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Weltwirtschaftsforum In Davos kippt der Zukunftsoptimismus in Technologieangst

Erstmals gilt die Technologiebranche auf dem World Economic Forum nicht als strahlender Hoffnungsträger. Sie muss sich für Skandale rechtfertigen.
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Schwindendes Vertrauen wird zur Gefahr für die Märkte. Quelle: Reuters
Teilnehmer des WEF in Davos

Schwindendes Vertrauen wird zur Gefahr für die Märkte.

(Foto: Reuters)

DavosDas „Buzzword“ der Technologiemanager in Davos ist nicht „Innovation“ und auch nicht „Künstliche Intelligenz“. „Vertrauen ist im Moment das wichtigste Thema der Branche“, sagte Eileen Donahoe beim World Economic Forum (WEF) in Davos. Die Direktorin der amerikanischen Denkfabrik Global Digital Policy Incubator sieht einen „dramatischen Umschwung der öffentlichen Meinung vom Optimismus zum Pessimismus“.

Nach einem Jahr voller Skandale – von Datenmissbrauch über Cyberattacken bis hin zu Fake News – finden sich die Hightech-Ikonen in einer ungewohnten Situation wieder: Erstmals seit Beginn der digitalen Revolution sehen sie sich vor allem in Europa, aber auch in den USA wachsendem Misstrauen gegenüber. Nach einer Umfrage des WEF hat zwar erstmals mehr als die Hälfte der Menschheit Zugang zum Internet. Aber nur eine Minderheit glaubt, dass die neuen Technologien ihr Leben verbessern werden.

Für Visa-Chef Alfred Kelly ist das ein alarmierendes Ergebnis – „haben doch neue Technologien wesentlich dazu beigetragen, dass es vielen Menschen heute besser geht“, betont der Amerikaner. Auch Kelly bestreitet nicht, dass es heutzutage ein „Vertrauensdefizit“ in der Technologiebranche gibt. Vor allem die Manager selbst müssten das Vertrauen ihrer Kunden zurückgewinnen.

Doch damit ist es womöglich nicht getan. „Die Technologieführer sind nicht nur ihren Kunden gegenüber verantwortlich, sondern darüber hinaus auch der Gesellschaft insgesamt“, sagte US-Wissenschaftlerin Donahoe. Nicht nur das Vertrauen in die Hightech-Unternehmen habe abgenommen, immer weniger Bürger hätten auch den Eindruck, dass ihre Regierungen die technologischen Risiken noch in den Griff bekommen würden. Microsoft-Chef Satya Nadella sprach von „unbeabsichtigten Nebenwirkungen“ der digitalen Revolution, die jetzt sichtbar würden.

Worum es dabei konkret geht, machte Raghuram Rajan, ehemals Präsident der indischen Zentralbank und heute Wirtschaftsprofessor an der Universität in Chicago, deutlich. Er bezeichnete die Dominanz der großen Tech-Firmen als eines der größten wirtschaftlichen Probleme weltweit. „Wenn wir nur noch Superstar-Firmen haben, die Superstar-Mitarbeiter beschäftigen, wird der große Rest nur noch verlieren.“

Er warf den US-Technologiekonzernen vor, sie hätten auch deshalb das Vertrauen vieler Menschen verloren, weil sie zu groß seien, um noch vernünftig kontrolliert zu werden. „Sind diese Unternehmen zu groß, um noch vom politischen System beaufsichtigt werden zu können? Es gibt Sorgen darüber, ob sie genug Steuern bezahlen, wie stark sie die Regierungen beeinflussen und ob es Hinterzimmerdeals mit der Politik gibt“, listete Rajan die drängendsten Gefahren der Tech-Branche auf.

