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Wirtschaftskrise Macron legt Milliardenplan für Frankreichs Autoindustrie vor

Paris erhöht den Öko-Bonus für saubere Autos und führt eine Abwrackprämie ein. Indirekt gibt die Regierung allerdings einen Interessenkonflikt zu.
26.05.2020 - 18:13 Uhr Kommentieren

Macron kündigt Hilfspaket für französische Autobauer an

Paris „Wir wollen Frankreich zur ersten Nation Europas für den Bau von Elektroautos machen.“ Mit dieser stark national eingefärbten Botschaft hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Dienstag seinen Plan für die heimische Autoindustrie begründet. Er wolle „den Motor wieder anwerfen, den Verbrauch stützen, aber auch die Zukunft vorbereiten“.

Mit rund acht Milliarden Euro will Frankreichs Regierung die Automobilindustrie des Landes unterstützen. Ein Großteil der Mittel soll E-Autos und Plug-in-Hybriden zugutekommen. „Unser Ziel ist es, 2025 eine Million Elektromobile und Hybridfahrzeuge pro Jahr in Frankreich zu fertigen“, sagte Macron.

Der Staatspräsident stellte seine Absicht, aus der Autokrise zu kommen und gleichzeitig die ökologische Wende der Autoindustrie zu fördern, in einem Werk des großen französischen Zulieferers Valeo vor. Die Wahl des Unternehmens zeigt ungewollt, wie schwer es ist, in der hochintegrierten europäischen Autoindustrie ein einzelnes Land zu fördern: Bei Weitem der größte Kunde von Valeo sind die deutschen Premiummarken.

„Klar, da gibt es immer Streuverluste“, räumen Macrons Mitarbeiter ein. Das umgekehrte Problem, Kritik aus Brüssel wegen einer zu sehr auf nationale Hersteller zugeschnittenen Hilfe negieren sie dagegen. Man sei sicher, alle Auflagen der EU-Wettbewerbsaufsicht einzuhalten. „Wir haben mit unseren europäischen Partnern gesprochen, es gibt eine gewisse Koordinierung, jedes Land ist aber frei, möglichst auf die eigenen Bedingungen eingehend den Kauf ökologisch vorteilhafter Autos zu fördern“, argumentieren die Regierungskreise.

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    Die EU-Kommission will vermeiden, dass besonders finanzstarke Länder gezielt allein ihre nationale Industrie begünstigen, da dies den Wettbewerb in Europa verzerren würde. Die französische Regierung macht aber dennoch klar, dass es ihre Absicht sei, die Produktion von E-Autos in Frankreich zu fördern.

    Renault soll Batterieallianz beitreten

    Das Rückholen bestimmter Fertigungen aus China in andere europäische Länder sei nicht das Ziel. So habe sich Renault dazu verpflichtet, einen neuen Elektromotor von 100 kW Leistung nicht in China, sondern in Frankreich zu produzieren. „Douai (Nordfrankreich) soll das Zentrum der E-Aktivitäten der Gruppe werden“, erklärte der Elysée.

    Am Freitag wird Automobilbauer Renault seinen Plan zur Einsparung von zwei Milliarden Euro in drei Jahren der Öffentlichkeit vorstellen. Dienstagmorgen sprach Verwaltungsratschef Jean-Dominique Senard bereits mit Macron darüber. Der machte das genannte „Reshoring“ zur Auflage, ebenso wie den Eintritt Renaults in die deutsch-französische Allianz für die Herstellung von Batterien für Stromer.

    Der Acht-Milliarden-Plan enthält sehr unterschiedliche Elemente. Für die breite Öffentlichkeit am interessantesten sind die Kaufprämien. Der Öko-Bonus für die Anschaffung eines Elektroautos wird auf 7000 Euro aufgestockt, Plug-in-Hybride – bislang ausgeschlossen – mit 2000 Euro gefördert. Gleichzeitig – und kumulierbar – gibt es eine neue Abwrackprämie.

    Für Stromer wird diese sich auf 5000 Euro belaufen, für Hybride auf 2000 Euro. Allerdings wird auch der Kauf von 200.000 Autos mit Verbrennungsmotor mit je 3000 Euro subventioniert. Sie müssen den neuen europäischen Normen für den Ausstoß des Klimagiftes CO2 und Stickoxide entsprechen. Bedingung ist immer, dass ein altes Auto stillgelegt wird.

    Diese Prämien für Verbrenner sind hochumstritten: Sie bringen wenig für die Umwelt, verzögern eher den Übergang zur Elektromobilität und dienen vor allem den großen Herstellern dazu, ihre wegen des Nachfrageeinbruchs eingelagerten Autos loszuschlagen. 500.000 seien das im Juni in Frankreich, sagte Macron. Frankreichs Regierung argumentiert damit, dass auch auf diese Weise der CO2-Ausstoß verringert werde.

    Deutschland als Vorbild

    Indirekt gibt die Regierung aber diesen Interessenkonflikt zu, denn sie nennt als Ziel ihres Hilfsplans: „Wir wollen kurzfristig den Verbrauch ankurbeln und längerfristig den Umstieg auf die Elektromobilität.“ Neben den Bonus und die Kaufprämien treten 300 Millionen Euro an Kreditbürgschaften sowie eine Bürgschaft von fünf Milliarden Euro für Renault in Kraft.

    Die werde erst unterzeichnet, wenn Management und Mitarbeiter sich über Ziele für den Erhalt der Beschäftigung geeinigt hätten, präzisierte der Präsident. „Wir wollen das schaffen, was unseren deutschen Nachbarn oft besser und schneller gelingt, nämlich Zugeständnisse des Unternehmens und der Belegschaft zu verbinden“, um die Industrie zu erhalten, begründete Macron seine Bedingung.  

    Die Förderung von Forschung und Entwicklung in Frankreich und die langfristige Fortsetzung der subventionierten Kurzarbeit sind ebenfalls Teile des Plans. Ein Fonds für die Autoindustrie im Umfang von einer Milliarde Euro soll vor allem kleineren Zulieferern zugutekommen, die Probleme haben, eigene Innovation zu finanzieren.  

    Die beiden großen Autohersteller PSA (Peugeot, Citroën und Opel) sowie Renault haben sich verpflichtet, je 100 Millionen Euro für die Modernisierung ihrer Zulieferer aufzubringen. „Das soll auch die Konsolidierung der Branche begünstigen und dazu beitragen, dass größere Unternehmen entstehen, die sich am Markt besser behaupten können“, erläutert der Elysée.

    500 Millionen Euro sollen in die Unterstützung der Mitarbeiterqualifizierung fließen und der  Lehrlingsausbildung unter den  Bedingungen der Digitalisierung und der Industrie 4.0 dienen, sagt die Regierung. „Wenn die Unternehmen sich an die digitale Wende anpassen und robotisieren, müssen die Mitarbeiter Schritt halten können“, lautet das Credo in Paris.  

    Mehr: Autoabsatz in der EU bricht im April um 76 Prozent ein.

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