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Vanessa Rodel

Die Helferin von Snowden bei ihrer Ankunft in Toronto.

(Foto: AFP)

Whistleblower Snowdens Schutzengel Vanessa Rodel erhält Asyl in Kanada

Vanessa Rodel hat einst den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden in ihrer Wohnung in Hongkong versteckt. Nun beginnt sie ein neues Leben in Kanada.
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DüsseldorfSie wusste nicht, wer vor ihr stand, aber sie half ihm trotzdem. Vanessa Rodel öffnete Edward Snowden die Tür und ließ den Fremden in ihre winzige Wohnung. Es war ein Moment, der ihr Leben veränderte. Erstmal nicht zum Guten. Die Geschichte von Rodel und Snowden ist so verrückt, dass man sie sich nicht ausdenken könnte.

Am Montagabend ist die Filipina nun mit ihren Kindern in Toronto angekommen. Zwei Jahre nach ihrem Antrag und vielen Rückschlägen hat Kanada ihr Asyl gewährt.

Seit 2010 wartete die Filipina schon in Hongkong auf Asyl, als ihr Menschenrechtsanwalt Robert Tibbo im Sommer 2013 plötzlich mit Snowden bei ihr auftauchte. Rodel hatte keine Ahnung, dass der US-Amerikaner der meistgesuchte Mann der Welt war.

Dem Handelsblatt erklärte sie später: „Ich half ihm, weil er Hilfe brauchte.“ Rodels Lebenseinstellung war ein Segen für Snowden. Seit der ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter offenbarte, wie sein Arbeitgeber die ganze Welt und die eigene Bevölkerung dazu ausspionierte, war er ein Gejagter. Zwei Wochen lang versteckte sich Snowden in Hongkong, dann strandete er auf dem Weg nach Südamerika in Moskau. Dort lebt er noch heute.

Rodel hat Snowden nie wiedergetroffen. Als ihre Rolle in der Affäre 2016 bekannt wurde, geriet ihr Leben aus den Fugen. Einerseits war sie nun berühmt. Ein internationales Reporterteam nach dem anderen reiste nach Hongkong. Zweimal trat Rodel per Videoschalte beim Chaos Communication Congress auf. Die Hackergemeinde beklatschte sie stürmisch.

Andererseits kam die plötzliche Berühmtheit der Asylbewerberin in Hongkong nicht gut an. Die Behörden strichen die Hilfsmittel für Rodel und ihre kleine Tochter Keana zusammen. Strom und Wasser wurden vorübergehend abgedreht. Ihr Asylantrag, 2010 gestellt und jahrelang unbearbeitet geblieben, wurde im Schnellverfahren abgelehnt.

Ihr Anwalt Robert Tibbo versuchte es im Januar 2017 mit einem Asylantrag in Kanada, seiner eigenen Heimat. Auch Tibbo, dem Organisator von Snowdens Flucht, hat seine Rolle im Geheimdienstdrama nicht gutgetan. Die Behörde in Hongkong ermittelten gegen ihn, weil er seine Mandanten in Gefahr gebracht haben soll.

Neben Rodel halfen drei andere Asylbewerber Snowden zu verstecken. Die Behörden werfen Tibbo Geltungssucht vor, stießen ein. Alle vier Helfer von Snowden bestreiten, dass Tibbo ihnen geschadet habe. 2018 fühlte sich Tibbo selbst nicht mehr sicher in Hongkong und verließ die Stadt.

In dieser Woche gab es ein Wiedersehen mit Rodel in Toronto. Gemeinsam mit ihrer siebenjährigen Tochter Keana will sie sich dort ein neues Leben aufbauen. Snowdens andere drei Schutzengel – und ihre Kinder – stecken noch immer in Hongkong fest.

Das Handelsblatt war 2016 die erste europäische Zeitung, das Schicksal von Snowdens Schutzengel veröffentlichte. Unser Reporter Sönke Iwersen wurde für seinen Bericht 2017 mit dem Kurt Tucholsky-Preis für literarische Publizistik ausgezeichnet. Seine Geschichte über Snowdens dramatischen Fluchtweg in Hongkong lesen Sie hier.

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