Eine Attacke, die Ruth Porat nicht auf sich sitzen lassen wollte. Die Finanzchefin der Google-Holding Alphabet hob das gesellschaftliche Engagement der Tech-Firma aus den USA hervor und zeigte sich offen dafür, beim Schutz der Privatsphäre stärker reguliert zu werden. „Wir unterstützen die Datenschutzregeln der EU, und wir sind dafür, dass auch in den USA Gesetze zum Schutz der Privatsphäre erlassen werden. Wenn die Menschen das Gefühl haben, ihre Daten seien nicht sakrosankt, dann ist es wichtig, dass wir ein neues Vertrauensniveau herstellen.“ Ähnlich sieht das Keith Bock, Co-Vorstandschef der amerikanischen Softwareschmiede Salesforce: „Die Europäer haben einen richtigen Schritt gemacht.“

Es sind aber nicht nur der mangelnde Schutz der Privatsphäre und die digitale Spaltung der Gesellschaft, die in Davos kritisch gesehen werden. „Verschärft wird das soziale Problem noch dadurch, dass der Übergang von der industriellen in die digitale Wirtschaft für viele Arbeitnehmer äußerst schmerzhaft sein wird“, betonte Donahoe. Viele Menschen würden ihren Arbeitsplatz verlieren, prophezeite sie.

Gute Ausbildung keine Garantie mehr

Nadella sprach von einer Abkopplung des technischen und wirtschaftlichen Fortschritts von Jobs und Löhnen und forderte: „Wir müssen dafür sorgen, dass die Früchte der nächsten Phase der Globalisierung gleichmäßiger verteilt werden.“ In der Pflicht seien dabei in erster Linie die Unternehmen selbst: So könnten sie zum Beispiel Sozialleistungen auch für Teilzeitbeschäftigte anbieten oder ihren Mitarbeitern in teuren Städten wie Seattle helfen, bezahlbaren Wohnraum zu finden.

„Die Erfolgsformel für die digitale Ära sieht ganz anders aus als im Industriezeitalter“, betonte Jacques Bughin, Direktor der Unternehmensberatung McKinsey & Co. aus Brüssel. Eine gute Schul- und Universitätsausbildung sei keine Garantie mehr für ein sorgenfreies Leben. „Der technische Fortschritt erzwingt heute viel früher eine Weiterbildung oder Umschulung“, sagte der Belgier. Das hätten viele Technologieunternehmen bereits erkannt und böten ihren Mitarbeitern deshalb Weiterbildungsmaßnahmen an, um mit dem technologischen Wandel Schritt halten zu können.

Für Nokia-Chef Rajeev Suri sind die neuen Technologien selbst das beste Mittel, um den digitalen Riss in der Gesellschaft zu kitten. In wenigen Jahren werde niemand mehr von den digitalen Technologien ausgeschlossen und dadurch abgehängt sein, sagte er voraus. Suri rechnet fest damit, dass sich die Produktivität quer durch alle Branchen mit dem verstärkten Einsatz der neuen Technologien massiv erhöhen wird. „Heute haben wir im digitalen Sektor Produktivitätssteigerungen von 2,7 Prozent, im physischen Teil sind es nur 0,7 Prozent“, sagte der Nokia-Manager.

Einen entscheidenden Schub für diesen Produktivitätssprung erwarten die Unternehmensführer von der Einführung der fünften Generation der mobilen Datenübertragung (5G). „2019 wird zu einem wichtigen Jahr, da die 5G-Technologie jetzt einsatzfähig ist“, prophezeite Ken Hu, stellvertretender Chairman des chinesischen Anbieters Huawei Technologies. Ab Mitte des Jahres werde es auch 5G-Handys geben, versprach er. Huawei ist im Visier westlicher Regierungen, die das chinesische Unternehmen wegen Sicherheitsbedenken vom Ausbau der neuen Infrastruktur ausschließen wollen. Hu nahm zu den Vorwürfen, die vor allem aus den USA kommen, nur indirekt Stellung und betonte: „Nationale Regierungen müssen begreifen, wie wichtig ein globaler Wettbewerb für den technischen Fortschritt ist.“

Die in Davos ebenfalls in großer Zahl anwesenden Großinvestoren blicken eher von einer wirtschaftlichen Perspektive auf das Technologiethema. Einige sorgen sich insbesondere darüber, dass die europäischen Unternehmen bei der digitalen Revolution nicht mehr Schritt halten. „Wenn ich an Europa denke, betrachte ich den Kontinent nicht als einen führenden Technologiestandort“, sagte ein Topmanager eines großen US-Investors. „Ich denke eher an die USA, an China und Japan. Das ist ein großes Problem für Europa.“

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