Wirtschaftsforscher zu Griechenland „Euro-Austritt würde Chaos auslösen“

Der Schuldenstreit zwischen Griechenland und den Europartnern steht Spitz auf Knopf. Auch ein Euro-Austritt des Landes ist nicht ausgeschlossen. Das könnte jedoch verheerende Folgen nach sich ziehen, warnt ein Experte.
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Hellas steht bei der Euro-Zone und dem IWF mit 240 Milliarden Euro in der Kreide. Quelle: Reuters
Griechenland-Flagge in Athen

Hellas steht bei der Euro-Zone und dem IWF mit 240 Milliarden Euro in der Kreide.

(Foto: Reuters)

BerlinDer Mannheimer Wirtschaftsforscher Hans-Peter Grüner hat davor gewarnt, die Risiken eines möglichen Ausscheidens Griechenlands aus der Euro-Zone, den sogenannten Grexit, zu unterschätzen. „Die Einführung einer neuen Währung und die Umstellung alter Verbindlichkeiten auf diese neue Währung würden in Griechenland zu einem wirtschaftlichen Chaos führen“, sagte Grüner dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Gläubiger würden nach Grüners Einschätzung darauf pochen, dass ihre Forderungen in Euro beglichen werden. Dafür könnten sie als „starkes Argument“ anführen, dass ein Ausstieg aus der Währungsunion vertraglich nicht vorgesehen sei. „Wenn niemand weiß, welchen rechtlichen Anspruch er aus einer alten Forderung in Euro noch ableiten kann, und wenn diese Frage erst einmal einen langen Weg bis zum europäischen Gerichtshof antritt, steht die Bonität vieler griechischer Firmen in Frage“, warnt der Professor an der Universität Mannheim. „Das würde die Unsicherheit in jeder Geschäftsbeziehung innerhalb Griechenlands und mit Firmen in Griechenland noch weiter verstärken.“

Auch wenn Griechenland bei einem Euro-Austritt eindeutig festlegen würde, dass alte Forderungen in Euro bestehen blieben, bleibe dieses Problem weiter bestehen. „Denn griechische Firmen müssten dann ihre Schulden in Euro begleichen, während sie nur Drachmen einnehmen“, gab Grüner zu bedenken. „Verbreitete Insolvenzen wären die Folge, und die damit verbundene Unsicherheit würde die Krise verstärken.“

Grüner ist davon überzeugt, dass die Einführung einer neuen Währung oder die Einführung einer Parallelwährung so oder so mit einer verstärkten Wirtschaftskrise in Griechenland einherginge. Es wäre aus seiner Sicht zudem „unwahrscheinlich, dass sich die jetzige Regierung in einer solchen Situation lange halten könnte“. Nach einem Machtwechsel müsse sich Europa aber dann der Frage der Mithilfe beim Wiederaufbau der griechischen Volkswirtschaft stellen. „Sollte Griechenland rechtswidrig und einseitig eine andere Währung einführen, so schließt das eine Rückkehr in die Währungsunion nicht aus“, fügte der Experte hinzu.

Die Finanzminister der Euro-Gruppe wollen am heutigen Freitag in einer Sondersitzung über einen neuen Hilfsantrag beraten. Griechenland bittet darin um Unterstützung für weitere sechs Monate. In Athen erklärte ein Regierungssprecher, die Euro-Finanzminister hätten nur die Optionen, dem griechischen Vorschlag zuzustimmen oder diesen abzulehnen.

In der Euro-Gruppe hatte der Antrag unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Die Bundesregierung lehnt die Vorschläge aus Athen ab. Es handle sich nicht um einen substanziellen Lösungsvorschlag, erklärte ein Sprecher von Finanzminister Schäuble in Berlin. Der griechischen Regierung gehe es vielmehr um eine Brückenfinanzierung, ohne die Anforderungen des Hilfsprogramms zu erfüllen.

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53 Kommentare zu "Wirtschaftsforscher zu Griechenland: „Euro-Austritt würde Chaos auslösen“"

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  • Derartige "Warnungen" gab es auch, als sich die Slowaken von den ungeliebten Tschechen trennten und was passierte? Nix.

  • "...würden in Griechenland zu einem wirtschaftlichen Chaos führen" Na und? Das ist Griechenlands Problem, nichr das der anderen Euro Mitglieder. Ausserdem hescht in Griechenland permanentes wirtschaftliches Chaos. Natuerlich wird es onhen die Milliarden anderer Leute noch ein wenig chaotischer.

