Wirtschaftsordnung Auf der Suche nach der Ehre des Kaufmanns

Seit der Finanzkrise werden Kapitalismus und Marktwirtschaft infrage gestellt. Sind sie die Ursachen für die Misere? Unsere Wirtschaftsordnung braucht vor allem einen Mentalitätswechsel.
  • Mathias Döpfner
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Frankfurts Bankenviertel: Kurz nach der Lehman-Pleite waren die Aussichten düster. Quelle: dpa

Frankfurts Bankenviertel: Kurz nach der Lehman-Pleite waren die Aussichten düster.

(Foto: dpa)

Alles sah dunkler aus als sonst, in dieser Nacht im späten September 2008, kurz nach der Lehman-Pleite, selbst die Leuchtreklame auf den Türmen der Commerzbank und der Deutschen Bank, die sich wie in Entenhausen bei Dagobert Duck einen Wettkampf um die Höhe geliefert hatten. Damals, in guten Zeiten. Jetzt war es vorbei. Panik statt Potenz. Weltwirtschaftskrise. Wie Ende der 1920er-Jahre. Da hatte Fritzi Massary noch gesungen: „Ich liebe das Geld, die Schönheit, die Kraft - ich liebe das Geld, weil es Freiheit mir schafft.“

Und bald darauf war es vorbei mit Kraft und Geld. Und irgendwann mit der Freiheit. Die Wirtschaftskrise dauerte von 1929 bis 1933, sie ereignete sich in mehreren Wellen. So auch diesmal. Mit hoffentlich anderem Ausgang.

Finanzkrisen sind nichts Neues. Ihre Geschichte ist jahrhundertealt, älter als die moderne Marktwirtschaft selbst. Exzesse und die folgenden Abstürze - Krieg inklusive - gibt es, seitdem es Geld gibt. Die erste große Krise entstand kurz nach der Erfindung des Papiergelds und des modernen Geldverkehrs. Ein Urheber dieser fundamentalen Finanzkrise war zugleich der Erfinder und der Vorläufer des modernen Kapitalismus: John Law of Lauriston.

Seine Geschichte ist auch deshalb so faszinierend, weil sie sich in weiten Teilen wie eine Blaupause für die Geschehnisse der letzten Jahre liest. Der 1671 geborene Law war Genie und Glücksritter zugleich. Schon in der Schulzeit in einem Internat beschäftigte er sich mit revolutionären Ideen zu künftigen Finanz- und Geldsystemen. Die Grundidee war dabei nicht nur das Papiergeld, sondern vor allem der Gedanke, dass nicht nur Goldmünzen zur Deckung des Notenumlaufs dienen könnten, sondern auch andere Werte und deren in der Zukunft liegenden Erträge.

Als sein langjähriger Gönner, Philipp Herzog von Orléans, 1715 die Regierung Frankreichs übernahm, schlug Laws große Stunde. Angesichts des aussichtslos heruntergewirtschafteten Königreichs erlaubte Philipp II. dem Freund, seine geldpolitischen Ideen in die Praxis umzusetzen. Zunächst lösten Laws erfolgreiche Bank, das neue Geldsystem sowie die massive Ausweitung von Banknoten- und Aktienemissionen eine beispiellose Welle von Wachstum und Prosperität aus. Die Staatsfinanzen schienen saniert, der König und sein Volk bewunderten Law wie einen Popstar.

Es folgten Hybris und Niedergang
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34 Kommentare zu "Wirtschaftsordnung: Auf der Suche nach der Ehre des Kaufmanns"

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  • Der ehrbare Kaufmann ist hierzulande der Dumme. Die Regierung und die Gesetze sind gegen ihn und seine Kunden betrachten ihn als Feind. Sieht man ja hier im Forum.

    Wenn sich alle Kaufmaänner an die folgenden Regeln halten würden, dann hätten wie die Probleme heute nicht, aber so wie es jetzt ist, wird der Mittelstand von zwei Seiten nieder gemacht. Und irgendwann wundern sich die Menschen, wenn sie nur noch bei Monopolisten kaufen können und ihre Lebensmittel chemisch erzeugt werden.
    Ach ja - hier die
    GEBOTE FÜR VORWÄRTSSTREBENDE
    Bald 100 Jahre auf dem Buckel , aber so aktuell wie nie:

