Weltwirtschaftsforum Kapitalismus in der Existenzkrise

Die Finanzkrise bedroht die Grundfesten der Marktwirtschaft. Seit Jahren diskutiert das Weltwirtschaftsforum eine neue, bessere Ordnung. Doch die Zeit für akademische Debatten läuft ab, konkrete Antworten sind gefragt.
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Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums passieren einen Spiegel mit aufgedrucktem Schriftzug. Quelle: dapd

Teilnehmer des Weltwirtschaftsforums passieren einen Spiegel mit aufgedrucktem Schriftzug.

(Foto: dapd)

So viel Unordnung war selten. Ein Blick auf die Themen der letzten Elite-Gipfel in Davos zeigt, wie rat- und orientierungslos wir immer noch nach einer neuen Ordnung für die Welt suchen. Direkt nach der Finanzkrise im Januar 2009 versuchten Manager, Wissenschaftler und Politiker auf dem Zauberberg in den Alpen, die Umrisse einer neuen Weltordnung nach dem Schock des Vorjahres aufzuzeigen. Der Erfolg war bescheiden.

Ein Jahr später sollte die bisherige Ordnung „überdacht, überarbeitet und neu aufgebaut“ werden. Die Weltwirtschaft kam jedoch wieder in Tritt, so dass die Renovierung erneut verschoben wurde. Stattdessen suchten die Vordenker auf dem Weltwirtschaftsforum (WEF) 2011 nach „gemeinsamen Werten für die neue Realität“.

Wenn jedoch im vergangenen Jahr etwas ins Wanken geraten ist, dann sind es unsere Werte – insbesondere die des Westens. Ob Demokratie, Solidarität zwischen Arm und Reich, die Marktwirtschaft oder gleich der ganze Kapitalismus – es gibt fast nichts, was derzeit nicht infrage gestellt wird.

Tag 1 Davos: Alle Augen auf Merkel

„Die große Transformation“ ist das große Thema in diesem Jahr beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Aber auch das beschreibt nur die ungelöste Aufgabe, diese Transformation zu bewältigen. Wir wissen zwar, woher wir kommen. Aber kaum jemand weiß, wohin wir gehen wollen. Die Richtung vorgeben, selbst voranschreiten – das erwartet die Welt gerade von der Führungselite, die sich alljährlich in Davos versammelt. Doch die ringt seit vier Jahren immer noch mit der gleichen Frage: Wie bekommen wir eine aus den Fugen geratene Welt wieder in den Griff?

Die Eröffnungsrede am frühen Abend wird Bundeskanzlerin Angela Merkel halten. Die versammelte Elite aus Politik, Unternehmen und Finanzwelt wird ihr aufmerksam zuhören - denn Deutschland gilt nicht nur als Führungsmacht beim Krisenmanagement, sondern auch als Volkswirtschaft mit Vorbildfunktion.

Der bittere Zielkonflikt der Notenbanken
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64 Kommentare zu "Weltwirtschaftsforum: Kapitalismus in der Existenzkrise"

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  • @ Buerge-r
    Logisch - kein Fußballspiel könnte sich selbst regeln und ein Boxkampf ohne Schiedsrichter ist eine Schlägerei. Der Markt braucht Regeln und die muß die Politik - für alle gültig - verfassen und durchsetzen. Wer sonst?

  • @ Dr.NorbertLeineweber
    Aber hallo - ich nehme meinen Kommentar, ein paar Absätze höher, zurück. Sie habe es begriffen. Die Politik, allen voran die FDP, leider nicht. Auch das stellen Sie klar.

    Leider kann die Politik bei den Mächtigen am effizientesten Geld und Unterstützung einsammeln. Leichter als beim Mittelstand und beim kleinen Wähler. Das ist mühsam und wir deshalb kaum praktiziert. Trotzdem ist richtig was sie vorstehend schreiben und wir dürfen nicht aufgeben die Politk danach zu drängen.

  • @Dr.NorbertLeineweber

    Wer 1000 Seiten braucht, um etwas zu beschreiben, hat es wohl selbst nicht begriffen, fürchte ich.

  • Wir haben keinen Kapitalismus! Bzw. freie Marktwirtschaft. Wir haben mind. 45 wahrscheinlich jedoch über 50% Staatsquote in der BRD.
    Es war einst Ludwig von Mises, der den Staatsinterventionismus als allmähligen Weg in den Sozialismus beschrieben hat! Ähnliches auch von seinem "Schüler" und späteren Nobelpreisträger Freidrich A. von Hayek. Leider finden in der Lehre an staatlichen Hochschulen und Universitäten, diese beiden großen Vertreter der freien Marktwirtschaft und der freien Gesellschaft kaum eine Beachtung!! Wer von Mises und von Hayek gelesen hat, erkennt die falschen Freunde der Freiheit!!

  • So unvorstellbar wie 1944 in den Köpfen der ostelbischen Herrenmenschenelite der Untergang des 1000jährigen Reiches war, so unvorstellbar ist 2012 in den Köpfen der heutigen Besitzstandsfeudalelite der Untergang der transatlantischen Plutonomics.

    Dumm nur, dass es genau der Mechanismus ist, mit dem heute noch die Bevölkerungsmehrheiten im Gulag der Plutocrats in den modernen Zwangsarbeitslagern dieser Neuen Herrenmenschenelite ausgeplündert, ausgepowert und ausgeschlachtet werden, der diesen Neuen Herrenmenschen die Köpfe von ihren Rümpfen trennen wird. Es ist die Allmacht des Kapitals, dass sie aufgrund seiner heutigen Höchstkonzentration geistig-moralisch, ethisch, kulturell und sozio-ökonomisch so zerstören wird, dass "das Volk" bei ihrer Liquidation und Beseitigung sicherlich fröhliche Gesänge anstimmen wird.

