Weltklimakonferenz Klimaschützer protestieren in Bonn gegen Trump und Merkel

Als einziges UN-Land stellen sich die USA gegen das Klimaabkommen. Prominente Aktivisten kritisieren Präsident Trump dafür bei der Weltklimakonferenz. Deutsche Demonstranten protestieren derweil gegen Kanzlerin Merkel.
Update: 11.11.2017 - 16:07 Uhr Kommentieren
New Yorks Ex-Bürgermeister sprach am Samstag in einem „Aktionszentrum“, das amerikanische Klimaschützer in den Bonner Rheinwiesen errichtet haben. Quelle: Reuters
Michael Bloomberg

New Yorks Ex-Bürgermeister sprach am Samstag in einem „Aktionszentrum“, das amerikanische Klimaschützer in den Bonner Rheinwiesen errichtet haben.

(Foto: Reuters)

Bonn US-Klimaschützer haben am Samstag am Rande der Weltklimakonferenz in Bonn die Politik von Präsident Donald Trump scharf verurteilt. „Die Vereinigten Staaten sind noch immer Teil des Pariser Abkommens“, sagte der frühere US-Vizepräsident Al Gore. Die USA könnten das Abkommen erst am 4. November 2020 verlassen, einen Tag nach der nächsten Präsidentschaftswahl. „Das ist eine gute Nachricht.“ In der Zeit bis dahin würden viele amerikanische Bundesstaaten, Städte und Konzerne alles tun, um zur Umsetzung des Abkommens beizutragen. Der Zug, der den Bahnhof von Paris verlassen habe, könne auch von Trump nicht mehr gestoppt werden.

Der ehemalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg sagte, die US-Bevölkerung fühle sich den Zielen von Paris weiter verpflichtet, „und es gibt nichts, was Washington tun kann, um uns daran zu hindern“. Bloomberg sprach am Samstag in einem „Aktionszentrum“, das amerikanische Klimaschützer in den Bonner Rheinwiesen errichtet haben. Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown betonte, die USA hätten ein föderales System: „Bundesstaaten haben wirkliche Macht.“ Sie könnten die Politik von Trump unterlaufen. UN-Klimachefin Patricia Espinosa lobte die Reden als „inspirierend“.

Auch Kanzlerin Angela Merkel sprach sich in einem Internetvideo für eine wirtschaftsverträgliche Klimapolitik aus. Es müssten Regeln gefunden werden, „dass einerseits die Arbeitsplätze erhalten werden können und trotzdem unsere Wirtschaft Vorbildcharakter entwickelt für die Entwicklung der Weltwirtschaft“, sagte Merkel in einer am Samstag im Internet veröffentlichten Videobotschaft angesichts der Weltklimakonferenz.

„Sei es durch Ordnungsrecht, sei es durch freiwillige Maßnahmen, sei es durch Anreize materieller Art“. Sie fügte hinzu: „Wenn Stahlwerke, Aluminiumwerke, Kupferhütten, wenn die alle unser Land verlassen und irgendwohin gehen, wo die Umweltvorschriften nicht so gut sind, dann haben wir für das Klima auf der Welt auch nichts gewonnen.“

Das Ringen um die richtige Balance zwischen dem Schutz des Klimas und dem der Wirtschaft spielt auch eine mitentscheidende Rolle bei den Sondierungsgesprächen für eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, FDP und Grünen.

Das bei der Klimakonferenz 2015 vereinbarte Ziel, den Anstieg der Temperatur auf unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, „wird mit dem jetzigen Zustand nicht erreicht“, sagte die Kanzlerin.

Wenn der Pazifik nach Bonn kommt
Fidschi muss Dörfer ins Landesinnere verlegen
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Am 6. November beginnt in Bonn die UNO-Klimakonferenz. Gastgeber ist der pazifische Inselstaat Fidschi. Weil das Land keine 25.000 Delegierten, Mitglieder von Nichtregierungsorganisationen und Journalisten beherbergen kann, wird die Konferenz in der Stadt abgehalten, in der das UN-Klimasekretariat UNFCCC sitzt: Bonn. Trotzdem werden die Vertreter der pazifischen Inselnationen eine wesentliche Rolle spielen in den Verhandlungen. Tiefliegende Länder wie Kiribati haben langfristig kaum eine Chance, die Folgen des Klimawandels zu überstehen: Der steigende Meeresspiegel dürfte das Leben auf den Inseln und Atollen verunmöglichen.