    Dieser historische Text stammt aus dem Jahr 1925 - von J.B. Winklhofer, dem damaligen Inhaber der Wanderer-Werke. Ein Stück lesenswerte Kultur aus dem alten Europa!
    1. Grundbedingung ist, daß man seinen Beruf gründlich versteht.
    2. Den Ehrgeiz haben, jedes Ding besser zu machen, als es irgendein anderer kann.
    3. Am Prinzip festhalten, daß dem Kunden für sein Geld nur das Beste geliefert werden darf.
    4. Eine nie erlöschende Freude an der Arbeit muß vorhanden sein. Das Geldverdienen darf niemals Hauptzweck der Arbeit sein.
    5. Immer nur nach den neuesten Arbeitsmethoden und mit den allerbesten Einrichtungen im Betriebe arbeiten. Fachschriften lesen und lesen lassen. Alle Ausstellungen besuchen.
    6. Der größere Teil des verdienten Geldes muß zur Beschaffung der betriebsfördernden Mittel verwendet werden.
    7. Den rechten Mann an den rechten Platz stellen.
    8. Einfach und solid leben, damit man früh mit klarem Kopfe an die Arbeit gehen kann.
    9. Sich mit dem Gedanken vertraut machen, daß man nicht jedes Geschäft machen kann oder muß. Damit wird man sich vor vielen Verlusten bewahren und von der Konkurrenz geachtet sein.
    10. Schließlich gehört noch eine recht große Dosis Geduld dazu, um den Erfolg seiner Mühen abwarten zu können, auch wenn es manchmal recht trostlos aussieht.

    Quelle: Betschon. Entscheide schnell. Orell Füssli-Verlag, 2004.

  • Zunächst einmal wäre zu bemerken, daß Döpfner keinerlei persönliche Kritik in seinen Beitrag verpackt hatte,
    was ja für jedermensch nachlesbar ist.
    Zum Zweiten ist der Beitrag glänzend geschrieben.
    Und zum Dritten wäre in Anbetracht der angesprochenen Materie zu bemerken, dass die Suche nach der Ehre des Kaufmanns natürlich eine vergebliche Suche bleiben könnte, ja wäre da nicht das was Göte mal gesagt hatte: kaum daß man vor die Haustüre geht, tritt man in den Dreck.

  • Bitte, ich kann mir dieses Geheule nicht mehr anhören. Sie scheinen ja völlig gescheitert zu sein :). Gehen Sie mal Urlaub machen oder sonst was, aber verschonen Sie uns mit diesem Scheiss. Wenn doch alles so scheisse ist, dann hat China oder Russland bestimmt noch eine kommunistisches Häuschen für Sie über. Dieses Geheule über die bösen Kapitalisten. Mir fällt da einfach nichts mehr ein.
    Der Artikel ist ein selten guter und dazu noch sehr informativ, naja für Menschen, die ihn verstehen :D.

    An alle Sozis und Weltverbesserer, es gibt genug schöne Länder für euch, nur ist das dann eben nicht Deutschland :).
    Ich will NIEMALS auch nur annäherend in einer Planwirtschaft leben müssen, geschweige denn Kommunismus. Wer für diesen Dreck stimmt, hat im Geschichts unterricht etwas zu viel Zeit auf Demos verbracht :D.

    BYEBYE

  • Die Rahmenbedingungen haben einen Einfluss auf die "Ehrbarkeit".

    Solange sich unethisches Verhalten lohnt, wird es weiterhin betrieben: Beispiele

    Schadensregulation bei berechtigten Ansprüchen nur nach Gerichtsdurchlauf bis zum höchsten Gericht und dann vor einem Grundsatzurteil schnell ein Vergleich bezahlen.

    Handyverträge kündigen, ändern nur unter großen Kosten möglich

    Teure Servicetelefonnummern erst nach Jahren der Beschwerden eingedämmt.

    Dispokredite für 13% ausgeben und für 2% refinanzieren, Sparbuch 0,5%

    Einer 87 jährigen eine Lebensversicherung bzw. Sparvertrag mit Auszahlung nach 12 Jahren andrehen und "kulanterweise" nach scharfem Protest dieses Machwerk stornieren.

    Mit einem Handwerker einen Festpreis verhandeln und dann mit Mängelrügen sich vor der Bezahlung drücken.

    Einem Kunden eine Pfuscharbeit abliefern, abkassieren, dann nicht ausbessern bzw. in die Insolvenz flüchten.

    usw.
    Mittlerweile kann ich das Moralthema nicht mehr hören. Solange der ehrbare Kaufmann benachteiligt wird, wird es keine Besserung geben.

  • À la recherche du temps perdu...