  • Ich erlaube mir eine kleine Präzisierung. Beim Eigentum nach Art. 14 GG handelt es sich um kein sog. vorkonstitutionelles Grundrecht wie Gesundheit,Leben oder Freiheit.Es ist ein besonderes, weil sog.normgeprägtes Grundrecht.Das bedeutet,dass "das Eigentum" nach unserem Grundgesetz der normativen Ausformung durch den Gesetzgeber unterliegt.Er definiert folglich was Eigentum ist.Deshalb muss man dogmatisch korrekt nicht von einem Grundrechtseingriff in Art. 14, sondern von einer sog. grundrechtsrelevanten Maßnahme sprechen.Der Gesetzgeber kann sie z.B.im Rahmen der Publikation eines Buches per Gesetz zwingen einige Exemplare den öffentlichen Bibliotheken zu überlassen.Er kann damit ihr Eigentum an dem Buch "wegdefinieren"(das tut er nebenbei auch).
    Sozial ist unsere Marktwirtschaft wegen dem in Art. 20 I niedergelegten Sozialstaatsprinzip, welches grob gesagt den Staat verpflichtet mittels einer Umverteilung die sozialen Risiken des Daseins abzufedern.Bsp. sind die Existenz unserer hochkomplexen Sozialversicherungssysteme, die dafür garantieren, dass der erarbeitete Wohlstand der Leistungsträger auf die gesamte Bevölkerung umverteilt wird.Dieses System gibt es z.B. in den USA so gerade nicht. Das sind stark verkürzt die Grundpfeiler unserer SOZIALEN Marktwirtschaft.Einige Systeme sind beitrags- andere sind steuerfinanziert (u.a. ALG II nach SGB II).I.E. finanzieren bekanntlich 15 % der Bevölkerung 80% des Steueraufkommens, welches dann hauptsächlich in jedem Bundeshaushalt in die Sozialsysteme fliesst.Diese 15 % finanzieren i.E. bald die gesamte EU.Mit Blick auf den Länderfinanzausgleich wären EURO-Bonds =Bayern-BaWü-Hessen Bonds.Diese rechtliche und tatsächliche Lage, die hier nur angerissen ist, sollte man eben bei einer fundamentalen Systemkritik im Auge haben.Unsere Wirtschaft und ihr erzeugter Wohlstand unterliegt bei einem Spitzensteuersatz (§ 32a EStG) von 47% plus Soli in Höhe von 5,5% der Einkommenssteuer schon einer erheblichen staatlichen Abschöpfung.

  • Kapitalismus gibt es nicht, auch nicht in der Wirtschaftstheorie. Es ist ein Begriff von Marx aus der ersten industriellen Revolution. Damit kann ein GG nichts damit am Hut haben. Deswegen gibt es den Begriff so auch nirgends. Nur bei Fidel Castro, Hugo Chavez und bei "Systemkritikern."
    In der VWL heißt das auch Markttheorie und Wettbewerbstheorie und nicht Kapitalismustheorie. Wenn jemand etwas benamsen will dann Sie, weil Sie noch nie in das Inhaltsverzeichnis eines Lehrbuches gesehen haben. Das Niveau so mancher Beiträge hat Hilfsarbeiterniveau.

  • Aha,China ist Kapitalismus Musterschüler.Soso.
    Es geht nur um Macht.Wenn die Chinesen soweit sind,dann tanzt die ganze Welt nach ihrer Pfeife.Ob man dann noch in Kategorien wie "Geld" denken wird ist die andere Frage.

  • "Unser Problem ist nach mE, dass die Banken angefangen haben, grosse Teile dieses Buchgeldes nicht mehr in die Realwirtschaft in Form von Krediten zu geben,sondern wiederum in Forderungen gegen XYZ an den internationalen Kapitalmärkten gesteckt haben."
    Sie haben gut (in dieser Kürze) die Ökonomie des Buchgeldes erklärt. Deshalb ist fragwürdig,warum Sie nicht erklärten das Warum, sondern nur beschrieben haben, dass die "Banken angefangen haben . . .". Fragwürdig deshalb, weil Sie die Frage nach dem Warum doch beantworten können, und das auch sollten. Denn dann brauchten Sie auch nicht bloß beschreiben, dass
    "die Werte der Sicherheiten . . . gefallen (seien), so dass die Forderungen leer dastanden." Sie könnten erklären warum und auch, warum diese Beschreibung zwar herrschendes Verständnis zum Ausdruck bringt, aber trotzdem falsch ist. (s. "Kredit und Geldware")

  • "Da gibt es als Rechtsgrundlage das Grundgesetz: Nach unserer Rechtsordnung haben wir eine Soziale Marktwirtschaft (Eigentum verpflichtet usw.)"

    ja, ist mir bekannt.
    es gibt aber nicht nur den Art14, sondern auch den Art15 im GG.
    "Sozialisierunug" ...
    ... und bei "Enteignung" heisst es -nebenbei bemerkt- auch nicht "zum Marktwert"...

    "Kapitalismus" kommt hingegen nicht vor.

    aber wie bereits erwähnt:
    Wie Sie das Kind dann benamsen, steht ihnen frei.
    Mit der Argumentation der Dank staatlicher Eingriffe verbesserten Ressourcenallokation, nennen Sie's von mir aus weiterhin: Kapitalismus ;-).

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