  • endlich raus aus dem euro mit den koruppten griechen!! mehr sollte es da eigentlich gar nicht zu sagen geben

  • Griechenland war schon vor dem Rettungsprogramm korrupt und hatte das Problem der Steuerhinterziehung. Dennoch war das Wachstum bis zur Wirtschaftskrise sehr hoch. Diese Dinge sind natuerlich Probleme jedoch keine Ausloeser fuer die Krise Griechenlands. Herr Schaeuble kann durch sein ignorante Art nicht einsehen, dass das Hilfsprogramm gescheitert ist. Zu keinem Zeitpunkt seit dem EU Beitritt ist die griechische Wirtschaft staerker gefallen als nach dem Start des Hilfsprogramms. Unsere Regierung saugt Griechenland alles aus was sie haben. Als kleines Beispiel ist im Hilfsprogramm enthalten, dass die Griechen mehr Geld in Waffen investieren muessen, welche sie wieder von Deutschland erwerben. Wenn dieses hinterlistige und ignorante Gespann bei uns wieder gewaehlt wird, muss man sich wirklich Gedanken machen...

  • Immer diese Panikmache!
    Ist das jetzige Chaos nicht der Tatsache geschuldet, daß Griechenland in den Währungsverbund EINGETRETEN ist, obwohl es doch offensichtlich nicht in denselben hineingehört? Der Austritt wäre somit nur die Korrektur des Fehlers.

  • @Herr Gian

    -Ich verfolge seit einigen Jahren den wirtschaftlichen Aufstieg der Bayern. Früher vor 15-20 Jahren waren sie bettelarm und sehr ruhig. -

    Sie benötigen um die Entwicklung in Bayern richtig verfolgen zu können keine Jahre, sondern eher ein Jahrhundert.
    Wenn schon jemand schreibt, dass Bayern vor 15 - 20 Jahren bettelarm war, also 1995 - 2000, dann können Sie sich Ihren gesamten Schmonsens sparen.

  • Ich bin mir sicher, dass sich am Ende die griechische Regierung durchsetzen wird und Schäuble und Merkel als Verlierer des Pokers dastehen werden. Die Angst bei den Eurokraten ist, dass ein Ausscheiden Griechenlands immer noch das Restrisiko des Domino-Effekts in sich birgt. Niemand in Brüssel will wirklich wissen was passiert, wenn ein Land aus dem Euro ausscheidet. Scheidet ein Land nämlich aus, bedeutet es im Umkehrschluss, dass auch andere Länder austreten könnten und somit der Anfang vom Ende der Währungsunion eingeläutet wäre. Ich bin mir zu 100% sicher, dass Griechenland weiterhin zur Eurozone gehören wird. Zuviel steht für die Eurokraten auf dem Spiel, sie werden einknicken, da bin ich mir ganz sicher. Ich bin gespannt, welche politischen Verwerfungen dies dann in Deutschland haben wird. Wie will die Bundesregierung ihr Einknicken dem deutschen Steuerzahler und Wähler erklären? Eine weitere Zustimmung wird meiner Meinung nach eine Regierungskrise in Deutschland auslösen und die Politikverdrossenheit noch weiter erhöhen!
    Entweder wollen wir Europa oder wir wollen es nicht. Wenn wir es wollen dann brauchen wir eine durch Voklsabstimmungen demokratisch legitimierte Europäische Regierung, eine europäische Verfassung und vor allem eine europäische Politik. Wir brauchen Politiker, die das große Ganze im Blick haben und auch für ganz Europa Verantwortung übernehmen. Und dann ist Europa auch ein solidarisches Europa, in dem die ärmeren Länder Geld von den reicheren erhalten, so wie Berlin im Bund Geld von Baden-Württemberg bekommt.
    Wenn wir das aber nicht wollen, dann ist der Euro ein großer Fehler, der die Völker Europas gegeneinander aufhetzt und dauerhaften Streit und Zwietracht säht.

  • Machen sich unsere Polit-Ökonomen, also all die "Wissenschaftler" ,die immer wieder der Euro-Rettungspolitik der Regierung eine pseudowissenschaftliche Begründung liefern, auch mal Gedanken über das Chaos der Weiterführung dieser wahnsinnigen Geldverschwendung?

  • @Herr Marc Otto

    Aber die Hand des "Oberarztes" zittert.

    Er wird deshalb nicht fähig sein, einen sauberen Schnitt durchzuführen.

  • es ist schön dass sich herr grüner den kopf der griechen zerbricht. dort besteht eine demokratisch gewählte regierung, die ihre verantwortung wharnimmt. deutsche köpfe sind mittlerweile so sozialistisch, dass jeder jeden vor allem schützen muß. so entstehen keine verantwortungsvollen Menschen oder Institutioen. das scheitern griechenlands ist doch längst von den finanzmärkten eingepreist.

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