  • Ach Bastian wie goldig. Wenn Sie mal in einem Großkonzern arbeiten, dann fangen Sie mal an "individuell" zu sein. Viel Spaß. Und fragen Sie mal Unternehmer wie Eurokraten für Individualität sorgen. Da kommt Freude auf. Individuell ist man nur in den Finanzmärkten ohne Regulierung und die fahren gerade den Kapitalismus gegen die Wand, lassen sich aber sozialistisch retten.

  • Ist ja ein Treppenwitz dass Sie hier auch noch Hayek zitieren. Am besten noch Friedman. Schade das dieser arrogante Zyniker seine eigene Pleite nicht mehr erleben durfte. Manchmal ist Gott gnädig. Aber gegen Verbortheit ist kein Kraut gewachsen. Ja, ja die perfekten Märkte.....

  • Aber gerne helfe ich Ihnen weiter. 1. Der neoliberale Kapitalismus braucht Idioten, die den Schrott kaufen, der hergestellt werden muss um weiter Wachstum zu generieren. Sie glauben doch nicht im Ernst daran dass hier über ein bestimmtes Maß Bildung erwünscht ist? Was wäre denn, mal angenommen alle Hart IV Empfänger, die sich "in die soziale Hängematte legen" wären plötzlich super ausgebildet und dazu noch gebildet? Ja wer will denn da noch für Niedriglohn arbeiten? Und der macht uns doch so wettbewerbsfähig. Wissen Sie was hier los wäre? Es gibt also durchaus ein Interesse daran Bildung vor allen Dingen nur den Bildungsbürgern zukommen zu lassen. Wer möchte denn sonst mit Bachelor Betten für 3 Euro fünfzig im Hotel machen? Auf der anderen Seite ist HartzIV die Stütze des Deutschen Binnenmarktes. Jeder Cent, der am 1. überwiesen wird ist am 25. wieder im Wirtschaftskreislauf. Während die Vermögenden ihr Geld anlegen, verzocken, in andere Länder fahren oder sparen. Hartz IV ist keine soziale Hängematte sondern ein Subventionsprogramm für Discounter, Immobilienbesitzer (Der Staat zahlt pünktlich), Energiekonzerne, Großbäckereien, usw, usw. Hartz IV schafft und sichert Arbeitsplätze im Mittelstand und den
    Behörden. Und dafür darf sich dann der bürgerliche Mob bei den "Kunden" oder "Leistungsempfängern" austoben, anstatt den Eliten den Marsch zu blasen. Und all das ist neoliberales System. Herr Döpfner Gazetten schüren den Hass von denen die nichts haben gegen die, die gar nichts haben und lacht sich bei der Bilanzkonferenz kaputt. Denn er gehört zu den 10 Prozent der Deutschen, denen Deutschland gehört. Darum hat Bildung auch etwas mit Neoliberalismus zu tun. Es muss immer ein paar Blöde geben, die die Dreckarbeit für wenig Geld machen und der Rest, der wirklich nichts tut fällt unter "Peanuts".

  • @kaiserbubu Genau das Gegenteil ist der Fall! Ein freiheitlich marktwirtschaftliches System benötigt keine gleichgeschalteten Fachidioten. Die sind nur für eine Gesellschaft vonnöten in der alle gleich sein sollen und jede Form von Individualität am besten im Keim erstickt wird.

    Ein Mehr an Bildung führt IMMER auch zu dem Wunsch nach mehr Freiheit und ich sehe keine anderes System das Freiheit so stark fördert (und auch fordert) wie die freie Marktwirtschaft.

  • @MaWo:
    Interessant. Hatte selbst in Hessen studiert - mit den Rentenkassen gebe ich Ihnen Recht. Diese sind durch die Pflichteinzahler gedeckt und ich teile Ihre Befürchtung der späteren Auszahlung. Es ist dann auch später mehr die Frage wieviel Kaufkraft noch an Wert besitzt. Wenn man den aktuellen Zustand als metapher beschreibt Rennen wir gerade mit offenem Armen dem heran eilenden Zug entgegen. Wenn man dies vergleichen kann stehen wir gerade mit den italienischen und spanischen Bonds bei Renditen von knapp 7 kurz vor einer Kernschmelze an den Finanzmärkten - die von den Summen in keinster Weise vergleichbar ist mit der Lehman Geschichte. Die einzige Institution die noch die Papiere kauft ist die EZB und Italien und Spanien benötigen nächstes Jahr knapp 400 Mrd EUR an Refinanzierungen. Bei den Griechen wird im Vergleich bei den Tranchen von rund 15 Mrd. Gesprochen - in diesen Größenordnungen kaufte die EZB im Sommer nahezu wöchentlich "Schrottanleihen" aus Italien und Spanien ein und die Renditen gehen trotzdem nicht wirklich mehr runter.

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