Witali Tschurkin Russlands Uno-Botschafter überraschend gestorben

Russlands Uno-Botschafter Witali Tschurkin ist tot. Der Spitzen-Diplomat sei überraschend auf seinem Posten in New York verstorben, teilte Moskau mit. Russland trauert um eine Schlüsselfigur seiner Diplomatie.
Update: 21.02.2017 - 03:45 Uhr Kommentieren
Ein Archivfoto von 2014 zeigt Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin während einer Pressekonferenz bei den Vereinten Nationen in New York. Quelle: dpa
Witali Tschurkin

Ein Archivfoto von 2014 zeigt Russlands UN-Botschafter Witali Tschurkin während einer Pressekonferenz bei den Vereinten Nationen in New York.

(Foto: dpa)

New YorkRusslands UN-Botschafter Witali Tschurkin ist überraschend gestorben. Der Top-Diplomat und frühere Vizeaußenminister sei am Montag bei der Arbeit in New York gestorben, teilte das russische Außenministerium in Moskau mit. US-Berichten zufolge hatte Tschurkin in seinem Büro in Manhattan plötzlich Herzprobleme. Eine Bestätigung der Behörden zur Todesursache lag zunächst nicht vor.

Präsident Wladimir Putin habe die Nachricht mit großer Trauer aufgenommen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Putin habe das diplomatische Talent Tschurkins sehr geschätzt, sagte Peskow der Agentur Interfax.

Bei den Vereinten Nationen in New York war die Trauer ebenfalls groß. „Der Tod des Botschafters hat uns geschockt und tief traurig gemacht“, sagte Peter Thomson, der derzeitige Präsident der UN-Vollversammlung. „Wir haben eines der respektiertesten und einflussreichsten Mitglieder der UN-Familie verloren.“ Auch die 15 Mitglieder des Sicherheitsrats teilten mit, sie seien „zutiefst traurig“. Auch andere UN-Diplomaten zeigten sich nach dem überraschenden Tod Tschurkins bestürzt.

Tschurkin sei in der kurzen Zeit seit ihrem Amtsantritt immer ein „freundlicher Kollege“ gewesen, sagte die US-Botschafterin bei den UN, Nikki Haley. „Wir haben nicht immer die gleiche Meinung gehabt, aber er hat die Positionen seines Landes ohne Frage außerordentlich gut vertreten.“ Haleys Vorgängerin Samantha Power schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter, sie sei „am Boden zerstört“. Tschurkin sei ein „diplomatischer Meister“ gewesen und ein „sehr mitfühlender Mann, der alles getan hat, was er konnte, um die Differenzen zwischen den USA und Russland zu überbrücken“. Auch Dutzende weiterer UN-Kollegen sprachen ihr Beileid aus.

Seit 2006 war Tschurkin Gesicht und Stimme Russlands bei den Vereinten Nationen. Auf dem diplomatischen Parkett war er als harter Verhandlungspartner und schlagfertiger Redner bekannt, der etwa Russlands im Westen kritisierte Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim von 2014 mit scharfen Worten verteidigte.

Und der Gewinner ist... Wladimir Putin
Aufs Kreuz gelegt
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Für Kremlchef Wladimir Putin ist das Jahr 2016 so gut gelaufen wie für kaum einen anderen Politiker. Russland bestimmt, was in Syrien geschieht. Barack Obama wird von Donald Trump abgelöst, der das Verhältnis zu Moskau verbessern will. Und die internationale Isolation des Kremls scheint auch vorbei. Aber warum genau ist Putin derzeit so stark?

Grund 1: Putin macht aus begrenzten Mitteln viel
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Wirtschaftlich ist sein Riesenreich immer noch klein und kommt nicht aus der Krise. Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht Russland auf Platz zwölf zwischen Südkorea und Australien. Doch der Ölpreis ist nicht mehr ganz so tief im Keller wie 2015. Russlands Wirtschaft dürfte in diesem Jahr nur noch wenig geschrumpft sein.

Investitionen ins Militär
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Viele seiner Rubel investiert Putin ins Militär. Zwar ist sein Rüstungsetat nur der vierthöchste der Welt (2015: 63,5 Milliarden Euro). Doch die russische Armee hat sich in den letzten Jahren gesundgeschrumpft, hat modernere Waffen bekommen. Sie hat viel geübt und real gekämpft. Nur die US-Streitkräfte haben mehr Feuerkraft.

Grund 2: Putin setzt Macht erbarmungslos ein
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In Syrien hat Russland in anderthalb Jahren das Blatt unerbittlich wieder zugunsten von Machthaber Baschar al-Assad gewendet. Russische Kampfjets flogen fast 71.000 Angriffe, töteten angeblich 35.000 bewaffnete Regimegegner – so die Bilanz von Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Auch Zivilisten werden getroffen
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Treffer auf Schulen, Krankenhäuser? Tote Zivilisten? Die gab es aus Moskauer Sicht nicht. Aleppo wurde erobert. Größter Rückschlag für den russischen Feldzug war das Attentat auf Botschafter Andrej Karlow in der Türkei.

Grund 3: Niemand stört an der Heimatfront
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Anders als Kanzlerin Angela Merkel muss Wladimir Putin keine Dreier-Koalition managen, in Russland entscheidet er allein. Sein Kurs wird nicht in Frage gestellt. Bei der Parlamentswahl waren die Regeln so gesetzt, dass die Kreml-Partei Geeintes Russland drei Viertel der Mandate bekam. 2018 steht eine Präsidentenwahl an. Wenn Putin antritt, dann wird für seinen Wahlsieg gesorgt werden.

Grund 4: Er kann Stärke vortäuschen
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Der US-Geheimdienst CIA vermutet russische Hacker hinter den Angriffen auf Computer der Demokratischen Partei. Aber hat Russland damit wirklich Trump zum Sieg verholfen? Die Briten haben für den Austritt aus der EU votiert. Aber wollte Putin den Brexit?

Im Laufe seiner mehr als 40-jährigen Karriere hatte Tschurkin zahlreiche strategische Posten im Ministerium in Moskau inne. Von 1992 bis 1994 war er stellvertretender Außenminister, anschließend diente er vier Jahre als Botschafter bei der Nato und in Belgien.

„Er war ein großer Diplomat, eine außergewöhnliche Persönlichkeit“, schrieb Außenamtssprecherin Maria Sacharowa bei Facebook. „Wir haben einen lieben Menschen verloren.“ Vizeaußenminister Sergej Rjabkow meinte, es werde schwer Tschurkin zu ersetzen. Auch die russische Botschaft in den USA sprach von einem großen Verlust. Der Verteidigungspolitiker Viktor Oserow sagte, er hoffe, Tschurkin werde ein Vorbild für jüngere Diplomaten sein.

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