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Wirtschaftsförderung Südkorea pumpt 77 Milliarden Euro in Start-ups – und will Großkonzerne entmachten

Nach deutschem Vorbild will der südkoreanische Präsident Moon Jae-in die Wirtschaft umbauen – und den Mittelstand stärken. Das könnte zulasten anderer Bereiche gehen.
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Die Wirtschaft Südkoreas wird vor allem von großen Unternehmen wie Samsung und Hyundai dominiert. Quelle: Bloomberg
Samsung-Gebäude in Seoul

Die Wirtschaft Südkoreas wird vor allem von großen Unternehmen wie Samsung und Hyundai dominiert.

(Foto: Bloomberg)

TokioSüdkorea schaut mit Neid auf Deutschlands Mittelstand und das schon lange. Südkoreas Wirtschaft wird von wenigen Familienkonglomeraten wie Samsung und Hyundai Motors dominiert, die den Mittelstand kleinhalten. Regierungen versuchen daher immer wieder, Start-ups zu fördern. So aggressiv wie Präsident Moon Jae-in das aber tut, ging schon lange keine Regierung mehr vor.

In den kommenden drei Jahren will Südkorea Kredite in Höhe von 100 Billionen Won, umgerechnet 77 Milliarden Euro, an innovative Start-ups und mittelständische Unternehmen vergeben. Das kündigte der Vorsitzende der Kommission für Finanzdienstleistungen Choi Jong-ku am Donnerstag in Seoul an.

Darüber hinaus will Choi neue Kreditrichtlinien einführen und Firmen den Zugang zu Bankkrediten und dem Kapitalmarkt erleichtern. Auch weitere Hilfen für die Modernisierung und Restrukturierung kleiner Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sind geplant. Die Versuche der Regierung, neue Industrien zu fördern, hätten zwar „bedeutsamen Wandel“ hervorgerufen, erklärte Choi das Programm. „Aber es gibt noch viele Bereiche, die ergänzt werden müssen.“

Die Maßnahmen sind Teil eines Programms, mit dem die Regierung des progressiven Präsidenten Moon Jae-in die lahmende Wirtschaft ankurbeln will. Er hatte 2017 sein Amt mit dem Versprechen angetreten, für bessere Beschäftigungsmöglichkeiten und höhere Gehälter zu sorgen. Verbesserungen gab es seitdem aber nicht – und Moons Popularität sank.

So hat sich das Wachstum 2018 auf 2,7 Prozent verlangsamt, den niedrigsten Wert seit sechs Jahren. Für 2019 sagt die Südkoreas Zentralbank sogar einen weiteren Rückgang auf 2,6 Prozent voraus.

Schon lange schwelen Sorgen um die Zukunft der südkoreanischen Volkswirtschaft. Schon jetzt generieren die Chaebol, wie besonders in Südkorea die mächtigen Familienkonglomerate genannt werden, immer weniger gut bezahlte Jobs für die Jugend. Eine gut gemeinte starke Anhebung des Mindestlohns hat zudem zu einer Einstellungsflaute bei Kleinstunternehmen gesorgt, kritisieren Ökonomen.

Die Folge: 2018 lag Südkoreas Jugendarbeitslosigkeit laut OECD mit 10,5 Prozent deutlich über den Werten der USA. Beim Nachbarn und Erzrivalen Japan waren nur 3,7 Prozent der unter 25-jährigen ohne Jobs.

Die Krise der einst weltbeherrschenden Werften, sinkende Gewinne beim Autohersteller Hyundai Motors und diverse Skandale in den Unternehmerdynastien rufen den Südkoreanern zudem in Erinnerung, dass ihre Wirtschaft vom Wohl und Wehe weniger großer Konzerne abhängig ist.

Der Wirtschaftsprofessor Park Sang-in von der National-Universität Seoul plädiert daher für eine Aufwertung der kleinen Firmen. „Wir sollten unsere Wirtschaft von einer chaebol- zu einer mittelstandsgetriebenen Wirtschaft umbauen, wie Deutschland sie hat“, erklärte er kürzlich in der Nikkei Asian Review. Wenn die Firmen ihre bisher im Vergleich niedrigen Gehälter näher an die der Großkonzerne anheben könnten, würden viele Jobs für junge wie alte Menschen geschaffen.

Genau dazu will der Chef von Südkoreas Finanzkommission Choi beitragen. Er versprach an diesem Donnerstag, dass das neue Kreditprogramm 170.000 neue Jobs schaffen würde. Die neuen Regeln für Kredite und Börsengänge sind dazu gedacht, mehr privates Kapital in Unternehmen aus der Biotechnologie, der künstlicher Intelligenz und anderen Bereichen der digitalen Wirtschaft zu lenken.

Bei der Kreditvergabe will die Finanzaufsicht stärker als bisher dafür sorgen, dass die Banken auch intellektuelles Eigentum und andere Kriterien wie künftige Wachstumsaussichten berücksichtigen. „Kleine und mittlere Unternehmen haben noch immer Schwierigkeiten, ohne Immobilien als Sicherheit Kredite zu erhalten“, rechtfertigte Choi die Politik.

„Innovatives Finanzwesen“ nennt Choi seine Idee, mit der er nicht nur das Finanzsystem verbessern will. Zusätzlich möchte er im risikoscheuen Korea eine Kultur erzeugen, in der „die Herausforderung unterstützt und das Scheitern toleriert wird“.

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