Wie die Wirtschaft funktioniert Braucht die EZB bald neues Kapital vom Steuerzahler?

Die Bürger fürchten, dass die EZB wegen ihrer Bilanzrisiken Milliardenhilfe vom Steuerzahler benötigt. Doch was normalerweise das Euro-System pleite gehen ließe, gilt nicht für die Notenbanken.
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Die Europäische Zentralbank schafft sich selbst Geld, mit dem sie ihre Rechnungen bezahlt. Quelle: dpa

Die Europäische Zentralbank schafft sich selbst Geld, mit dem sie ihre Rechnungen bezahlt.

(Foto: dpa)

FrankfurtBei ihren Rettungsaktionen hat sich die Europäische Zentralbank (EZB) Bilanzrisiken aufgeladen, die viele Bürger schaudern lassen. Sie fürchten, dass die Notenbank im Falle einer Staatspleite hohe Verluste erleidet und Milliardenhilfen vom Steuerzahler benötigt, oder wie der Fachmann sagt: rekapitalisiert werden muss. Das Euro-System, also die EZB-Zentrale in Frankfurt und die 17 nationalen Notenbanken des Euro-Raums, hat für weit über 200 Milliarden Euro Staatsanleihen von Krisenländern gekauft. Zudem hat das System Forderungen an Banken von über 800 Milliarden Euro.

Wenn Griechenland sich für bankrott erklären und den Euro verlassen würde, und dann vielleicht auch noch Portugal und Spanien, wäre das Euro-System nach normalen Maßstäben pleite. Allerdings gelten für Notenbanken keine normalen Maßstäbe, weil sie das Geld selbst schaffen, mit dem sie ihre Rechnungen bezahlen.

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt. Quelle: Pablo Castagnola

Norbert Häring ist Handelsblatt-Korrespondent in Frankfurt.

(Foto: Pablo Castagnola)

Man kann sich eine Notenbankbilanz vorstellen, wie zu Zeiten der Goldwährung die Bilanz eines Alchemisten, der tatsächlich Gold aus Sand erschaffen kann. Angenommen, er verleiht dieses Gold, gegen Zinsen an Banken. Eine große Bank geht bankrott, die Goldforderung an diese Bank ist abzuschreiben. Ist der Alchemist dann pleite und braucht neues Eigenkapital? Nein. Er kann weiterhin mit dem Gold, das er schafft, all seine Rechnungen bezahlen.

Bei den Notenbanken sieht man das nicht so leicht, weil sie durch alle möglichen erfundenen Bilanzpositionen auf der Passivseite so tun, als stünden dem geschaffenen Geld Verbindlichkeiten gegenüber. Das senkt den auszuweisenden Gewinn. Nehmen wir an, unser Alchemist habe einen herrischen Meister, dem er seinen ganzen Gewinn abliefern muss. Deshalb schafft er für jede Goldforderung an seine Bankenkunden eine Gegenbuchung auf der Passivseite der Bilanz, die er zum Beispiel „Goldumlauf“ nennt (im Euro-System heißt sie Bargeldumlauf). Dann muss er nur noch die Zinseinnahmen als Gewinn buchen, nicht mehr die Zunahme seiner Goldbestände. Geht eine Bank pleite, ist die Forderung an diese abzuschreiben. Sie wird das Gold am Ende der Leihfrist nicht zurückgeben

Das Gold ist aber weiter im Umlauf. Was macht der Alchemist? Er erfindet eine Buchung auf der Aktivseite, um die Bilanz auszugleichen. Die nennt er zum Beispiel „Verlustvortrag“. Die Bilanz ist ausgeglichen. Seine Rechnungen kann er weiter bezahlen. Wenn sein Meister alt und dement genug geworden ist, kann er ihn natürlich auch zu einer „Rekapitalisierung“ auffordern, und sich so den früher ausgeschütteten Gewinn zurückholen. Er muss es aber nicht.


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21 Kommentare zu "Wie die Wirtschaft funktioniert: Braucht die EZB bald neues Kapital vom Steuerzahler?"

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  • @derkritiker: Ich stimme 100 Prozent zu. Der Leser ist nach dem Artikel genauso schlau wie vorher. Aber der autor konnte immerhin mit ein paar "schlauen" Begriffen herumwerfen.

    Fakt ist, dass der Steuerzahler per se nicht "zahlen" muss, weil die EZB Geld schaffen darf wie sie lustig ist. Folglich fallen auch nie Verluste an und die EZB kann nicht pleite gehen. Die Drohgebärde für den Steuerzahler ist also schlicht falsch.

