Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira Portugal will in der Coronakrise neue Investoren ins Land holen

Portugals Wirtschaftsminister Siza Vieira will von Produktionsverlagerungen aus Asien profitieren – und könnte damit Erfolg haben. Das Land bietet Investoren auch Steuervorteile.
13.07.2020 - 15:02 Uhr Kommentieren
2019 hat Portugal den höchsten Bestand an ausländischen Direktinvestitionen in seiner Geschichte gehabt, so Siza Vieira. Quelle: ddp/Global Media Group/Sipa USA
Portugals Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira

2019 hat Portugal den höchsten Bestand an ausländischen Direktinvestitionen in seiner Geschichte gehabt, so Siza Vieira.

(Foto: ddp/Global Media Group/Sipa USA)

Madrid Die Corona-Pandemie führt dazu, dass viele Unternehmen ihre Lieferketten neu organisieren, um weniger abhängig von China zu werden. Portugal will davon profitieren. „Der Trend hat schon vor einer Weile angefangen“, sagt Portugals Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira dem Handelsblatt. „Ein Jahr nachdem US-Präsident Trump gewählt wurde, haben Entscheider aus Industrie und Dienstleistungen gesehen, dass sie ihre Wertschöpfungsketten überdenken müssen, um keinen geopolitischen Spannungen ausgesetzt zu sein.“

Unter Trump ist ein Handelsstreit zwischen den USA und China eskaliert, von dem auch Firmen aus Drittstaaten betroffen waren, die in einem der Länder produziert haben. In der Zeit hätten Unternehmen ihre Produktion nach Europa verlagert – nach Portugal sowohl in Form von neuen Investitionen als auch durch den Ausbau bestehender Aktivitäten.

„2019 war Portugal das Land, in dem die privaten Investitionen am stärksten gestiegen sind“, sagt Siza Vieira. „Zudem hatten wir im vergangenen Jahr den höchsten Bestand an ausländischen Direktinvestitionen in unserer Geschichte.“ Sie betrugen knapp 144 Milliarden Euro. Vor allem deutsche Unternehmen gehören zu den Investoren. Im EU-Vergleich liegt das relativ kleine Land bei der Anzahl von Projekten ausländischer Direktinvestitionen nicht auf den vorderen Plätzen.

Zahlreiche Länder in Europa versuchen derzeit, internationale Konzerne anzuziehen, die sich von Asien abwenden. „Wir reden mit den entsprechenden Investoren“, sagt auch Siza Vieira. Das Lohnniveau in Portugal gehört zu den niedrigsten in der EU.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Doch: „Portugal muss mit der Qualität und dem Wert seiner Produkte wettbewerbsfähig sein und nicht mit einer niedrigen Kostenbasis“, sagt der Wirtschaftsminister. Die Basis für eine hohe Wertschöpfung ist vorhanden: Im europäischen Innovationsanzeiger ist Portugal in Süd- und Osteuropa der einzige „starke Innovator“.

    In Portugal gehört es zu den Prioritäten der Wirtschaftspolitik., um ausländische Unternehmen zu werben. Portugal bietet Investoren unter anderem Steuervorteile, vor allem, wenn sie stark in Forschung und Entwicklung investieren.

    Das Konzept zeigt Erfolg: „Viele Unternehmen, die Portugal ursprünglich als reinen Produktionsstandort genutzt haben, siedeln immer mehr Teile der Wertschöpfungskette im Land an“, sagt der Geschäftsführer der Deutsch-Portugiesischen Industrie- und Handelskammer, Hans-Joachim Böhmer. So besitzen die drei großen Autobauer VW, BMW und Mercedes inzwischen IT-Entwicklungszentren in dem Land.

    Erste Anzeichen für Produktionsverlagerungen

    Die Handelskammer sieht auch erste Hinweise dafür, dass Portugal im Zuge der Coronakrise von Produktionsverlagerungen aus Asien profitieren könnte. „Die Anfragen von deutschen Unternehmen, die in Portugal nach Zulieferern suchen, sind in den vergangenen Monaten um 30 bis 40 Prozent gestiegen“, sagt Böhmer. „Wir werten das als Zeichen dafür, dass Firmen ihre Lieferketten verkürzen und zumindest Teile nach Portugal verlagern wollen.“ Noch sei es aber zu früh, von einem deutlichen Trend zu sprechen.

    Probleme bereitet in der Krise dagegen just die Branche, die in den vergangenen Jahren für ein starkes Wachstum gesorgt hat: der Tourismus. Er macht acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Mehrere EU-Länder wie Österreich und Dänemark halten eine Reisewarnung für Portugal aufrecht, nachdem zu Beginn der Urlaubssaison zahlreiche neue Infektionen im Großraum Lissabon aufgetreten sind. Zuvor hatte das Land die Epidemie durch einen frühen Lockdown erfolgreich in Schach gehalten.

    Briten, die in Portugal Urlaub machen, müssen nun bei ihrer Rückkehr zu Hause in Quarantäne. Für Portugal ist das fatal, denn Briten stellen die größte Touristengruppe. „Natürlich gefällt uns die britische Entscheidung nicht, und wir hoffen, dass sie revidiert wird. Aber es würde die Sommersaison nicht retten“, sagt Siza Vieira.

    Ein großer Teil von Portugal-Besuchern kam zuletzt aus den USA, Brasilien und Asien, deren Staatsbürgern die EU die Einreise verbietet. „Selbst wenn dieses Jahr genauso viele Briten, Spanier und Portugiesen hier Urlaub machten wie im vergangenen Jahr, hätten wir noch weniger als halb so viele Besucher“, erklärt er.

    Die EU-Kommission hat ihre Prognose für die portugiesische Wirtschaftsleistung jüngst auf minus 9,8 Prozent für dieses Jahr gesenkt und das vor allem mit der Entwicklung des Tourismus begründet. Damit liegt Portugal nun unter dem EU-Durchschnitt.

    Das Land hofft wie Spanien und Italien auf zügige EU-Hilfen. Siza Vieira verteidigt dabei nicht rückzahlbare Transfers. Portugal habe in der vergangenen Krise stark unter den Sparauflagen der Troika gelitten und zehn Jahre gebraucht, bis die Wirtschaftsleistung wieder das Vorkrisenniveau erreicht habe. „Wenn wir erneut gezwungen werden, sehr hohe Schulden aufzunehmen und die in kurzer Zeit abzubauen, erwartet uns wahrscheinlich wieder ein verlorenes Jahrzehnt“, warnt er.

    Mehr: Wie die Krise die globale Arbeitsteilung verändert

    Startseite
    Mehr zu: Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira - Portugal will in der Coronakrise neue Investoren ins Land holen
    0 Kommentare zu "Wirtschaftsminister Pedro Siza Vieira: Portugal will in der Coronakrise neue Investoren ins Land holen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%