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Wirtschaftsdaten Russland droht Abgleiten in die Rezession

Russlands Wirtschaft lahmt: Die BIP-Zahlen sind deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, die russische Zentralbank will gegensteuern.
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Die Pläne der Regierung waren anders: bis 2024 sollte die russische Wirtschaft schneller als die Weltwirtschaft wachsen. Quelle: dpa
Kreml

Die Pläne der Regierung waren anders: bis 2024 sollte die russische Wirtschaft schneller als die Weltwirtschaft wachsen.

(Foto: dpa)

MoskauDie Erhöhung der Mehrwertsteuer zu Jahresbeginn und die damit einhergehende Steigerung der Inflationsraten hatten die meisten Ökonomen pessimistisch gestimmt. Doch ein solch schlechtes Ergebnis hatten sie trotzdem nicht erwartet: Das russische BIP ist im ersten Quartal 2019 im Jahresvergleich nur um 0,5 Prozent gewachsen. Die Konsensschätzung der Experten lag bei etwa 1,2 Prozent Zuwachs. Selbst die sehr konservative Schätzung des Wirtschaftsministeriums (plus 0,8 Prozent) erwies sich damit noch als zu optimistisch.

Schlimmer noch: Saisonbereinigt lag das BIP im ersten Quartal 2019 um 0,7 Prozent unter dem Wert des letzten Quartals 2018. Ein ähnliches Ergebnis im Frühjahrsquartal würde das Abgleiten Russlands in eine technische Rezession bedeuten.

Obwohl die Statistikbehörde Rosstat noch keine detaillierten Angaben zu einzelnen Faktoren geliefert hat, sind laut der Investmentbank BCS Global Markets drei Gründe ausschlaggebend für ein so schwaches Ergebnis: „eine schwache Binnennachfrage (speziell im Konsumbereich), die Kürzung der staatlichen Verteidigungsausgaben und das warme Wetter, das sowohl im In- als auch im Ausland den Verbrauch von Energieträgern drückte“.

Das Wirtschaftsministerium beklagte, dass die geringe Kreditvergabe an Unternehmen, aber auch bei den Hypotheken „zusätzlichen negativen Druck“ erzeugt habe. Unter der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 18 auf 20 Prozent litt vor allem der Großhandel, der im ersten Quartal um 7,4 Prozent einbrach. Viele Einzelhändler hatten vorausschauend Ende 2018 ihre Lager aufgefüllt und verkauften so zunächst erst einmal Restbestände.

Aber auch die Baubranche gehörte zu den Leidtragenden – möglicherweise hat sich hier Rosstat mit seinem eigens fabrizierten Statistikwunder des Vorjahres einen Streich gespielt: Die Behörde hatte nämlich nachträglich das BIP 2018 hochgerechnet und das Ganze mit einem Bauboom (plus 5,3 Prozent) begründet.

Glaube an das Wachstum

Für das Gesamtjahr sind die meisten Experten noch moderat, da das erste Quartal aufgrund der vielen Feiertage in Russland traditionell am wenigsten zum Gesamtjahresergebnis beiträgt. Die Sberbank glaubt weiterhin an 1,5 Prozent Wachstum, die Investmentbank Finam hält an ihrer Prognose von 1,3 Prozent fest. Vorläufig bestätigt auch BCS Global Markets sein Wachstumsziel von 1,5 Prozent, allerdings warnte das Geldhaus, dass das schwache Quartalsergebnis „das Risiko einer Verringerung der ohnehin bescheidenen Wachstumsprognose erhöht“.

Eigentlich sehen die Planziele von Kremlchef Wladimir Putin ganz anders aus: Bis zum Ende seiner derzeitigen Amtszeit 2024 müsse die russische Wirtschaft schneller als die Weltwirtschaft wachsen, forderte er. Bis 2024 soll Russland nämlich Deutschland als fünftgrößte Wirtschaftsmacht ablösen – zumindest bei der Umrechnung auf die Kaufkraftparität.

Dazu muss die Ökonomie aber erst einmal in diesem Jahr wieder in Gang kommen: In einer zunehmend vom Staat dominierten Wirtschaft hoffen die Marktbeobachter dabei einmal mehr auf das Eingreifen ebendieses Staats.

„Nationale Projekte“

Um das Wachstum anzukurbeln, ist frisches Geld nötig. Dies soll auf zwei Arten in die Wirtschaft gepumpt werden. Einmal über direkte staatliche Investitionen, beispielsweise in die Infrastruktur. Dies soll über den Start der von Putin verkündeten verschiedenen „nationalen Projekte“ geschehen. Milliardeninvestitionen sind dabei unter anderem im Gesundheitswesen, im Straßenbau oder dem Aufbau einer digitalen Wirtschaft vorgesehen.

Als weitere Maßnahme wird ein Eingreifen der Zentralbank erwartet. Deren höchste Aufgabe war es bislang, die Inflation zu bekämpfen. Mit einem hohen Leitzins von derzeit 7,75 Prozent versucht sie, das brachial durchzusetzen. Eigentlich war eine Senkung des Leitzinses schon im April erwartet worden, doch die hohen Inflationserwartungen der Bevölkerung banden Zentralbankchefin Elvira Nabiullina die Hände.

Das schwache Quartalsergebnis wiederum erhöht den Druck auf die Zentralbank, den Leitzins zu lockern, um die Kreditvergabe zu erleichtern. Die Zentralbank hat das auch bereits angedeutet. Das Institut erklärte, es gebe Anzeichen für eine Abschwächung der Inflation. Derzeit liegt sie noch bei 5,2 Prozent im Jahresvergleich. Doch die Zentralbank hat bereits den Erwartungskorridor für die Jahresinflation von 5,0 bis 5,5 Prozent auf 4,7 bis 5,2 Prozent gesenkt. Im nächsten Jahr soll das selbst gesteckte Ziel von vier Prozent wieder erreicht werden.

Mehr: Russlands Wirtschaft schwächelt. Trotzdem finden deutsche Firmen viele Gründe, dort Geld zu investieren – nicht immer ganz freiwillig.

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