  • Um die lächerlichen Target2-Thesen Sinns zu entkräften, braucht es diesen Artikel sicherlich nicht, der an kaum zu überbietender Oberflächlichkeit und Begriffsungenauigkeiten krankt und teilweise inhaltlich falsch ist! Was genau meint Herr Häring bspw. mit "pleite"? Technisch insolvent kann das Eurosystem sehr wohl werden, wenngleich es stets liquide bleiben sollte. Das Haupt-Problem dieses Artikels ist aber, dass der Autor seine Gedanken nicht zu Ende denkt, denn seine Feststellungen schließen keinesfalls aus, dass sie ohne Folgen bleiben auch für den deutschen Steuerzahler, sodass man sich fragen muss, was er eigentl mitteilen will. Hier die FTD zu nennen ist ja geradezu absurd, da sie sich scheinbar noch vielmehr als Sprachrohr der Finanzlobby versteht. Fakt ist, guter Journalismus sollte aufklärren, dass tut dieser Beitrag mit Sicherheit nicht. Vielleicht darf man das von Journalisten auch nicht mehr erwarten, wenn selbst die (noch) angesehendsten Volkswirte Deutschlands das Eurosystem nicht verstanden haben und mit abstrusen Thesen hausieren gehen können.

  • "... Diesen ... als Vorbild nehmen ..."
    "... Diesem ... sollen wir uns unterwerfen ..."

  • Die USA als Vorbild?! Jene USA, die mit Krieg droht, wenn sich eine zweite Hegemonialmacht etablieren sollte? Diesem demokratischen Kriegsstaatenverbund, einer drohenden Scheinwelt, sollen wir uns als Vorbild nehmen?

    Es dürfte schon reichen, wenn die deutschen Politiker den Amerikanern gegenüber weisungsgebunden sind - oder nicht?

  • Es scheint sich noch nicht in Journalistenkreise rumgesprochen zu haben, das Notenbanken, und die EZB ist eine Notenbank, nie rekapitalisiert werden müssen, denn eine Notenbank kann ihr eigenes Kapital generieren (dazu brauch man nur eine Druckerpresse) – und, das zeigt die Geschichte (und hier sollte man mal ein bisschen weiter als nur bis zum Bauchnabel gucken), ist vieleicht auch gar nicht so schlimm !!!

  • Die EZB brauch immer Geld. Denn sie gibt mit vollen Händen aus und sparen ist auch für sie ein Fremdwort!

  • In EUropa nicht möglich. Siehe gestern in Deutschland. Menschen mit Machtansprüchen gieren förmlich danach. Dann werden sogar aus Niederlagen Siege. Gott bewahre, daß es nach EUropa überschwappt. Fehlen nur noch die Waffen, die wir uns evtl. auf dem "Schwarzmarkt" aneignen könnten. Geld haben wir ja in Hülle und Fülle. Bald will es keiner mehr haben. Warum nur, warum?

  • Sagen Sie doch klipp und klar "Geld aus dem wundersamen NICHTS drucken"; als Alchemist müsste Ihnen das doch klar sein..... ! Unsere Steuergelder sind doch schon lange pulverisiert.....nun mal Butter bei die Fische......

  • Weil die Eurozone noch kein Finanzministerium hat, muss die EZB Verantwortungen übernehmen die eigentlich eben diesem noch nicht existierenden Finanzministerium zufielen.
    Die einzige Lösung: Schaffung eines Finanzministerium für die Währungsunion mit Teilaufgabe der Steuerhoheit durch die einzelne Euroländer an dieses Finanzministerium nach dem es geschaffen worden ist. Übernahme von Zuständigkeiten für die gesamte Währungsunion durch dieses Finanzministerium. (Verteidigung, Soziales, Bildung, Verkehr) Nach dem Vorbild USA.

  • Weil die Eurozone noch kein Finanzministerium hat, muss die EZB Verantwortungen übernehmen die eigentlich eben diesem noch nicht existierenden Finanzministerium zufielen.
    Die einzige Lösung: Schaffung eines Finanzministerium für die Währungsunion mit Teilaufgabe der Steuerhoheit durch die einzelne Euroländer an dieses Finanzministerium nach dem es geschaffen worden ist. Übernahme von Zuständigkeiten für die gesamte Währungsunion durch dieses Finanzministerium. (Verteidigung, Soziales, Bildung, Verkehr) Nach dem Vorbild USA.

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