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Wikileaks-Grümder Australiens Premier: Keine Sonderbehandlung für Assange

Wikileaks-Gründer Julian Assange droht eine Überstellung an die USA. Es soll eine Zusicherung geben, dass Assange dort nicht die Todesstrafe drohe.
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Julian Assange ist von der britischen Polizei verhaftet worden. Quelle: AP
Julian Assange

Julian Assange ist von der britischen Polizei verhaftet worden.

(Foto: AP)

London Australiens Premierminister Scott Morrison schließt eine Einmischung seiner Regierung in den Fall des Wikileaks-Gründers Julian Assange aus. Das sei „Sache der USA“ und habe „nichts mit uns zu tun“, sagte Morrison am Freitag laut lokalen Medien.

Assange, ein gebürtiger Australier, war am Donnerstag in der Botschaft Ecuadors in London festgenommen worden. Der 47-Jährige hatte dort seit Juni 2012 im selbstgewählten Exil gelebt. Die USA fordern die Auslieferung des Aktivisten.

Assange erhalte keine Sonderbehandlung, ihm werde die übliche konsularische Unterstützung gewährt, sagte Morrison dem Sender ABC. „Wenn Australier ins Ausland reisen und mit dem Gesetz in Konflikt geraten, müssen sie sich dem Justizsystem des jeweiligen Landes stellen. Es spielt keine Rolle, welches Verbrechen sie angeblich begangen haben.“

Australiens Außenministerin Marise Payne sagte vor Reportern: „Der Auslieferungsprozess selbst findet zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien statt.“ Ihr Land sei aber „völlig gegen“ die Todesstrafe. Großbritannien habe sich von den USA die Zusicherung eingeholt, dass Assange im Falle einer Auslieferung dort nicht die Todesstrafe drohe, fügte sie hinzu.

Vonseiten der Opposition kamen auch Gegenstimmen. So sagte der Chef der australischen Grünen Partei, Richard Di Natale, Australien müsse sicherstellen, dass Assange nicht ausgeliefert werde. „Diese Verhaftung ist ein dunkler Tag für die Pressefreiheit in der ganzen Welt“, erklärte er. Für Freitag waren in Sydney und Melbourne Kundgebungen zur Unterstützung von Assange geplant.

Nach der Verhaftung von Wikileaks-Gründer nehmen die Behörden in Ecuador auch dessen Umfeld ins Visier. Ein Vertrauter von Assange sei am Flughafen von Quito festgenommen worden, als er nach Japan habe ausreisen wollen, teilte Innenministerin María Paula mit. Der Person werde der Verschwörung gegen die ecuadorianische Regierung verdächtigt.

Ein hoher Beamter identifizierte den Festgenommenen später als einen schwedischen Software-Entwickler mit Wohnsitz in Quito. Ermittler prüften seine mögliche Beteiligung an einem Komplott von Assange und Wikileaks mit dem Ziel, Präsident Lenín Moreno zu erpressen.

2012 hatte Assange Aufnahme in der ecuadorianischen Botschaft in London gefunden, um einer Überstellung nach Schweden wegen Vorwürfen der Vergewaltigung zu entgehen. Die Anschuldigungen wurden zwar fallengelassen, doch weigerte sich der Wikileaks-Gründer aus Sorge vor einer Auslieferung an die USA, die Botschaft zu verlassen.

Nach fast sieben Jahren entzog die Regierung von Moreno ihm das Asyl. Prompt wurde er vor Ort von der britischen Polizei verhaftet. Kurz darauf erhob das US-Justizministerium den Vorwurf der Verschwörung gegen den Aktivisten: Er habe sich mit der Ex-Militäranalystin Chelsea Manning zusammengetan, um in ein Computernetzwerk im Pentagon einzudringen. In der Folge wurden Zehntausende streng vertrauliche Regierungsdokumente durch Wikileaks enthüllt.

Wikileaks-Gründer Assange wird in London aus der Botschaft getragen

Wie Australiens Außenministerin forderte auch Ecuadors Präsident Moreno Großbritannien auf, Assange nicht in ein Land auszuweisen, in dem ihm Folter oder Todesstrafe drohe. Den Entzug von dessen Asyl begründete er mit Verstößen gegen internationale Konventionen. Bei einem Auftritt nahe Quito teilte Moreno später weiter gegen Assange aus.

Dieser sei ein „miserabler Hacker“ und „verwöhnter Rotzbengel“, der sich in der Botschaft in London respektlos gegenüber seinen Gastgebern verhalten habe. Zudem bekräftigte Moreno Vorwürfe, wonach Assange die Wände der Botschaft mit seinen Fäkalien beschmiert habe. Das angebliche Verhalten führte Innenministerin Romo auf eine Verschlechterung von Assanges geistigem und körperlichen Zustand in der Botschaft zurück.

Morenos Vorgänger Rafael Correa kritisierte die Rücknahme des Asyls Assange als Feigheit. Die Entscheidung Moreno werde die „ganze Menschheit niemals vergessen“, prophezeite Correa am Donnerstag auf Twitter. Zudem habe Wikileaks Dokumente veröffentlicht, die nahelegten, dass Moreno in Korruption verwickelt sei. Dafür habe dieser sich rächen wollen.

  • ap
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