Erderwärmung
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In Bonn soll die technische Realisierung des 2015 in Paris vereinbarten Klimaschutzabkommens begonnen werden. Es geht darum, vor der UN-Klimakonferenz Ende 2018 im polnischen Kattowitz ein sogenanntes Regelbuch für die Umsetzung auszuhandeln. Ziel ist, die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Emissionen
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Dass dies gelingen wird, ist laut Experten wenig wahrscheinlich. Viele Klimatologen glauben, dass sich die Erde um etwa drei Grad erwärmen wird, selbst wenn alle Nationen ihre bisherigen Zusagen zur Reduktion von Klimaemissionen einhalten würden. 197 Staaten haben das Klimaabkommen unterzeichnet, rund 170 haben es ratifiziert.

Spielende auf überflutetem Platz in Tuvalu
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Die Inselnationen werden die Industrieländer nicht nur auf eine striktere Einhaltung der Klimaziele verpflichten wollen, sondern zur Hilfe bei der Bewältigung von Klimaschäden. Dass der amerikanische Präsident Donald Trump den Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen bekannt gegeben hatte, dürfte in Bonn zu Spannungen führen. Offen ist, ob die klimaskeptische US-Administration den Verhandlungsprozess nur beobachten wird, oder versuchen, ihn aktiv zu blockieren.

Schwere Dürren in Afrika
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Prominente Vertreter der Inselstaaten fordern seit Langem, Industrienationen müssten das Verbrennen fossiler Energieträger – allem voran Kohle - drastisch einschränken. Gerade der pazifische Nachbar Australien –  wie die USA ein weltführender CO2-Emittent - dürfte in Bonn aber effektiven Maßnahmen zur Reduktion des Verbrauchs und Exports des Klimakillers ausweichen, um seine Rohstoffindustrie zu schützen.

Grönland-Gletscher schmelzen im warmen Meerwasser
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Dabei warnt eine eben veröffentlichte Studie der Universität Melbourne vor einem Anstieg der Meere um 1,32 Meter bis zum Ende dieses Jahrhunderts. Das ist deutlich mehr als die 85 Zentimeter, die der jüngste Weltklimabericht für den Fall eines ungebremsten CO2-Ausstosses prognostiziert.

Die Pole - Schlüsselregionen für das Weltklima
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Gelinge es der Weltgemeinschaft jedoch, die Erderwärmung auf unter 1,9 Grad zu beschränken, könne das sonst ungebremste Abtauen der Antarktis möglicherweise verhindert werden, so die Forscher. Dann würde auch der Meeresspiegelanstieg nicht so hoch ausfallen.

„Selbst wenn es in Deutschland keinerlei CO2-Emissionen mehr gebe, würde der Temperaturanstieg weltweit noch über zwei Grad liegen.“ Die Verantwortung dafür, „dass sich die Dinge ändern“ liege vor allem bei den hoch entwickelten Industrieländern. Sie hätten die Aufgabe, „technische Innovationen zu finden und Umwelttechnologien nach vorne zu bringen“.

„Wir müssen die Elektromobilität und alternative Antriebe mit Macht voranbringen“, erklärte Merkel. Spielraum sieht sie auch beim Thema Gebäudedämmung. Das sei ein „schlafender Riese“. „Hier werden wir wieder dafür werben, dass wir endlich auch steuerliche Anreize haben“, sagte Merkel.

Gegen eben diese Haltung demonstrierten am Samstag in Bonn etwa 2.000 Menschen. „Frau Merkel verschläft den Klimaschutz“, war auf Transparenten zu lesen. Die Klimakonferenz mit 25.000 Teilnehmern aus fast 200 Ländern komme nicht recht voran, kritisierte eine Attac-Rednerin auf einer Kundgebung. „Was die da machen - das braucht unbedingt den Druck der Straße.“

  • dpa
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