaldemokratische Stadtratsvorsitzende Gerald Vernon-Jones.

Trumps Anwesenheit werde die D-Day-Feier grundlegend verändern. „Wir wollten, dass die Veteranen im Mittelpunkt stehen.“ Sie träfen wohl zum letzten Mal mit der Queen zusammen. „Mit Donald Trump wird es wahrscheinlich ein Tag der Kontroversen. Es wird Proteste geben, und das wollen wir nicht.“

In London bereiten sich Aktivisten bereits auf eine neue Massendemo unter dem Motto „Together against Trump“ vor. Auch das „Trump-Baby“ soll wieder fliegen: Der sechs Meter hohe Ballon in Form eines Babys in Windeln und mit Trumps Gesicht war im vergangenen Jahr zum ersten Mal zum Einsatz gekommen.

Man wolle eine klare Botschaft senden, dass Trump nicht willkommen sei, sagte Sabby Dhalu, eine der Organisatorinnen. Der US-Präsident sei der „größte Rassist, Kriegstreiber und Frauenfeind der Welt“.

Vielen Briten ist Trumps erster Besuch im vergangenen Sommer noch in schlechter Erinnerung. Aus Angst vor Protesten hatte der US-Präsident damals einen großen Bogen um London gemacht. Er kam nur zum Schlafen in der Residenz des US-Botschafters in die Hauptstadt. Den Rest der Zeit verbrachte er außerhalb - auf Schloss Windsor, auf dem Landsitz Chequers der Premierministerin und in seinem Golf-Resort in Schottland.

Die mehrtägige Visite war nur als Arbeitsbesuch klassifiziert. Es gab daher kein Staatsbankett, Trump und seine Frau Melania trafen die Queen nur eine Stunde zum Tee. Der Gast aus den USA machte Schlagzeilen, als er beim Abschreiten der Ehrengarde gegen das Protokoll verstieß und vor der Queen ins Bild lief.

Obendrein düpierte er Premierministerin May mit einem Interview in der „Sun“. May habe den Brexit verbockt, weil sie nicht auf ihn gehört habe, gab Trump zu Protokoll – wenige Stunden, bevor er sie in Chequers traf. Er ließ dann auch noch fallen, dass Mays Erzrivale Boris Johnson einen hervorragenden Premierminister abgeben würde.

Solche Provokationen werden auch dieses Mal erwartet. Die Parlamentsführung hat daher noch nicht entschieden, ob Trump auch im Parlament reden darf. Die Ehre war Trumps Vorgänger Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel zuteil geworden.

Bei Trump jedoch regt sich Widerstand. 2017 hatte Speaker Bercow eine Einladung mit dem Hinweis ausgeschlossen, dass die Ablehnung von Sexismus und Rassismus dem Unterhaus sehr wichtig sei. Nun heißt es, eine Einladung werde „auf dem üblichen Weg“ geprüft.

Brexit 2019
Startseite

Mehr zu: Weltgeschichte - Trump kommt wieder nach Großbritannien – und die Demonstranten warten schon

0 Kommentare zu "Weltgeschichte: Trump kommt wieder nach Großbritannien – und die Demonstranten warten schon"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.