Wikileaks-Enthüllungen NSA soll Merkel-Gespräch mit Berlusconi belauscht haben

Die Enthüllungsplattform WikiLeaks verbreitet neue pikante Details zu angeblichen US-Lauschangriffen auf Politiker. Bei einem privaten Treffen der Kanzlerin mit Silvio Berlusconi soll Merkel „sehr schroff“ gewesen sein.
Die deutsche Kanzlerin und der damalige italienische Premier Silvio Berlusconi bei einem Treffen 2008: Später soll Merkel ihn gemeinsam mit dem damaligen französischen Amtskollegen Nicolas Sarkozy in die Mangel genommen haben. Quelle: dpa
Merkel und Berlusconi

Die deutsche Kanzlerin und der damalige italienische Premier Silvio Berlusconi bei einem Treffen 2008: Später soll Merkel ihn gemeinsam mit dem damaligen französischen Amtskollegen Nicolas Sarkozy in die Mangel genommen haben.

(Foto: dpa)

BerlinDer mutmaßliche Lauschangriff von US-Spionen auf Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint noch größere Ausmaße zu haben als bislang bekannt. Die Enthüllungsplattform WikiLeaks veröffentlichte in der Nacht zum Dienstag mehrere als geheim eingestufte Dokumente, denen zufolge der US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) unter anderem ein Gespräch Merkels mit Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon abgehört haben soll. Geschildert werden auch Details zu einem „spannungsgeladenen“ Treffen der CDU-Politikerin mit Frankreichs damaligem Präsidenten Nicolas Sarkozy und Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi.

Laut dem Protokoll des Gesprächs mit Ban lobte der Uno-Chef im Dezember 2008 Merkels Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel und ihre Überzeugungsarbeit bei den EU-Kollegen: Die Welt erwarte, dass die Europäische Union ihre Führungsrolle beibehalte – denn ohne diese Impulse werde es sehr schwierig, bei den anstehenden Klimakonferenzen Fortschritte zu erzielen.

In dem Gespräch habe Ban zudem von einer günstigen Gelegenheit gesprochen, um die Regierung des neu gewählten US-Präsidenten Barack Obama in den Kampf gegen den Klimawandel einzubinden. Merkel wiederum habe sich optimistisch geäußert, trotz Schwierigkeiten beim Thema Emissionshandel auf einem kommenden EU-Gipfel Fortschritte erzielen zu können.

„Wir haben heute gezeigt, dass die privaten Treffen von Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zum Schutz des Planeten vor dem Klimawandel von einem Land ausgespäht wurden, das seine größten Ölfirmen schützen will“, erklärte WikiLeaks-Gründer Julian Assange. „Die Reaktion der Vereinten Nationen wird interessant sein, denn wenn der Generalsekretär folgenlos ins Visier genommen werden kann, dann ist jeder in Gefahr – vom Staatenlenker bis zum Straßenkehrer.“

Vergangenes Jahr hatten die „Süddeutsche Zeitung“ sowie die Sender NDR und WDR unter Berufung auf WikiLeaks-Unterlagen berichtet, dass die NSA über Jahrzehnte hinweg das Kanzleramt ausspioniert habe. Betroffen waren demnach auch die Regierungen vor Merkels Amtsantritt.

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