Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Westjordanland Die Brutstätte des Terrors

Seite 2 von 2:
„Eine gewalttätige Atmosphäre“

Der israelische Historiker Professor Kimmy Caplan erklärt zu den Ursachen der Radikalisierung, in Israel und den besetzten Palästinensergebieten herrsche „andauernd eine gewalttätige Atmosphäre“. „Wenn Menschen von Kindesbeinen an in so einer Situation aufwachsen, hat das verständlicherweise keinen guten Einfluss.“ Dies betreffe Juden und Palästinenser gleichermaßen, sagt er – auch mit Blick auf die seit mehr als drei Monaten andauernde Gewaltwelle und fast tägliche Messerattacken junger Palästinenser auf Israelis.

Gewalttätige Mitglieder der „Hügeljugend“ seien eine fundamentalistische „kleine Splittergruppe innerhalb des religiösen Zionismus“ mit messianischen Ideen, erklärt Caplan. „Sie glauben, dass sie die Ankunft des Messias mit Gewalttaten beschleunigen.“ Diese Randgruppen würden von bestimmten radikalen Rabbinern bestärkt. Es handelt sich allerdings um eine isolierte Gruppierung mit mehreren hundert Mitgliedern, deren Taten von der Mehrheit der mehr als einer halben Million Siedler im Westjordanland und Ost-Jerusalem eindeutig verurteilt wird.

Die Gewalttäter sind eine Minderheit, aber sie haben Anhänger. Dies beweist ein Video von der sogenannten „Hass-Hochzeit“, das zuletzt für Empörung gesorgt hat. Es zeigt religiöse Juden, die zu einem „Rache-Lied“ mit Waffen tanzen, einer sticht immer wieder auf ein Bild des in Duma getöteten Palästinenserjungen ein. Die Polizei hat inzwischen mehrere Teilnehmer festgenommen.

„Das ist nicht neu, dieses Rachelied kann man seit Jahren auf Hochzeiten und religiösen Feiern hören“, sagt Caplan. „Dies sind Prozesse, die nicht über Nacht passieren.“ Für viele seien die Duma-Täter „Helden, die den Kopf für die anderen hinhalten“. Der Rechtsanwalt des Hauptverdächtigen warf dem israelischen Inlandsgeheimdienst Schin Bet vor, mit Folter ein Geständnis erpresst zu haben.

In Esch Kodesch findet man keinen Gesprächspartner, der sich offen mit dem Duma-Anschlag identifizieren würde. „Es ist eine traurige, schmerzhafte Geschichte“, sagt die 23-jährige Hadasa Bitty zu dem Brandanschlag. „Aber sie hat mit mir nichts zu tun.“ Die Ehefrau eines Berufssoldaten und Mutter einer einjährigen Tochter lebt seit einem halben Jahr in dem Außenposten.

Auch die 33-jährige Zipora Aloni blendet die schwierige Situation mit den palästinensischen Nachbarn weitgehend aus. „Ich interessiere mich nicht für Politik, sie hat für mich keine Bedeutung“, sagt die schwangere Zirkusakrobatin, die Kinder in der ganzen Umgebung unterrichtet.

Die Mutter von zwei Kindern sieht den Außenposten als Teil von Israel, obwohl er in den Palästinensergebieten liegt. „Ich habe meine eigenen Gesetze, ich habe die Bibel, ich bin Jüdin und ich halte mich daran“, antwortet sie auf die Frage nach internationalen Gesetzen, die eine Besiedlung besetzter Gebiete verbieten. Gewalt lehnt sie jedoch ab. „Ich glaube an Respekt für jedes Wesen - niemand sollte erstochen werden und niemand verbrannt. Alle sollten sich kontrollieren und nett zueinander sein.“

Sahava Galon von der linksliberalen israelischen Merez-Partei sieht Außenposten wie Esch Kodesch als „Brutstätte jüdischen Terrors“ und fordert ihre konsequente Räumung.

Viele der radikalisierten jungen Siedler seien enttäuscht von der älteren Generation, die sie als zu weich ansähen, erklärt Dov Berkowitz. Er ist ein Rabbiner der Siedlung Schilo, zu der Esch Kodesch gehört. „Viele von ihnen sind Schulabbrecher.“ Auch die Wut über die Zwangsräumung der israelischen Siedlungen im Gazastreifen vor mehr als einem Jahrzehnt habe zu ihrer Entfremdung beigetragen. Es sei nun die Verantwortung des national-religiösen Establishments, sie wieder auf den rechten Pfad zu bringen, meint der Rabbiner.

Gewalt gegen Palästinenser sei auf jeden Fall „nicht der jüdische Weg“. „Der Anschlag von Duma ist ein fundamentaler Verstoß gegen alles, was uns dieses Buch lehrt“, sagt er mit Nachdruck und zeigt auf eine Bibel, die vor ihm auf dem Tisch liegt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • dpa
Startseite
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Westjordanland - Die Brutstätte des Terrors