Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Weltgesundheitsorganisation „Zugang für alle“: Impfstoff-Programm der WHO fehlen 28 Milliarden Dollar

Der „Act Accelerator“ der WHO soll Material und Vakzine gegen das Coronavirus bereitstellen. Doch das Projekt ist nicht mal zur Hälfte finanziert.
07.12.2020 - 16:58 Uhr Kommentieren
Politiker sind sich einig, dass der Impfstoff global zugänglich sein muss. Quelle: dpa
Impfstoff

Politiker sind sich einig, dass der Impfstoff global zugänglich sein muss.

(Foto: dpa)

Genf Ausnahmsweise waren sich die Staats- und Regierungschefs einig. Auf der Sondersitzung der Vereinten Nationen zu Covid-19 stimmten so gut wie alle Politiker in den Chor ein: Jeder Erdenbewohner müsse gegen die schwere Krankheit immunisiert werden können, egal in welchem Land er lebe. Bundeskanzlerin Angela Merkel formulierte es so: Es dürfe nie vergessen werden, dass die Pandemie „nur dann überwunden werden kann, wenn alle Menschen weltweit einen fairen Zugang zu wirksamen Impfstoffen erhalten“.

Doch ob und wie das große Ziel einer universellen Impfung erreicht werden kann, blieb auch nach dem Ende der UN-Sondersitzung am vergangenen Freitag fraglich. Denn es klafft ein riesiges Finanzloch von mehreren Milliarden US-Dollar in dem Programm der Weltgesundheitsorganisation, das den „Zugang für alle“ zu einem Impfstoff organisieren soll. Trotz wiederholter Appelle von UN-Generalsekretär António Guterres und WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus knausern die Regierungen beharrlich.

Konkret geht es um das WHO-Projekt mit dem gekünstelt wirkenden Namen Act Accelerator. Das Programm verfolgt das Ziel, weltweit die schnellstmögliche Bereitstellung von medizinischen Diagnoseinstrumenten, Medikamenten und eben Impfstoffen gegen Covid-19 sicherzustellen.

Besonders in Entwicklungsländern sollen die Menschen gleichberechtigt mit Heilmitteln und Vakzinen versorgt werden. „Dieses Programm, der Act Accelerator, ist eine wirklich gute Sache“, sagte der WHO-Sondergesandte für Covid-19, David Nabarro, in einem Interview mit dem Handelsblatt.

Inzwischen haben sich fast alle Länder in den im April gegründeten Act Accelerator eingeklinkt. In dem Programm wirken Experten führender Gesundheitsinstitutionen zusammen: Sie kommen von der Impfstoffallianz Gavi, dem Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria sowie Find, einer Organisation für die Bereitstellung von Diagnoseinstrumenten in armen Ländern. Auch die Weltbank und die milliardenschwere Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung sitzen mit am Tisch.

Finanzierung für die nächsten Wochen unklar

Sie wollen sicherstellen, dass bis Ende 2021 große Vorgaben erreicht werden: Die Therapieabteilung des Act Accelerators soll ein Medikament gegen Covid-19 entwickeln, produzieren und verteilen. Die Menge: 245 Millionen Behandlungseinheiten. Die Impfabteilung Covax hat einen noch ehrgeizigeren Plan umzusetzen: Covax soll zwei Milliarden Impfdosen bereitstellen und verteilen.

Insgesamt veranschlagt die WHO ein Budget von 38 Milliarden US-Dollar für den „Beschleuniger“. Doch Anfang Dezember fehlten rund 28 Milliarden Dollar. Davon werden mehr als vier Milliarden Dollar dringend gebraucht, um die Finanzierung für die nächsten Wochen sicherzustellen.

Falls das Geld nicht fließt, so heißt es düster aus der WHO, werden Menschen in etlichen armen Staaten keinen oder nur einen sehr verzögerten „Zugang“ zu Impfstoffen, Diagnostika und Medikamenten haben. Die Folgen wären eine „langwierige Pandemie“ mit „ernsthaften ökonomischen Konsequenzen“ für die Weltwirtschaft.

„Das Geld ist wie so oft bei der WHO ein Problem“, erläutert der WHO-Sondergesandte Nabarro. „Deutschland, Frankreich und Großbritannien haben sehr viel Geld beigesteuert. Andere Regierungen nicht in demselben Maß.“ Nach einer WHO-Aufstellung vom 3. Dezember beläuft sich die Summe aus London für den Act Accelerator auf mehr als eine Milliarde US-Dollar, Berlin engagiere sich immerhin mit 618 Millionen US-Dollar.

Das WHO-Programm leidet vor allem unter dem Abseitsstehen eines Mitgliedslandes: der USA. Die US-Amerikaner zahlten jahrelang die höchsten Beträge von allen 194 Mitgliedsländern in die WHO-Kassen ein. Doch der amtierende US-Präsident Donald Trump ordnete den Austritt seines Landes aus der WHO an. Konsequenterweise will die Trump-Regierung auch nichts von dem Act Accelerator wissen.

Zwar plant Trumps designierter Nachfolger, Joe Biden, den Austrittsprozess der USA aus der WHO zu stoppen. Doch ob und wie viel Geld die USA unter Biden dem „Beschleuniger“ geben werden, muss sich noch zeigen.

Mehr: Sollte in Europa und den USA zuerst geimpft werden, weil das Virus dort besonders starke Auswirkungen hat? Oder kann nur eine faire Verteilung die Pandemie besiegen?

Startseite
Mehr zu: Weltgesundheitsorganisation - „Zugang für alle“: Impfstoff-Programm der WHO fehlen 28 Milliarden Dollar
0 Kommentare zu "Weltgesundheitsorganisation: „Zugang für alle“: Impfstoff-Programm der WHO fehlen 28 Milliarden Dollar"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%