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Weltwirtschaftsforum China windet sich bei Klimazielen

Wer gehofft hatte, China würde das Weltwirtschaftsforum im ostchinesischen Dalian nutzen, um den Weg für einen Kompromiss bei der Klimakonferenz in Kopenhagen zu ebnen, wurde enttäuscht. Stattdessen mahnte Chinas Premier Wen Jiabao erneut bei den Indsutrieländern die Sünden der Vergangenheit an.
  • Andreas Hoffbauer
Chinas Premier Wen Jiabao:

Chinas Premier Wen Jiabao: "China nimmt das Thema Klima sehr ernst."

(Foto: ap)

HB DALIAN. China hat die "historische Verantwortung" der Industrieländer beim Klimawandel angemahnt. Jedes Land müsse für seinen Emissionsausstoß die Verantwortung übernehmen, sagte Premierminister Wen Jiabao bei der Eröffnung des diesjährigen Weltwirtschaftsforums im ostchinesischen Dalian. "China nimmt das Thema sehr ernst", erklärte der Regierungschef aus Peking und forderte zugleich eine stärkere internationale Kooperation beim Kampf gegen die Erderwärmung.

Ob die Volksrepublik, weltweit größter Kohlendioxidproduzent, im Dezember bereit sein wird, bindende Emissionsgrenzen anzuerkennen, ließ Wen Jiabao bei seiner Rede vor rund 1300 Teilnehmern aus Wirtschaft und Politik erneut offen. China hatte im August erstmals eigene Klimaziele angedeutet. Mit einer entschiedenen Umweltpolitik könne der Anstieg der Emissionen ab 2020 zumindest gebremst werden, lautete das Fazit einer Expertengruppe der chinesischen Regierung. Der Ausstoß von Kohlendioxid könnte so bis 2050 wieder auf den Stand von 2005 verringert werden.

Die Studie fand im Vorfeld zur Klimakonferenz von Kopenhagen international großes Interesse. Dort soll im Dezember ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll mit bindenden Zielen für die Verringerung der Treibhausgase beschlossen werden. Ohne konkrete Zusagen der größten Klimasünder China und USA sowie auch Indiens könnte die Erderwärmung nicht wirksam bekämpft werden, mahnen Experten. Der chinesische Regierungschef ging in Dalian jedoch nicht darauf ein, ob Peking dazu bereit ist.

Unter den Managern aus aller Welt, die zum dem zweitägigen Davos-Ableger nach China gereist sind, wurde die Umweltpolitik der Pekinger Regierung durchweg gelobt. China biete ein großes Potenzial für "grüne" Technologien, hieß es in den Diskussionsrunden. Auch die Chancen für Kopenhagen wurden positiv bewertet. Ein Scheitern der Klimakonferenz wäre "völlig unakzeptabel", sagte etwa Ben Verwaayen, Chef des Telekomausrüsters Alcatel-Lucent. Grüne Politik sei der beste Weg aus der Krise, nicht nur für China.

China ist nach Ansicht des Hongkonger Marktforschungsinstituts CLSA jedoch weit mehr unter Druck, die Emissionen zu senken als etwa Indien. Am weltweiten Anstieg des Kohlendioxidausstoßes bis zu Jahr 2020 sei China mit 63 Prozent beteiligt, Indien dagegen nur mit 10 Prozent, rechnen die Experten vor. "China muss wesentliche Schritte unternehmen, um seine Kohle-Abhängigkeit zu reduzieren", so CLSA-Analyst Charles Yonts. Das sei bislang trotz der verstärkten Nutzung alternativer Energien aber nicht der Fall.

Premier Wen Jiabao widersprach dagegen der Sorge, China fördere mit seinem massiven Konjunkturprogramm kurzfristige und oft umweltschädliche Großprojekte. Nur 22,9 Prozent des Konjunkturprogramms seien bislang für Infrastrukturprojekte ausgegeben worden, der Rest sei in Maßnahmen zur Ankurbelung des Konsums und für die Verbesserung des Umweltschutzes geflossen.

Die chinesische Regierung hatte im November ein Konjunkturpaket im Volumen von umgerechnet mehr als 400 Mrd. Euro beschlossen. China strebt damit in diesem Jahr ein Wachstum von mindestens acht Prozent an. "Aus heutiger Sicht kann das Ziel erreicht werden", so Wen Jiabao in Dalian. Zuletzt hat die chinesische Wirtschaft deutlich an Fahrt gewonnen. Am Freitag wird Peking die Wachstumszahlen für August vorlegen.

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